Too hot – das DAM zeigt Wege, um Städte zu kühlen
Städte werden durch den Klimawandel zunehmend heisser. Hitze, Dürre, Wasserknappheit und Überschwemmungen zeigen, wie dringend urbane Räume neu gedacht werden müssen. Die Ausstellung Too Hot im Deutschen Architekturmuseum zeigt Beispiele aus dreizehn europäischen Städten, die mit gebauten Projekten, strategischen Planungen und zivilgesellschaftlichen Initiativen auf die Klimakrise reagieren – und fragt, wie klimaangepasste Stadtplanung künftig aussehen kann.

Blick in die Ausstellung | Foto: Moritz Bernoully
Da Städte den grössten Anteil an CO₂-Emissionen verursachen, tragen sie eine besondere Verantwortung, etwa beim Umbau von Infrastruktur und öffentlichem Raum. Viele von ihnen wollen in den nächsten fünfzehn Jahren klimaneutral werden. Was bedeutet das für die Zukunft – für Planung, Architektur und Leben in der Stadt?
Die Schau der Kurator*innen Jonas Malzahn, Katharina Böttger und Mathias Schnell zeigt Beispiele aus dreizehn europäischen Städten verschiedener Klimata – von der Kleinstadt bis zur Metropole. Sie reagieren auf die Klimakrise mit konkreten Massnahmen für Klimaschutz und Anpassung: darunter gebaute Projekte, strategische Planungen und zivilgesellschaftliche Initiativen. Die Ausstellung veranschaulicht, wie vielfältig dieser Wandel aussehen kann und von welchen sozialen Fragen und gesellschaftspolitischen Diskursen er begleitet wird.

Bisher versiegelte Strassenräume werden in Barcelona zu neuen öffentlichen Räumen: Der Rocafort Square Garden in den Eixample verwandelt eine Verkehrskreuzung in einen schattigen Gartenraum. Entworfen wurde der 2023 fertiggestellte Park von 08014. | Foto: Pol Viladoms
Es wird heisser
In Europa ist die Temperatur in den letzten hundert Jahren um durchschnittlich 2,4 Grad Celsius gestiegen, in Deutschland sogar um 2,5 Grad Celsius. Seit 1951 hat die Zahl der Hitzetage in Deutschland um 208 Prozent zugenommen. Weltweit starben zwischen 1995 und 2024 mehr als 832'000 Menschen infolge von Extremwetterereignissen, insbesondere durch Hitzewellen und Stürme.
Mit dem Pariser Klimaabkommen verpflichteten sich 197 Staaten, die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Aktuelle Prognosen gehen jedoch davon aus, dass dieses Ziel verfehlt wird: Bei Fortführung der derzeitigen politischen Massnahmen ist bis Ende des Jahrhunderts mit einer Erwärmung von etwa 2,8 Grad Celsius zu rechnen. Städte sind dabei zugleich Verursacher, Betroffene und zentrale Akteure des Wandels – hier werden die Folgen der Klimakrise besonders sichtbar, ebenso wie soziale Ungleichheiten.

Seit 2007 nutzt das Łódź Design Festival das ehemalige Fabrikgelände Księży Młyn als Experimentierfeld für Klimaanpassungsmassnahmen. Pflanzen wurden eingefügt und Regenwasser zur Bewässerung gesammelt. | Foto: Rafal Tomcyk
Ein cooles Labor
Too Hot führt durch mehrere Themenbereiche: Wissenschaftliche Grundlagen und politische Zielsetzungen, urbane Infrastrukturen und Messmethoden des Stadtklimas. Interviews mit Expert*innen zu Gesundheit, sozialer Gerechtigkeit, Ressourcenmanagement und Greenwashing erweitern die Perspektive. Den Abschluss bildet die Frage: Und jetzt?!
Im Mittelpunkt stehen dreizehn europäische Städte – von Finnland bis Griechenland, von Großbritannien bis Polen. Sie zeigen unterschiedliche Strategien im Umgang mit der Klimakrise. Einige Beispiele machen den Wandel im Stadtraum sichtbar: Kopenhagen nutzt Parks und Plätze gezielt als Rückhalteräume für Starkregen. Wien erprobt die gemeinsame Energie- und Kühlversorgung eines Wohnblocks. In Paris senken begrünte Dächer unter historischen Zinkdächern die Sommertemperaturen deutlich. Barcelona kühlt sein dicht bebautes Stadtgefüge mit einem Netz begrünter Strassen und neuer Plätze. Mehrere Städte setzen dabei auf langfristige strukturelle Veränderungen: Łódź legt Flüsse wieder frei undintegriert sie als grüne Korridore in die Stadt. Lappeenranta verbindet Klimabildung mit der Umstellung auf erneuerbare Energien. Liepāja treibt den Ausbau des öffentlichen Verkehrs voran, um den Autoverkehr zu reduzieren.

Paris reagiert auf zunehmende Hitze, Wasserknappheit und Luftverschmutzung mit einer umfassenden klimatischen Transformation des öffentlichen Raums. Asphaltflächen werden entsiegelt, Verkehr reduziert, Dächer und Fassaden angepasst und die Seine rückt wieder stärker als Ort der Abkühlung und Erholung in den Fokus. | Foto des Hotel du Ville: Josephine Brueder © Ville de Paris
Zivilgesellschaftliche Initiativen ergänzen die Ansätze: In Totnes organisiert die lokale Stadtgesellschaft den Ausstieg aus fossilen Energien. Frankfurt am Main schliesslich zeigt, wie sich Bürger*innen für den Erhalt von Grünflächen und Kaltluftschneisen einsetzen – und dabei Zielkonflikte der Stadtentwicklung sichtbar machen.
Künstlerische und wissenschaftliche Arbeiten eröffnen zusätzliche Zugänge zum Thema Klima. Ein «Schwarm» Windhosen auf dem Dach des Museums macht Luftströmungen sichtbar; ein Regenfänger zeigt, wie mit einfachen Mitteln wertvolles Wasser gesammelt werden kann. Mobile Klimamessgeräte sowie eine Messstation geben Einblick in Forschungsprojekte.

Dem Flussbad Marzili in Bern wurde ein Kanal angefügt, der seit 2019 Schwimmer*innen den Ausstieg aus der Aare erleichtert. | Foto: Caspar Martig
Too Hot – Heisse Städte, neue Wege
Deutsches Architekturmuseum
Ausstellung: 20.6.2026–7.2.2027
Ort: Schaumainkai 43, Frankfurt am Main, Deutschland
Öffnungszeiten: Di + Do bis So 11–18 Uhr; Mi 11–20 Uhr