Im Netz der Möglichkeiten – Tomás Saraceno im Haus der Kunst München

 

Veröffentlicht am 23. Oktober 2026 von
Jørg Himmelreich

Tomás Saraceno verknüpft im Münchner Haus der Kunst Seilskulpturen, Spinnennetze und eine überwältigende Installation aus schwebenden Sphären mit der Dokumentation des Widerstandes indigener Gemeinschaften gegen die Folgen des Lithiumabbaus zu einer vielschichtigen Retrospektive. Verwobene Welten balanciert die Lust am spektakulären Bild mit politischem Anspruch erstaunlich gut. Für die Architektur eröffnet die Ausstellung grundlegende Fragen rund um die Themen Ressourcen, Zusammenleben und Verantwortung.

Tomás Saraceno, Towards the Sanctuary of Water, 2026 | Foto: Jørg Himmelreich

Tomás Saraceno, Towards the Sanctuary of Water, 2026 | Foto: Jørg Himmelreich

Tomás Saraceno, Towards the Sanctuary of Water, 2026 | Foto: Jørg Himmelreich

Beziehungsgefüge analysieren und konstruieren

Mit Tomás Saraceno in Collaboration. Verwobene Welten, international unter dem Titel «Ancestral Futures» geführt, präsentiert das Haus der Kunst vom 17. Juli 2026 bis zum 7. Februar 2027 eine umfangreiche Werkschau mit bekannten und neuen Arbeiten. Sarah Johanna Theurer und Andrea Lissoni haben sie mit Unterstützung von Aditi Kapoor kuratiert. Wer Saracenos begehbare Netzinstallation in orbit kennt, die von 2013 bis Anfang 2024 über dem Lichthof des Düsseldorfer K21 schwebte, begegnet hier einem vertrauten Anspruch: Raum soll die Beziehungen zwischen seinen Bestandteilen körperlich erfahrbar machen.

München erweitert diesen Ansatz um einen konkreten politischen Zusammenhang. Die Ausstellung verbindet Saracenos langjährige Forschungsfelder Aerocene und Arachnophilia mit einer Zusammenarbeit, die weit über das Museum hinausreicht: In den nordargentinischen Salinas Grandes entsteht mit den elf indigenen Gemeinschaften des Netzwerks Red Atacama das dauerhafte Land-Art-Projekt The Sanctuary of Water.

Für ein Architekturpublikum liegt hier der besondere Reiz. Saraceno behandelt Raum als Gefüge aus materiellen Kräften, Lebewesen, kulturellen Vorstellungen und gesellschaftlichen Entscheidungen. Welche Beziehungen bringt eine Architektur hervor, wem eröffnet sie Handlungsmöglichkeiten und wer trägt ihre Kosten? Diese Fragen durchziehen die Ausstellung.

Saraceno, 1973 in San Miguel de Tucumán geboren und heute in Berlin tätig, studierte Architektur an der Universität von Buenos Aires. Weitere Studien führten ihn unter anderem an die Frankfurter Städelschule und nach Venedig. Spätere Forschungsaufenthalte und Kooperationen verbanden seine Arbeit mit Institutionen wie dem MIT und dem französischen Raumfahrtzentrum CNES.

Diese Biografie erklärt, weshalb sich sein Werk den üblichen Kategorien entzieht. Seine Skulpturen sind räumliche Versuchsanordnungen; seine Installationen können Forschungsinstrumente, soziale Situationen oder Modelle anderer Lebensweisen sein. Biologie, Atmosphärenforschung und die materiellen Prozesse von Salzlandschaften werden zu Ausgangspunkten der Gestaltung.

Auch seine Beziehung zu Argentinien ist vielschichtig. Sein Vater wurde politisch verfolgt, die Familie ging ins Exil nach Italien und kehrte später nach Argentinien zurück. Saracenos Annäherung an die andinen Salzlandschaften, die auch in der Ausstellung im Haus der Kunst einen grossen Raum einnehmen, beschreibt er als langen Prozess, der Zugehörigkeit und Fremdheit einschliesst. Entscheidend für die heutigen Projekte ist die konkrete, über Jahre gewachsene Zusammenarbeit mit den Gemeinschaften.

