Interview: Mehr Grün über dem Kopf

 Kontakt aufnehmen Infos anfordern

Veröffentlicht am 08. Juni 2026

Steven Hägeli

Steven Hägeli

Steven Hägeli

Begrünte Dächer sind ein zentraler Baustein für klimaresiliente Städte und attraktive Aussenräume. Steven Hägeli von Velopa erklärt, wie sich Begrünungen auf Überdachungen sinnvoll integrieren lassen und welchen Beitrag sie zu Biodiversität, Mikroklima und Aufenthaltsqualität leisten können.

Herr Hägeli, welche Bedeutung hat die Begrünung speziell bei Überdachungen im öffentlichen Raum – und warum gewinnt dieses Thema aktuell so stark an Relevanz?

Dachbegrünung hat insbesondere im Angesicht der schrumpfenden Biodiversität in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen – insbesondere in städtischen Gebieten, wo die Auswirkungen des Klimawandels für Mensch und Natur deutlich zu spüren sind.Immer mehr Städte und Gemeinden passen ihre Vorgaben für Flachdächer an und schreiben gar eine Begrünung ab einer gewissen Dachfläche und unter bestimmten Voraussetzungen vor.

Dachbegrünung auf einem Personenunterstand in Basel | Foto © Velopa AG
Begrünte Veloüberdachung im öffentlichen Raum | Foto © Velopa AG

Städte kämpfen zunehmend mit den negativen Folgen von Hitzeinseln und Starkregen: Wie können Dachbegrünungen die Auswirkungen des Klimawandels abschwächen?

Dachbegrünungen bieten eine Vielzahl von nachgewiesenen Vorteilen im städtischen Raum. Sie optimieren das Mikroklima, indem sie die Oberflächentemperatur reduzieren, und schaffen zugleich neuen Lebensraum für Pflanzen, Insekten und Vögel. Darüber hinaus dämpfen begrünte Dächer Lärmemissionen und tragen dadurch zu einer höheren Lebensqualität bei. Die zusätzliche Dachabdichtung schützt Gebäude vor Witterungseinflüssen und verlängert somit deren Lebensdauer. Zudem können begrünte Dachterrassen als attraktive Rückzugs- und Begegnungsorte genutzt werden.Wir verzeichnen eine erhöhte Nachfrage nach Überdachungen mit Begrünung – sei es für Velos oder Personen. Mit der richtigen Pflanzenmischung unter Berücksichtigung der örtlichen Vorgaben lassen sich darauf gezielt neue Lebensräume aufbauen. Daneben spielen auch weitere Faktoren wie etwa der Standort des Unterstandes, der Aufbau des Gründaches sowie eine nachhaltige Pflege eine zentrale Rolle für eine mehrjährige Begrünung. Zu beachten ist aber auch, dass wir dort beschränkte Möglichkeiten in Bezug auf die zulässige Dachlast haben.

Was zeichnet eine extensive Dachbegrünung – beispielsweise von Sedum mit Wildblumen oder Kräutern – im Vergleich zu anderen Begrünungsformen aus?

Im Vergleich zu anderen Dachbegrünungen besteht eine extensive meist aus einer niedrigen Substratschicht, weshalb sie sich insbesondere für Dächer eignet, bei denen nur eine geringe zusätzliche Last möglich ist. Weil die Pflanzen naturnah sind, regeneriert sich eine extensive Begrünung meist selbst, was einen geringen Pflegeaufwand bedeutet. Vorkultivierte Sedummatten werden auf einem nicht verrottbaren Trägergewebe während ein bis zwei Jahren kultiviert. Die Matten werden im Freien stresskonditioniert und sind deshalb für den Einsatz auf Dächern vorbereitet. Die Sedummatten sind gut eingewurzelt. Sie haben den grossen Vorteil, dass sie bereits mit mindestens 80 Prozent Deckungsgrad dicht bewachsen sind. Die Zeitersparnis gegenüber einer Ansaat beträgt ein bis anderthalb Jahre.

Mit der richtigen Pflanzenmischung können Gründächer zu wertvollen Lebensräumen werden. | Foto © Velopa AG

Mit der richtigen Pflanzenmischung können Gründächer zu wertvollen Lebensräumen werden. | Foto © Velopa AG

Mit der richtigen Pflanzenmischung können Gründächer zu wertvollen Lebensräumen werden. | Foto © Velopa AG

Wie lassen sich gestalterische Ansprüche mit ökologischen Anforderungen verbinden – etwa bei der Auswahl von Substraten, Pflanzen oder Materialien?

Grundsätzlich haben unsere Auftraggebenden freie Wahl, was die Bepflanzungsart betrifft, solange die maximale Dachlast nicht überschritten wird. Wir liefern und montieren gern vorkultivierte Sedummatten mit dem entsprechenden Saatgut oder die Kund*innen begrünen es selbst.

Überdachungen sind funktionale Bauwerke. Welche planerischen Herausforderungen ergeben sich bei der Integration von Dach- und Fassadenbegrünung in solche Konstruktionen?

Dank unseren modularen Überdachungen, welche sich beliebig aneinanderreihen lassen, sehen wir nur geringe Herausforderungen bei der Planung. Die Unterkonstruktion für die Dachbegrünung ist so konstruiert, dass sie wasserdicht ist und darunter parkierte Velos trocken bleiben. Wichtig zu beachten ist, dass das Abwasser abläuft und sich nicht in einer zu hohen Substratschicht sammelt.

Velopa bietet ein breites Sortiment an Überdachungen für unterschiedliche Einsatzbereiche an. Welche Ihrer Systeme eignen sich besonders gut für die Integration von Dachbegrünungen und wie unterstützen diese Konstruktionen eine nachhaltige und langfristig stabile Begrünung?

Wir konzentrieren uns bei den Veloüberdachungen mit Begrünung vor allem auf solche, die im öffentlichen Raum stehen, etwa Pilo und Techflat. Bei den Personenunterständen mit Flachdach gehen wir bei der Entwicklung pragmatisch vor und reagieren flexibel auf Kundenanfragen, wenn der Wunsch nach Begrünung aufkommt. Es gibt aber sowohl bei Velo- als auch bei Personenunterständen Überdachungen, bei denen eine Verstärkung für Dachbegrünung konstruktiv nicht sinnvoll ist.

Immer häufiger werden Dachbegrünungen vorgeschrieben oder als Ausgleichsmassnahme eingesetzt. Welche Entwicklungen erwarten Sie in der Planungspraxis der kommenden Jahre?

Die grösste Schwierigkeit wird vermutlich darin bestehen, den verschiedenen städtischen beziehungsweise regionalen Anforderungen hinsichtlich Bepflanzung, Wurzelraum und so weiter gerecht zu werden. Dies hat letztlich Auswirkungen auf die Dachkonstruktion, welche wir möglichst kompakt und modular halten möchten. Wichtig wäre es, einheitliche Rahmenbedingungen vorzugeben, damit die Planung entsprechend möglichst standardisiert werden kann.

Das Interview entstand in Zusammenarbeit mit der Velopa AG.

225515558