Gelateria Mulegns

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7455 Mulegns,
Schweiz

Projektdaten

Basisdaten

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
1

Beschreibung

Die Gelateria war ein temporäres Gebäude, das bis zum Herbst 2025 bestanden hatte. Die Eisdiele war der Versuch einer architektonischen Synthese aus der Typologie einer traditionellen Alpenscheune und der expressiven Formensprache einer barocken Kuppel. Das in eine transluzente Hülle gekleidete Gebäude bestand aus einer facettierten Holzstruktur aus regionalem Holz und einem farbenfrohen, robotergestützten 3D-gedruckten Innenraum aus recyceltem Kunststoff. Die Struktur nutzte eine innovative, gross angelegte Kunststoffextrusionstechnik, die eine ultraleichte Konstruktion ermöglicht hatte. Darüber hinaus wurden Farbe und Licht als zusätzliche Designparameter eingeführt, wobei die schnelle Roboterproduktion mit architektonischen Ornamenten verschmolz. Sie zeigte exemplarisch, wie digitale Prozesse sowohl den gestalterischen Ausdruck als auch die ökologische Verantwortung fördern konnten.
Äusserlich nahm das Gebäude die vertraute Silhouette eines Stalles auf, der einst an dieser Stelle gestanden hatte. Die Holzstruktur wurde vom Origen-Intendanten Giovanni Netzer erdacht, aus lokalem, wiedergewonnenem Massivholz errichtet, und von Holzexperten in einem nahe gelegenen Werk zugeschnitten und vorgefertigt. Die leichte und dennoch robuste Holzstruktur entfaltete sich in einer facettierten, Origami-ähnlichen Geometrie und war von einer halbtransparenten Membran umhüllt. Diese schützende Haut liess das Licht eindringen und gab den Blick frei auf die organischen Formen des 3D-gedruckten Innenraums.

Experimentelles Roboter-Extrusionsverfahren
Das Herzstück des Gebäudes war die farbenfrohe 3D-gedruckte «Kuppel», die im Robotic Fabrication Lab der ETH Zürich mit Hollow-Core, einem experimentellen Roboter-Extrusionsverfahren, das für Fassadenelemente entwickelt worden war, hergestellt wurde. Die Studierenden adaptierten diese Methode für die Herstellung der grossformatigen Innenform, reduzierten die geometrische Auflösung, um die Druckgeschwindigkeit zu erhöhen, und arbeiteten direkt mit dem expressiven Potenzial von recyceltem PETG – einem Thermoplast, der üblicherweise für Lebensmittelverpackungen verwendet wurde. Trotz einer Fläche von über 250 m² wog die leichte Struktur weniger als eine Tonne. Die Gelateria interpretierte die Ästhetik der Belle Époque, des Barocks und der Eiscremekultur durch die Linse von Computerdesign und Roboterfertigung neu. Gerade letztere wurde durch Bündner Zuckerbäcker in Italien massgeblich mitgeprägt. Sie bot eine überzeugende Vision für nachhaltige Architektur, indem sie wiederverwendetes Holz mit recyceltem und wiederverwertbarem Kunststoff kombinierte. Das vollständig zerlegbare Bauwerk war für den Kreislauf konzipiert: Seine Holzelemente konnten wieder zusammengebaut oder wiederverwendet werden, und die Kunststoffkuppel konnte zerkleinert und in neuen Formen gedruckt werden. Dadurch wurde deutlich, wie fortschrittliche digitale Prozesse sowohl dem Ausdruck als auch der ökologischen Verantwortung dienen konnten.

Die Nova Fundaziun Origen hat die temporäre Gelateria in enger Zusammenarbeit mit der ETH Zürich sowie den Bauunternehmen Uffer Gruppe und Zindel United gebaut.

Holzstruktur (aussen)
Bauleitung: Invias AG (Zindel United)
Baumeister: Battaglia Bau AG, Uffer Holz AG (beide Uffer Gruppe) 
Schreinerarbeiten: Poltera Holzbau AG
Lichtplanung / -design: Tokyoblue GmbH
Lichtinstallation: Brasser AG Veranstaltungstechnik 
Fassadenbau, Membran: Bieri Tenta AG

3D-gedruckte Kuppel (innen)
Industrieroboter: ABB
Design, 3D-Druck: MAS ETH DFAB / Digital Building Technologies
Dr. Petrus Aejmelaeus-Lindström (Projektleitung), Nik Eftekhar (Forschungsleitung), Ananya Kango, Joana Francisco Tomaz und Paul Jaeggi

MAS ETH DFAB Studierende
Alim Battal, Dalila Romero Zenker, Daniela Larbalestier, David Villegas Rodriguez, Guillem Hernandez Camarasa, Ioanna Tatouli, Konstantina Laki, Lais Hotz, Marc Ribert Arqués, Nicolas Boscoboinik, Pluem Pongpisal, Sian Chen, Spyridon Pyrgiotis und Yen Ting Liu

Das Projekt wurde von Origen eingereicht und von Jørg Himmelreich publiziert.

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