Die Münchner Ausstellung lässt sich als zunehmende Verbindung von Raumexperiment, Ökologie und Aktivismus lesen. Bereits die frühen Vorstellungen schwebender Städte berührten Fragen nach Grenzen, Eigentum und gemeinschaftlichem Leben. Neu ist vor allem die Konkretheit der politischen und gesellschaftlichen Akteure: Aus dem allgemeinen Bild planetarischer Verbundenheit werden benennbare Territorien, politische Organisationen und materielle Konflikte. Für eine jüngere Generation von Architekt*innen, die Entwerfen mit Ressourcenfragen, gemeinschaftlicher Organisation und aktivistischem Engagement verbindet, ist diese Entwicklung besonders relevant.

Tomás Saraceno, The Sanctuary of Water, Salinas Grandes, voraussichtlich 2027 | Visualisierung © Studio Tomás Saraceno

Tomás Saraceno, The Sanctuary of Water, Salinas Grandes, voraussichtlich 2027 | Visualisierung © Studio Tomás Saraceno

Tomás Saraceno, The Sanctuary of Water, Salinas Grandes, voraussichtlich 2027 | Visualisierung © Studio Tomás Saraceno

Wasser als Heiligtum

Betritt man die Installation Towards the Sanctuary of Water, verliert der Raum seine Verlässlichkeit. Silberne und transparente Körper schweben über einer dunklen Wasserfläche, vervielfacht durch Reflexionen und überlagert von Projektionen. Leuchtende Kreise erscheinen wie ferne Himmelskörper, filigrane Strukturen wachsen zu kosmischen Landschaften. Was ist Objekt, was Spiegelung, was Schatten oder Projektion? Das Auge braucht Zeit, um die verschiedenen Ebenen zu unterscheiden, und muss seine Wahrnehmung immer wieder korrigieren.

Die Installation bildet den sinnlichen Höhepunkt von Tomás Saracenos Ausstellung im Haus der Kunst München. Wasser, Licht, Klang und schwebende Körper erzeugen ein ausserordentlich immersives Environment, dessen räumliche Grenzen kaum mehr auszumachen sind. Der Wasserspiegel erinnert an die Salinas Grandes im Norden Argentiniens, deren zeitweise überflutete Salzflächen Himmel und Erde ineinander übergehen lassen. Aufnahmen einer Sonnenfinsternis und mikroskopische Bilder von Spinnen verbinden kosmische und biologische Dimensionen.

Tomás Saraceno, Algo-r(h)i(y)thms, 2018, Ausstellungsansicht im Haus der Kunst München | Foto: Agostino Osio © Haus der Kunst München

Tomás Saraceno, Algo-r(h)i(y)thms, 2018, Ausstellungsansicht im Haus der Kunst München | Foto: Agostino Osio © Haus der Kunst München

Tomás Saraceno, Algo-r(h)i(y)thms, 2018, Ausstellungsansicht im Haus der Kunst München | Foto: Agostino Osio © Haus der Kunst München

Ausserordentliche Dichte

In seiner Verbindung von Raumregie, Technik und umfassendem Weltentwurf erinnert das Environment an ambitionierte Weltausstellungspavillons. Zwar gehören schwebende Kugeln, Reflexionen und kosmische Analogien seit Langem zu Saracenos Repertoire. Hier aber verdichten sie sich zu einer räumlichen Erfahrung von neuer Intensität.

Besondere Kraft gewinnt die Arbeit durch ihren Ort. Das Haus der Kunst wurde zwischen 1933 und 1937 nach Plänen von Paul Ludwig Troost als nationalsozialistischer Repräsentationsbau errichtet. Saracenos Installation lässt sich als Gegenentwurf zu dessen monumentaler Architektur lesen: Der steinernen Schwere und strengen Geometrie begegnet er mit schwebenden, organisch anmutenden Formen. Wo die Architektur Dauer, Ordnung und Übersichtlichkeit demonstriert, entsteht eine bewegliche Welt, deren Erscheinung sich mit Licht und Standpunkt fortwährend verändert. Die Geschichte des Gebäudes wird dadurch nicht aufgehoben, wohl aber sein Anspruch auf räumliche Eindeutigkeit unterlaufen.

