Bern 131

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3014 Bern,
Schweiz

Veröffentlicht am 15. April 2026
Atelier 5 Architekten und Planer AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

Südostecke, Eingang Südostecke von der Autobahn Südostfassade Atrium Atrium, Richtung Eingang Treppe zum Atrium Ausgebaute Bürofläche Fläche im Grundausbau Fläche im Grundausbau Dachterrasse

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Stauffacherstrasse 131, 3014 Bern, Schweiz
Fertigstellung
05.2025
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
6 bis 10
Anzahl Kellergeschosse
1
Grundstücksfläche
8237 m²
Geschossfläche
21'631 m²
Nutzfläche
15'550 m²
Gebäudevolumen
86'431 m³
Anzahl Arbeitsplätze
750
Parkplätze
109

Beschreibung

Das Areal an der Stauffacherstrasse 131 liegt im Zentrum des nördlichen Autobahnkreuzes von Bern und unmittelbar an den Bahnlinien in alle Richtungen der Schweiz. Aus diesem Grund wird das Grundstück täglich von tausenden Autofahrenden und Zugreisenden wahrgenommen. Stadtstrukturell bildet das Areal den Auftakt für das sich in der Entwicklung befindliche, lebendige Mischquartier Wankdorf City, bleibt als vom Verkehr umflossene Insel aber gleichzeitig ein eigenständiges Element im Stadtkörper von Bern.

Im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Ressource Boden war es das Ziel der Entwicklerin Losinger Marazzi, die Parzelle im Rahmen des geltenden Baurechts möglichst gut auszunutzen, ohne dabei Abstriche bei der architektonischen Qualität zu machen. In der Analogie zu einem ideal umflossenen Körper hat Atelier 5 einen Dienstleistungs- und Gewerbekomplex in der Grundform eines regelmässigen Kreisbogendreiecks entwickelt. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss wurden an der Südostfassade sich abstufende Sockelgeschosse und im obersten Geschoss auf der Südwestfassade ein Gebäuderücksprung aus der Logik dieser Grundform entwickelt.

Die Gebäudestruktur ermöglicht flexibel einteilbare, unterschiedlich grosse und neutral erschlossene Einheiten. Im engen räumlichen Zusammenhang mit der Eingangshalle befindet sich im Erdgeschoss eine Cafébar. Ganz oben lädt eine grosszügige, weitgehend überdachte Terrasse die Nutzenden zum Verweilen ein und zum Geniessen des Fernblicks auf die Stadt Bern sowie weiter im Süden auf die Alpen. Herzstück der Anlage ist ein üppig begrüntes Atrium im Zentrum des Gebäudes. Da hier die gesamte vertikale und horizontale Erschliessung liegt, wird es zum natürlichen Treffpunkt für die hier arbeitenden Menschen.

Während das Untergeschoss und das Erdgeschoss Betonkonstruktionen sind, handelt es sich bei den Obergeschossen um einen Holzhybridbau, dessen Holz zu 98 Prozent aus dem Kanton Bern stammt. Windmühlenartig, in der Verlängerung der Ecken des Atriums angeordnete aussteifende Gebäudekerne nehmen alle wesentlichen Infrastruktureinrichtungen wie Lifte, Nasszellen, Fluchttreppenhäuser und Steigzonen für die Gebäudetechnik auf. Die Nutzflächen werden geprägt durch Holzstützen, gebogene hölzerne Unterzüge und Holzbetonverbunddecken. Dabei verleiht die Kombination aus dem sichtbaren Material Holz und den einem Kreisbogen folgenden Räumen der Arbeitsflächen eine hohe Behaglichkeit und eine ungewöhnliche Dynamik.

Umfangreiche Photovoltaikanlagen auf dem Dach und an den Brüstungen der Fassaden erreichen eine Leistung von 504 kWp und produzieren über 341000 kWh Strom im Jahr. Damit wird ein Eigendeckungsgrad von fast 90 Prozent für die Gebäudetechnik und für sämtliche im Haus untergebrachten Nutzungen erzielt. Dies, obwohl das Gebäude eine kleine Hüllfläche in Relation zu den mehr als 15550 Quadratmetern oberirdischer Geschossfläche aufweist.

