Das ZAZ zeigt Konzepte zur Wiederbelebung leerstehender Kirchen
Kirchen verlieren kontinuierlich Mitglieder und Gottesdienstbesucher*innen. Damit wird die Frage immer dringlicher, was mit Gebäuden geschehen soll, die für ihre ursprüngliche Nutzung kaum noch gebraucht werden, aber das Bild von Städten und Dörfern prägen. Die Ausstellung «Out of Service? – Schweizer Sakralarchitektur im Wandel» im ZAZ Bellerive in Zürich zeigt, welche Antworten Architektur auf diese Frage geben kann.

Umbau der Kirche Felsberg | Foto © Evangelische Kirchgemeinde Felsberg
Wie aktuell das Thema ist, zeigt derzeit auch die Manifesta 16 Ruhr, die ehemalige und wenig genutzte Kirchen als Orte für Kunst und Begegnung bespielt. Während dort neue Nutzungen unmittelbar erprobt werden, richtet das ZAZ Bellerive den Blick auf die Schweiz – und auf die längerfristige Zukunft ihrer Sakralbauten.
Kirchtürme prägen die Silhouetten von Städten und Dörfern. Die Gebäude darunter waren über Generationen Orte des Gottesdienstes, aber auch der Zusammenkunft und des gemeinschaftlichen Lebens. Heute stehen viele Kirchgemeinden vor einer schwierigen Frage: Was geschieht mit Bauten, die für ihre bisherige Nutzung zu gross geworden sind oder deren Unterhalt sich immer schwerer finanzieren lässt?
Eine neue Nutzung zu finden, ist dabei mehr als eine Frage des Raumprogramms. Kirchen sind architektonisch oft unverwechselbar und für viele Menschen mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Eingriffe in ihre Substanz berühren deshalb ebenso Fragen der Baukultur wie Vorstellungen davon, wem diese Orte gehören und wer künftig Zugang zu ihnen haben soll.

Die Kirche in Zürich Wipkingen wird zum Schulraum. | Foto: Basile Bornand
«Out of Service?» nähert sich diesen Fragen anhand historischer und zeitgenössischer Projekte aus der ganzen Schweiz. Die Ausstellung zeigt eine grosse Spannweite möglicher Veränderungen: vom behutsamen Eingriff und der Zwischennutzung über den Umbau bis hin zu Verkauf, Abbruch und Neubau. Eine allgemeingültige Lösung gibt es nicht. Was an einem Ort sinnvoll erscheint, hängt unter anderem von der Architektur, den Eigentumsverhältnissen, den finanziellen Möglichkeiten und den Bedürfnissen der Menschen vor Ort ab.
Wie konkret solche Entscheidungen werden, zeigen verschiedene in der Schau thematisierte Beispiele. Die Kirche Wipkingen wird derzeit von Vécsey*Schmidt Architekt*innen für eine Nutzung als Schulraum umgebaut, während die von Ernst Niklaus Fausch Partner hergerichtete Bullingerkirche in Zürich als Rathaus dient. Am Kloster Ilanz in Graubünden stellt sich die Zukunftsfrage nochmals anders: Angesichts einer alternden Gemeinschaft stehen Verkauf und Umnutzung der Anlage bevor. Studierende der ETH Zürich setzen sich gemeinsam mit dem Kloster mit möglichen Perspektiven auseinander. Auch Sanierungen und der langfristige Erhalt bedeutender Bauten, etwa des Grossmünsters und des Basler Münsters, gehören zum Spektrum der Ausstellung.

Einbau der neuen Altarinsel in der Kathedrale von St. Gallen | Foto © Caruso St John Architects
Die von Fabian Ruppanner und Nora Hochuli kuratierte Ausstellung lädt dazu ein, Sakralbauten als gemeinschaftliches Erbe zu betrachten. Ihre Zukunft betrifft nicht allein die Kirchgemeinden, sondern auch die Quartiere und Gemeinden, deren Bild und Leben sie seit Langem prägen.
ZAZ Bellerive
Out of Service? – Schweizer Sakralarchitektur im Wandel
Ausstellung: 19.9.2026–7.1.2027
Ort: Höschgasse 3, Zürich
Öffnungszeiten: Mi, Fr und So 14–18 Uhr, Do 14–20 Uhr