Der inhaltlich dichteste Teil der Ausstellung liegt allerdings anderswo. Denn so überwältigend der Wasserraum ist, so sehr bedient er auch die Mechanismen einer auf spektakuläre Bilder ausgerichteten Aufmerksamkeitsökonomie. Seine schimmernden Oberflächen und scheinbar unendlichen Reflexionen sind ausgesprochen fotogen. Saracenos Ausstellung erschöpft sich jedoch nicht im Staunen. In anderen Räumen werden die ästhetischen Erfahrungen mit ökologischer Forschung, gesellschaftlichen Konflikten und politischen Forderungen verknüpft. Diese unterschiedlichen Ebenen fallen nicht immer bruchlos zusammen. Insgesamt gelingt ihre Verbindung jedoch erstaunlich gut.

Tomás Saraceno, The Three Worlds of Pacha, Ausstellungsansicht im Haus der Kunst München, 2026 | Foto: Agostino Osio © Haus der Kunst München

Tomás Saraceno, The Three Worlds of Pacha, Ausstellungsansicht im Haus der Kunst München, 2026 | Foto: Agostino Osio © Haus der Kunst München

Tomás Saraceno, The Three Worlds of Pacha, Ausstellungsansicht im Haus der Kunst München, 2026 | Foto: Agostino Osio © Haus der Kunst München

Die Tragfähigkeit des Filigranen

Wunderbar räumlich und damit an der Grenze zwischen Skulptur und Architektur operiert auch das «Museo Aero Solar». Die seit 2007 gemeinschaftlich entwickelte Struktur besteht aus zusammengefügten, wiederverwendeten Plastiktüten. Seine Hülle wird zum Archiv vieler Hände, Orte und Gebrauchsspuren. In der Mittelhalle des Museums verbindet sich die monumentale Wirkung des aufgeblasenen Körpers mit der Einfachheit seines Materials.

Ein Wegwerfprodukt wird zur gemeinsamen räumlichen Ressource. Als Experiment über Auftrieb, Energie und kollektive Herstellung besitzt die Arbeit eine produktive Offenheit. Die 2015 gegründete Aerocene-Initiative führt solche Untersuchungen zu einer Fortbewegung weiter, deren Auftrieb ohne die Verbrennung fossiler Brennstoffe auskommt.

Andere Arbeiten wie die 2019 entwickelten Algo-r(h)i(y)thms übersetzen das Denken über Beziehungen in geometrische Gefüge. Gespannte Linien, Knoten und polyedrische Formen lassen Raum als Kräfteverhältnis erscheinen. Die Nähe zu Leichtbau und experimenteller Architektur ist unmittelbar lesbar. Frei Ottos Untersuchungen zu Netzen und minimalem Materialeinsatz bilden dafür einen aufschlussreichen Bezug. Besucher*innen bewegen sich durch ein Geflecht gespannter Seile, dessen Berührung vibrierende Bewegungen und Klänge auslöst. Die Installation vermittelt eine Ahnung davon, wie wesentlich Schwingungen für die Orientierung und Kommunikation von Spinnen sind. Der eigene Körper tritt als Störung und Mitspieler in ein räumliches System ein.

Noch eindrücklicher bleiben die tatsächlichen Spinnennetze der Werkgruppe Webs of At-tent(s)ion. In vorbereiteten Rahmen erzeugen einzelne oder mehrere Spinnen komplexe, teilweise überlagerte räumliche Gespinste. Im gerichteten Licht werden aus kaum sichtbaren Fäden dichte Landschaften von verblüffender konstruktiver Feinheit.

Diese Arbeiten verschieben das Verständnis von Autorschaft: Die entscheidende räumliche Leistung wird von anderen Lebewesen erbracht. Saracenos Begriff der Zusammenarbeit bleibt dabei herausfordernd. Ein Netz im Ausstellungsrahmen ist zugleich Zeugnis tierischer Fähigkeiten und Ergebnis menschlicher Auswahl, Unterbringung und Beleuchtung. Diese Asymmetrie sollte bei der Bewunderung nicht übersehen werden.

