Schallschutz in der Planungs- und Bauphase
Bevor die Kinder in Island mit sechs Jahren in die Schule kommen, besuchen sie – oft schon im Alter von ein oder zwei Jahren – die sogenannte Leikskóli, eine Spielschule. Als Ganztagesbetreuung fasst sie Krippe, Kindergarten und Vorschule unter einem Dach zusammen. In Garðabær südlich von Reykjavik steht für die rund 130 Kinder das an ihren Bedürfnissen ausgerichtete alltagsnahe Erleben im Mittelpunkt. Das Gebäude schuf die Architektin Hulda Jónsdóttir mit ihrem Büro «Hjark Architecture and Design and SAstudio».

Die isländische Spielschule ist Teil eines neuen Öko-Quartiers. Das Gebäude musste deshalb nach dem strengen Umweltlabel Nordic Swan zertifiziert werden, das unter anderem Vorgaben zu Energieverbrauch, Materialien, Tageslicht oder Lärmschutz macht. | Foto © Marino Thorlacius
Herzstück des Innenraums bildet eine längs durch alle Gebäudeteile verlaufende Halle. Farbige Linien am Boden führen die Kinder zu ihrer Gruppe. Jede der drei Altersstufen verfügt über einen eigenen Bereich, dessen Deckenhöhe entsprechend der Grösse der Kinder variiert. Dazwischen liegen Bibliothek, Gemeinschaftsraum, Gewächshaus und eine grosse Küche. Durch grosszügige Glasfronten können die Kinder beobachten, wie das selbst gezogene Gemüse reift und verarbeitet wird. Weisse Wände, viel Holz, hellgraue Linoleumböden und farbige Fensterrahmen prägen die Räume; grosse Fenster und Oberlichter bringen viel Tageslicht ins Innere.
Fliessende Übergänge und raumsparende Flexibilität
«Mir war es wichtig, dass die Räume bei geöffneten Türen fliessend ineinander übergehen», erklärt Architektin Hulda Jónsdóttir. Deshalb kommen in der Leikskóli ausschliesslich Schiebetüren zum Einsatz. «Wenn Schiebetüren offenstehen, laden sie zum Herumtollen ein. Sind sie zu, bilden sie einen Teil der Wand, was den Kindern signalisiert, nicht ins andere Zimmer zu gehen.» Je nach Tageszeit können sich die Kinder frei zwischen Aufenthaltsbereich, Ruhe- und Essraum bewegen.
Die geschickt positionierten Schiebetüren strukturieren die Flächen flexibel, ohne im Weg zu stehen. «Bei einer geschlossenen Schiebetür lassen sich die Räume auf beiden Seiten gleich nutzen, da sie optisch einen Teil der Wand bilden», so Jónsdóttir.
Herausforderung Schallschutz
Die grösste Herausforderung sei der Schallschutz gewesen. In den Ruheräumen sollten die Kinder von Geräuschen abgeschirmt sein, zudem waren die Vorgaben des Nordic-Swan-Labels einzuhalten. 16 Schiebetüren trennen nun die Ruheräume von den übrigen Bereichen. Zum Einsatz kommen mit «Hawa Junior Acoustics» und «Hawa Porta Acoustics» zwei Schiebebeschlagsysteme mit rundumlaufender Dichtung. Sie reduzieren die Geräuschkulisse bei geschlossener Tür um bis zu 39 beziehungsweise 41 Dezibel und schirmen zusätzlich vor Lichteinfall und Zugluft ab. «Das Personal ist sehr zufrieden mit der Lärmdämmung und auch die Kinder können die Schiebetüren leicht bewegen», sagt Hulda Jónsdóttir.
Raumakustik als Qualitätsmerkmal
Lärmschutz kommt in Kindertagesstätten bislang oft zu kurz. Offene Bauweisen mit grossen Glasflächen und harten Materialien führen in Kombination mit vielen Schallquellen zu langen Nachhallzeiten. Das Beispiel der isländischen Spielschule zeigt, dass Schallschutz und Raumakustik bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden sollten. Das Projekt ging aus einem Wettbewerb hervor und ist Teil eines neuen Öko-Quartiers; das Gebäude musste nach dem strengen Umweltlabel Nordic Swan zertifiziert werden, das unter anderem Vorgaben zu Energieverbrauch, Materialien, Tageslicht und Lärmschutz macht.



