Interview: Intelligente Türsteuerungen für nachhaltige Eingänge

Toni Maric

Toni Maric

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Automatische Türen prägen das Erscheinungsbild eines Gebäudes und beeinflussen dessen Energiebilanz massgeblich. Mit MotionIQ stellt dormakaba eine intelligente Türsteuerung vor, die Bewegungen in Echtzeit analysiert und die Offenhaltezeit individuell anpasst. Toni Maric, Bereichsleiter Automatik und Mitglied der Geschäftsleitung Schweiz bei dormakaba, erklärt im Gespräch, welche Vorteile die Technologie für Architekturschaffende bietet und wie sie sich gestalterisch wie ökologisch auf moderne Eingangsbereiche auswirkt.

Herr Maric, was zeichnet MotionIQ gegenüber konventionellen Türsensoren aus?

MotionIQ ist mehr als ein klassischer Bewegungsmelder. Das System erfasst in einem grossflächigen Bereich vor der Tür den Standort und die Geschwindigkeit von Personen und berechnet daraus den idealen Öffnungszeitpunkt sowie die individuelle Offenhaltezeit. Die Tür öffnet sich also nicht pauschal, sondern genau dann, wenn jemand tatsächlich hindurchgehen möchte. Bewegungen ohne Durchgangsabsicht – etwa von Personen, die vor der Tür telefonieren – werden ignoriert.

Welchen gestalterischen Spielraum eröffnet das System für Architekturschaffende?

Die symmetrische Montage des Sensors über der Tür fügt sich ruhig in das Gesamtbild ein. Für repräsentative Eingänge, bei denen Architektur und Wirkung im Vordergrund stehen, bedeutet das: Technologie, die funktioniert, ohne aufzufallen.

Der Radarsensor von MotionIO überwacht den Bereich vor der Tür – sie öffnet sich zum optimalen Zeitpunkt.

Der Radarsensor von MotionIO überwacht den Bereich vor der Tür – sie öffnet sich zum optimalen Zeitpunkt.

Der Radarsensor von MotionIO überwacht den Bereich vor der Tür – sie öffnet sich zum optimalen Zeitpunkt.

In welchen Gebäudetypen entfaltet MotionIQ besonders grossen Nutzen?

Überall dort, wo viele Menschen ein Gebäude betreten und gleichzeitig hohe Anforderungen an die Energieeffizienz bestehen. Das reicht von Bürobauten und Hotels über Verkaufsflächen bis zu Spitälern und Pflegeeinrichtungen. Eine Beispielkalkulation für einen Supermarkt mit rund 800 Besuchenden täglich zeigt, dass sich allein durch MotionIQ rund 25 Prozent der CO2-Emissionen gegenüber einer herkömmlichen Türanlage vermeiden lassen.

Lässt sich MotionIQ auch in bestehende Anlagen integrieren?

Ja, und das ist ein wesentlicher Vorteil. Bestehende Dreh- und Schiebetürantriebe von dormakaba, wie zum Beispiel die Typen ED 100 und ED 250, lassen sich unkompliziert mit MotionIQ nachrüsten. Es wird lediglich der Radarsensor montiert und die ED-Anschlussplatine gegen die CAN-Variante mit MotionIQ-Controller ausgetauscht. Für Eigentümer*innen bestehender Gebäude bedeutet das: Die Energieeffizienz lässt sich erhöhen, ohne dass komplette Türanlagen ersetzt werden müssen. Bauliche Gegebenheiten sind dabei selbstverständlich zu berücksichtigen. Das wirkt sich wiederum positiv auf den Fussabdruck eines Gebäudes aus, da bestehende Anlagen eine längere Lebensdauer erhalten. Da nur der Sensor ergänzt wird, spielen die baulichen Gegebenheiten dabei eine untergeordnete Rolle.

Wie funktioniert die Anpassung an unterschiedliches Nutzungsverhalten?

Das System lernt nicht im klassischen Sinn, sondern berechnet bei jeder Annäherung den Bewegungsvektor neu. Eine ältere Person, die langsam auf die Tür zugeht, wird ebenso passgenau bedient wie jemand, der zügig hindurchschreitet. Die Tür öffnet just in time und schliesst sich, sobald die Passage abgeschlossen ist. Das verbessert die Personenströme spürbar und reduziert das Risiko von Kollisionen.

Die Bewegungserkennung MotionIQ minimiert die Offenhaltezeit von Türen. Dadurch lässt sich viel Energie einsparen.

Die Bewegungserkennung MotionIQ minimiert die Offenhaltezeit von Türen. Dadurch lässt sich viel Energie einsparen.

Die Bewegungserkennung MotionIQ minimiert die Offenhaltezeit von Türen. Dadurch lässt sich viel Energie einsparen.

Wie aufwendig ist die Inbetriebnahme für Planende und Verarbeitende?

Sehr unkompliziert. Eine manuelle Abstimmung zwischen Sensor und Antrieb entfällt, da sich das System automatisch einstellt. Über die CAN-Bus-Technologie ist die Installation rasch erledigt. Auch im späteren Betrieb sind keine Nachjustierungen erforderlich – das reduziert Wartungseinsätze und Folgekosten erheblich. Bestehen bleibt natürlich die vorgeschriebene mindestens jährliche Wartung.

Wie unterstützt dormakaba Architekturschaffende bei der Entscheidungsfindung?

Mit dem Door Efficiency Calculator steht ein wissenschaftlich validiertes Werkzeug zur Verfügung, das in Zusammenarbeit mit dem Institut für Luft- und Kältetechnik in Dresden entwickelt wurde. Das Tool berechnet für konkrete Projekte den erwarteten Energiebedarf, die jährlichen Heizkosten, mögliche CO2-Einsparungen sowie den Return on Investment verschiedener Türlösungen. So lassen sich Planungsentscheidungen auf einer fundierten Datengrundlage treffen. In vielen Fällen amortisiert sich die Investition in MotionIQ bereits innerhalb von zwei Jahren.

Worauf sollten Architekturschaffende bei der Planung automatischer Eingänge besonders achten?

Entscheidend ist die ganzheitliche Betrachtung des Eingangsbereichs: Wer nähert sich der Tür, welche Frequenzen sind zu erwarten, welche klimatischen Anforderungen bestehen? Türanlagen dienen in erster Linie den Menschen in ihrer ganzen Vielfalt und sollen eine reibungslose Begehung ermöglichen. Werden diese Fragen früh geklärt, lässt sich die passende Türlösung präzise auswählen. Die Verbindung von intelligenter Sensorik, energieeffizientem Antrieb und sorgfältig geplantem Eingangsbereich macht aus einer reinen Funktion ein Gestaltungselement, das Komfort, Sicherheit und Nachhaltigkeit gleichermassen unterstützt.

Das Interview entstand in Zusammenarbeit mit dormakaba Schweiz AG.

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