Tomás Saraceno, Museo Aero Solar, seit 2007, Ausstellungsansicht im Haus der Kunst München | Foto: Agostino Osio © Haus der Kunst München

Tomás Saraceno, Museo Aero Solar, seit 2007, Ausstellungsansicht im Haus der Kunst München | Foto: Agostino Osio © Haus der Kunst München

Tomás Saraceno, Museo Aero Solar, seit 2007, Ausstellungsansicht im Haus der Kunst München | Foto: Agostino Osio © Haus der Kunst München

Wasser statt weisses Gold

In den anschliessenden Informationsräumen erhält die sinnliche Erfahrung politische Kontur. Karten, Diagramme, Filme und Dokumentationen behandeln die Salinas Grandes und das Becken der Laguna de Guayatayoc. Wasser erscheint als Voraussetzung eines ganzen Lebenszusammenhangs: für Menschen, Tiere, Feuchtgebiete, Weidewirtschaft und lokale Formen der Salzgewinnung.

Hier liegt die grösste inhaltliche Stärke der Schau. Was zuvor als faszinierende Spiegelung erschien, erhält eine materielle Bedeutung. Die Ausstellung verschiebt die Perspektive auf die Energiewende: Was aus europäischer Sicht als strategischer Rohstoff für Batterien erscheint, liegt in bewohnten und kulturell geprägten Landschaften. Die dortigen Gemeinschaften formulieren eigene Vorstellungen von Entwicklung und Selbstbestimmung.

Red Atacama ist ein konkretes soziopolitisches Netzwerk von elf Gemeinschaften und steht in einem breiteren regionalen Zusammenhang indigener Organisation. Wie aktuell der Konflikt ist, zeigt eine Stellungnahme der argentinischen Menschenrechtsorganisation CELS vom Juli 2026. Sie unterstützt ein Verfahren von Gemeinschaften aus Salta und Jujuy und beschreibt deren Forderungen nach Schutz der Wassersysteme, Umweltprüfungen und angemessener Beteiligung. Nach Darstellung der beteiligten Organisationen wurden Vorhaben ohne hinreichende vorherige Konsultation vorangetrieben. Hier geht es um überprüfbare Verfahren und konkrete Entscheidungsmacht.

Dieser Teil der Ausstellung macht klar: Konzepte zur Nachhaltigkeit von Mobilität und Architektur – sei dies in der Schweiz und an anderen Orten der Welt – haben Folgen auf die gezeigten Orte. Die Ausstellung fordert dazu auf, diese weit entfernten ökologischen und sozialen Folgen bei der Bewertung vermeintlich nachhaltiger Technologien mitzudenken.

Tomás Saraceno, Species of Spaces and Other Pieces, 2023 | Foto: Agostino Osio © Haus der Kunst München

Tomás Saraceno, Species of Spaces and Other Pieces, 2023 | Foto: Agostino Osio © Haus der Kunst München

Tomás Saraceno, Species of Spaces and Other Pieces, 2023 | Foto: Agostino Osio © Haus der Kunst München

Land Art als gemeinschaftliche Infrastruktur

Die Land Art Skulptur The Sanctuary of Water soll diese Beziehung über die Ausstellung hinausführen. Sie entstand auf Wunsch der beteiligten Gemeinschaften. Das Haus der Kunst unterstützt die Realisierung gemeinsam mit der Aerocene Foundation, Saracenos Studio und weiteren Beteiligten.

Die Planung sieht fünf als «Apachetas» bezeichnete Salzkörper um ein kreisförmiges, den Himmel spiegelndes Becken vor. Laut Projektdokumentation reichen ihre vorgesehenen Durchmesser von zwei bis 24 Metern, ihre Höhen bis zu zwölf Metern. Der Bezug gilt den andinen Apachetas als über Generationen gewachsenen Orten von Wegmarkierung, Gabe und Dankbarkeit.

Das Werk soll Zusammenkunft und gemeinschaftlich getragenen Tourismus ermöglichen sowie im Besitz und unter der Verwaltung der Gemeinschaften bleiben. Darin liegt sein stärkster architektonischer Gedanke: Die räumliche Form ist mit einem Modell von Nutzung und Verantwortung verbunden.

