Markthalle Bairro Padre Cruz
1600-740 Lisbon,
Portugal
Veröffentlicht am 15. April 2026
REDO architekten
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Am Stadtrand von Lissabon im Stadtteil Carnide gelegen, entwickelte sich das Viertel Padre Cruz von landwirtschaftlich genutzten Flächen zu einer der grössten Sozialwohnsiedlungen der Iberischen Halbinsel. In den 1960er-Jahren wurde ein ehemaliger Milchbauernhof in eine Markthalle umgewandelt und etablierte sich als neuer Treffpunkt der Gemeinschaft. Das Projekt definiert die Haupthalle neu, indem es ein flexibles Nutzungsprogramm einführt und die bestehenden Läden reorganisiert. Zudem wird ein neues Geschoss mit multifunktionalen Bereichen ergänzt, darunter eine Terrasse, ein Auditorium sowie ein zum Strassenraum geöffneter Lichthof. Die Eingriffe bewahren den sozialen und kulturellen Charakter des Gebäudes und verbinden lokale Materialien mit einer leichten Dachkonstruktion.
Konzept, Kontext und Strategie
Die Projektvorgaben sahen die Unterbringung aller bestehenden Händler vor, was zu einem partizipativen Prozess auf Basis von Interviews, Analysen und Präsentationen innerhalb der Gemeinschaft führte. Dieses Engagement prägte das Konzept: Die bestehenden Hauptwände wurden erhalten, während polyvalente Bereiche und Infrastrukturen eingeführt wurden. Diese Transformation ermöglichte eine Erweiterung des Raumprogramms nach oben, wobei das erste Obergeschoss Läden beherbergt, die sich zu einer Terrasse öffnen. Dort fördern Aussenbereiche und urbane Landwirtschaftsmodule den Dialog zwischen Konsum und lokaler Produktion. Zwei Treppenanlagen an den Enden des Gebäudes schaffen eine Schleife – einen kontinuierlichen Rundgang, der beide Geschosse verbindet. Gleichzeitig ermöglichen die geneigte Topografie und eine Rampenanlage auf der Terrasse den Zugang zu allen Ebenen. Die Aufwertung der Markthalle wird durch ein überdimensioniertes Holzdach verstärkt, das die Geometrie der ursprünglichen Struktur erweitert. Es trägt die hängenden Ladenvolumen und definiert eine Galerie entlang der Terrasse. Nach Süden hin bildet die Auskragung des Daches einen neuen Lichthof, der temporäre Märkte, Street Art und gemeinschaftliche Veranstaltungen aufnehmen kann.
Konstruktion, Materialien und Struktur
Der Entwurf untersucht eine Materialdualität zwischen der Sanierung des Bestandsgebäudes mit lokalen mineralischen Oberflächen und einer hybriden Holzstruktur, die Dach und obere Ladenbereiche integriert. Die ursprünglichen Steinwände werden statisch durch Spritzbeton verstärkt und mit Rauputz sowie keramischen Fliesen fertiggestellt. Böden und Sockelbereiche sind mit regionalem Lioz-Kalkstein verkleidet. Das neue Dach, bestehend aus gelb lackierten Stahlrahmen, die grosse Spannweiten überbrücken und durch hölzerne Pfetten ausgesteift sind, trägt die aufgehängten Ladenvolumen und ermöglicht so eine flexible Nutzung des Erdgeschosses als Markthalle. Diese hybride Strategie verbindet strukturelle Effizienz mit ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit. Thermisch behandeltes Holz in Form von Lamellen sorgt für Sonnenschutz, während recycelbare Polycarbonatplatten die innere Fassade auskleiden und Witterungsschutz sowie einfache Wartung gewährleisten. Diese Elemente bilden ein Doppelfassadensystem, das natürliche Belüftung und gefiltertes Tageslicht ermöglicht und damit an traditionelle Marktprinzipien erinnert.
Das Projekt wurde von REDO architekten für den Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Jørg Himmelreich publiziert.