Die Solarzellen der massgefertigten Fassadenmodule, made in Switzerland, sind so verbaut, dass ihre blauschimmernde Rückseite ohne farbliche Abdeckung zur Sonne ausgerichtet ist. Auf diese Weise wird ein hoher Wirkungsgrad erzielt. Die natürliche Farbvarianz des Siliziums der einzelnen Solarzellen wird aber auch zum Gestaltungskonzept eines sich mit dem Sonnenlicht und mit der Entfernung in seiner Erscheinung verändernden Gebäudes. Gleichzeitig wird die Funktion der Stromproduktion sichtbar gemacht, an einem exponierten, vom Verkehr umflossenen Ort. So wird ein deutliches Statement zur Energiewende zu einem prominenten Baustein der Stadt Bern.

  • Das Areal ist mit seiner Lage im nördlichen Autobahnkreuz von Bern im Grunde genommen ein Unort. Es war eine grosse Herausforderung, diesem Unort eine hochwertige Nutzung zu geben und hier einen einprägsamen Merkpunkt vor den Toren Berns zu setzen.
  • Dies nicht zuletzt, da es galt, unglaublich viele Rahmenbedingungen zu berücksichtigen: eine sehr hohe Lärmbelastung durch den Auto- und Bahnverkehr, die nichtionisierende Strahlung einer im Südosten vorbeiführenden Hochspannungsleitung, das Vorhaben der SBB, künftig möglicherweise ein weiteres Gleis platzieren zu können, das Störfallrisiko auf der Autobahn sowie Wartungsmöglichkeiten der Autobahnen für das ASTRA.
  • Im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit Grund und Boden hat die Entwicklerin Losinger Marazzi vorgegeben, die Parzelle im Rahmen des geltenden Baurechts möglichst maximal auszunutzen.
  • Gesucht wurde für diesen Ort die Gebäudeform eines ideal vom Verkehr umflossenen Körpers. Inspirierend hierfür waren die Brückenpfeiler einiger romanischer Brücken, deren Form auch durch zwei aufeinandertreffende Kreisbögen gebildet wird. Genauso wie ein auf der Höhe der Wasserlinie geschnittener Bug eines Bootsrumpfs zwei Kreisbogen darstellt. Diese Analogie wurde aufgegriffen und auf das Gebäude und seine Formgebung übertragen.
  • Es war das Ziel, ein Gebäude zu realisieren, dessen graue Energie bei der Erstellung reduziert wird und dessen Betrieb ebenfalls sehr wenig Energie benötigt. Daher wurde ein Holzhybridbau entwickelt bei dem zu 98 Prozent Holz aus dem Kanton Bern eingesetzt worden ist. Ganz wichtig war es Atelier 5, dass die Unterzüge gebogen ausgeführt werden – auch dies war eine Herausforderung.
  • Der Holzbau und die Form der Räume haben Büroflächen ergeben, die eine aussergewöhnliche Atmosphäre und Dynamik entfalten.
  • Das Atrium ist tatsächlich das Zentrum des Gebäudes. Da hier die vertikale und horizontale Erschliessung liegen, treffen sich die hier arbeitenden Menschen ganz automatisch. Das Atrium wird quasi zum «Dorfplatz» der Anlage. Um Energie und Flächen für Steigzonen zu sparen, wird das Atrium im Sommer und in den Übergangszeiten auch als Abluftplenum genutzt.
  • Es war allen Beteiligten sehr wichtig, dass das Gebäude möglichst viel des Stroms, den die Gebäudetechnik, aber auch die Nutzenden benötigen, selbst herstellt. Mit den PV-Modulen auf dem Dach und an den Fassaden wird tatsächlich ein Eigendeckungsgrad von fast 90 Prozent für die Technik und die Nutzungen erreicht.
  • Ursprünglich sollte die Fassade weisse Brüstungsbänder erhalten. Da damit jedoch ein schlechter Wirkungsgrad einhergegangen wäre, wurde nach einer alternativen Gestaltung gesucht. Ein verkehrt herum an einer Wand lehnendes Standarddachmodul beim Hersteller der PV-Module, der Firma Megasol, war Ausgangspunkt für die Farbgebung der Fassade, bei der die unterschiedlichen Blautöne des Siliziums der PV-Zellen zum Gestaltungselement wurden. Gleichzeitig wird die Stromproduktion auf diese Weise sichtbar gemacht.

Das Projekt von Atelier 5 Architekten und Planer wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert. 

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