Die lokale Perspektive schärft zugleich die offenen Fragen. In einem im Oktober 2026 veröffentlichten Bericht erläutert Red-Atacama-Vertreter Miguel Casimiro, dass Zugänge und Besuchsbedingungen noch in gemeinschaftlichen Versammlungen diskutiert werden. Vorgesehen sei auch, den Ort zeitweise zu schliessen, damit er sich erholen könne. Der Schutz des Territoriums setzt dem touristischen Angebot damit Grenzen.

Noch ist das Projekt kein Beweis für dauerhaft gelungenen Tourismus oder wirksamen Landschaftsschutz. Die Fertigstellung ist für 2027 angekündigt. Wie Einnahmen verteilt, Unterhalt organisiert und Belastungen begrenzt werden, wird sich im Betrieb zeigen müssen.

Tomás Saraceno, Webs of At-tent(s)ion, 2026, Ausstellungsansicht im Haus der Kunst | Foto: Jørg Himmelreich

Tomás Saraceno, Webs of At-tent(s)ion, 2026, Ausstellungsansicht im Haus der Kunst | Foto: Jørg Himmelreich

Tomás Saraceno, Webs of At-tent(s)ion, 2026, Ausstellungsansicht im Haus der Kunst | Foto: Jørg Himmelreich

Zwischen Instagram und politischer Öffentlichkeit

Dass Saracenos Verbindung von Forschung, Aktivismus und Spektakel überzeugt, ist keineswegs Konsens. Es gab in der Presse durchaus Kritik, dass der grosse Auwand nicht im Verhältnis zur behauptetetn ökologischen Dringlichkeit stehen würden. Auch das nebeneinander verschiedener Vermittlungsformen und das Zeigen zu vieler bereits bekannter Werke wurde mitunter angekreidet.

Solche Einwände lassen sich nicht von der Hand weisen. Ein Netz wird durch seine Schönheit noch nicht zum Modell gerechter Gesellschaft. Die Beschwörung universeller Verbundenheit kann Unterschiede zwischen Abhängigkeit, Ausbeutung und solidarischer Zusammenarbeit verwischen. Und das eindrucksvolle Bild eines Wasserraums vermittelt für sich genommen wenig über Genehmigungsverfahren, Grundwasser oder indigene Selbstbestimmung.

Dennoch wäre es zu einfach, seine Popularität gegen seinen Wert auszuspielen. Grosse Ausstellungen müssen heute häufig auf mehreren Ebenen funktionieren. Sie sollen unmittelbare Erfahrungen ermöglichen, ein breites Publikum anziehen und Bilder hervorbringen, die auch ausserhalb des Museums zirkulieren. Gleichzeitig können sie Wissen vermitteln und gesellschaftliche Auseinandersetzungen zugänglich machen. Ein fotogener Höhepunkt und ein politisch anspruchsvolles Programm können sich gegenseitig tragen.

Saraceno balanciert diese Anforderungen in München recht gut. Der Wasserraum weckt Neugier und bietet ein Erlebnis, das sich einprägt. Die Dokumentationssäle geben den dargestellten Konflikten Raum und Gewicht und das gemeinschaftliche Projekt in Argentinien eröffnet eine Perspektive, in der Aufmerksamkeit in materielle Unterstützung und lokale Infrastruktur übergehen soll.

Towards the Sanctuary of Water allein rechtfertigt die Reise nach München. Die Zusammenarbeit mit Red Atacama gibt dem Besuch eine weiterreichende Bedeutung. Für die Architektur bleibt daraus eine konkrete Herausforderung: Gestaltung muss die Beziehungen berücksichtigen, die ihre Räume ermöglichen und sich zugleich bewusst sein, dass sie auch über Wasser, Materialien, Aufmerksamkeit und Verfügungsmacht entscheidet. Saraceno macht diese Zusammenhänge mit einer seltenen räumlichen Intensität erfahrbar. Wie viel politische Tragfähigkeit daraus erwächst, wird sich auch dort entscheiden, wo das Museum endet.

Tomás Saraceno in Collaboration. Verwobene Welten

Ort: Haus der Kunst, Prinzregentenstraße 1, München

Dauer: 17.7.2026–7.2.2027

Öffnungszeiten: Mi–Mo 10–20 Uhr

Weitere Infos
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