Air Conditioned – Wie kühlen wir, ohne die Welt weiter aufzuheizen?
Klimaanlagen machen Innenräume bei Hitze erträglicher, benötigen aber Energie und geben Wärme an ihre Umgebung ab. Diesem Paradox widmet sich die Ausstellung Air Conditioned des Architekturmuseums der TUM, die vom 19. November 2026 bis zum 23. Mai 2027 in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen ist. Sie zeigt, welche Rolle Architektur bei der Suche nach klimagerechten Lösungen spielt.

Klimageräte prägen die Fassaden in Singapurs Chinatown. Das Bild zeigt, wie sichtbar technische Kühlung Teil der Architektur geworden ist. | Foto Dietmar Rabich © Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Wenn der Entwurf Kühlung voraussetzt
Ein Gebäude mit grossen Glasflächen kann viel Tageslicht bieten, sich bei Hitze aber auch stark aufwärmen. Fehlt eine wirksame Verschattung, muss häufig die Gebäudetechnik ausgleichen, was die Architektur nicht auffängt. Genau an diesem Punkt setzt Air Conditioned an: Die Ausstellung betrachtet Kühlung nicht bloss als Frage der passenden Anlage, sondern als Folge von Entscheidungen über Fassade, Grundriss und Raumklima.
Die Abhängigkeit hat ihren Preis. Klimatisierte Gebäude benötigen Energie, regelmässige Wartung und eine funktionierende technische Infrastruktur. Ein Teil der Ausstellung richtet deshalb den Blick hinter die Kulissen der Pinakothek der Moderne – bis in ihre Technikzentralen. Dort wird sichtbar, welcher Aufwand nötig ist, damit sich ein Innenraum scheinbar mühelos angenehm anfühlt.

«It’s Cool Inside»: Ein Kino in Chicago wirbt im Juli 1940 nicht nur für sein Programm, sondern auch für seinen klimatisierten Innenraum. | Foto: John Vachon © Library of Congress, LC-DIG-fsa-8a06726
Behaglichkeit ist kein fester Wert
Wie warm oder kühl ein Raum sein soll, erscheint in der Planung oft als messbare Vorgabe. Die Ausstellung zeichnet nach, wie solche Komfortstandards entstanden sind und welche Vorstellung vom «angenehmen» Innenraum sie geprägt hat. Sie zeigt zugleich, wie mechanische Kühlung als Zeichen von Fortschritt und modernem Lebensstil vermarktet wurde. Für die Architektur ist das mehr als eine historische Betrachtung. Wer eine einheitliche Temperatur für alle anstrebt, setzt auf Kontrolle durch Technik. Wer unterschiedliche Nutzungen, individuelle Anpassung und lokale Klimabedingungen berücksichtigt, eröffnet andere Möglichkeiten für den Entwurf.

Kühlung zum Mitnehmen: Der 3-in-1-Sonnenschirm verbindet UV-Schutz mit einem batteriebetriebenen Ventilator und einer Sprühnebelpumpe. | Foto: Jakob Nonnen © Architekturmuseum der TUM, 2026
Mit dem Klima entwerfen
Air Conditioned stellt der dauerhaften technischen Regelung passive und energiearme Strategien gegenüber. Dazu gehören die Orientierung eines Gebäudes, aussenliegende Verschattung, natürliche Belüftung, Speichermasse und Vegetation. Keine dieser Massnahmen ersetzt überall eine Klimaanlage. Zusammen können sie aber dazu beitragen, Hitze bereits durch die Gestaltung zu begrenzen, statt sie erst nachträglich technisch zu bekämpfen. Damit verbindet die Ausstellung eine Frage, die über das einzelne Gebäude hinausreicht: Kühlung ist weltweit ungleich zugänglich. Eine Architektur für wärmere Zeiten muss deshalb nicht nur weniger Energie verbrauchen, sondern auch Schutz vor Hitze für möglichst viele Menschen ermöglichen.

Raumlufttechnisches Gerät in einer der drei Technikzentralen im Untergeschoss der Pinakothek der Moderne, 2026. | Foto © Architekturmuseum der TUM
Architekturmuseum der TUM
Air Conditioned – Architektur zwischen Behaglichkeit und Klimawandel
Ausstellung: 19. November 2026 bis 23. Mai 2027
Ort: Pinakothek der Moderne, Barer Strasse 40, München
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr