Interview: Brandschutz trifft Gestaltung

Stephan Spielmann
Brandschutz ist längst mehr als eine technische Pflichtdisziplin – er ist integraler Bestandteil moderner Architektur. Stephan Spielmann, Verkaufsleiter Dekorativer Brandschutz bei der Knauf AG, erläutert, wie sich höchste Sicherheitsanforderungen mit gestalterischem Anspruch und akustischer Qualität verbinden lassen. Im Fokus stehen innovative Lösungen wie das Gipsfaser-System «GIFAboard».
Herr Spielmann, welche Rolle spielt der Brandschutz heute in der frühen Planungsphase von Bauprojekten – und wie hat sich seine Bedeutung in den letzten Jahren verändert?
Während Brandschutz bislang eher spät in der Planungsphase berücksichtigt wurde, gilt er heute schon in den Ausschreibungen als zentraler Faktor. Das führt dazu, dass gerade bei der Planung von Gebäudetypen, in denen viele Menschen zusammenkommen – Hochhäuser, Spitäler, Restaurants und viele andere – früh Brandschutzkompetenz einfliesst. Für uns als Hersteller spiegelt sich die gestiegene Bedeutung von Brandschutz auch in unserem Portfolio wider: Knauf hat über 150 geprüfte VKF-Anwendungen für Brandschutz. Diese gestiegene Aufmerksamkeit bei allen am Bau Beteiligten ist wichtig – denn es geht um den Schutz von Menschenleben.
Knauf bietet mit dem «GIFAboard»-System eine nicht brennbare Lösung auf Gipsfaserbasis. Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Vorteile dieses Materials im Vergleich zu anderen Baustoffen?
Gipsfaser ist enorm leistungsstark: Der Werkstoff überzeugt durch herausragende Brandschutz- und Schallschutzeigenschaften und durch Stabilität. Ausserdem wird Gipsfaser aus den natürlichen Rohstoffen Gips, Zellulose und Wasser hergestellt. Mit Gipsfaserlösungen lassen sich also nicht nur formal Vorgaben zur Nachhaltigkeit von Gebäuden einhalten. Mit diesem Werkstoff lässt sich auch wohngesund ohne Belastung der Raumluft bauen – ein gutes Gefühl für die Bewohner*innen oder Nutzer*innen. Und nicht zuletzt: Die Gipsfaserplatte erlaubt grosse gestalterische Freiheit, weil wir sie mit vielen unterschiedlichen Oberflächen anbieten.
Wie gelingt es, hohe Brandschutzanforderungen mit gestalterischen Ansprüchen zu vereinen – insbesondere bei sichtbaren Wand- und Deckenverkleidungen?
Der Schlüssel ist die nicht brennbare Trägerplatte, die bei beschichteten, lackierten, bedruckten und furnierten Systemen das Brandverhalten RF1 erzielt. Die Schutzzeit wird über den Aufbau der gesamten Wand oder Decke erreicht, zum Beispiel nach werkstoffoptimiertem Bauteilkatalog oder mit einem bewährten Trockenbausystem in Kombination mit einer RF1-Schicht «GIFAboard».

Knauf «GIFAboard» wird in allen Bereichen des hochwertigen Innenausbaus mit sehr hohem gestalterischem Anspruch eingesetzt, wie beispielsweise im Casals Forum in Kronberg. | Foto © Markus Ebner
Bereits im früheren Gespräch wurde die Verbindung von Akustik und Brandschutz angesprochen: Welche Synergien ergeben sich hier konkret in der Praxis?
Die Brandschutzlösungen mit dem nicht brennbaren «GIFAboard» sind je nach Ausführung akustisch wirksam. Für die Schallabsorption stehen unterschiedliche Perforationen, Lochungen oder Schlitzungen zur Auswahl, was wiederum in das Gestaltungskonzept mit eingebunden werden kann. Planende können viele Synergien aus Brandschutz und Akustik für die Gestaltung nutzen. Das gilt auch für unsere anderen Decken- und Wandsysteme auf Gipsbasis, aus Metall, Holz- oder Mineralwolle.
«GIFAboard» gibt es mit verschiedenen Oberflächen. Welche Dekore sind verfügbar und welche Einsatzmöglichkeiten sehen Sie dafür in anspruchsvollen Innenräumen?
Das roh kalibrierte «GIFAboard» gibt es mit sämtlichen am Markt verfügbaren Oberflächenveredelungen, die zum Gestalten einladen: zum Beispiel mit Echtholzfurnier, Lackoberflächen, mit Schichtstoffen belegt oder mit individuellen Motiven bedruckt. Neben der «GIFAboard»-Platte bieten wir auch die Lamellenlösung Designlines mit Echtholzfurnier an, ebenfalls auf Gipsfaserbasis. Die Lamellenstruktur ist sehr spannend für Wandgestaltungen. Die beiden Ausführungen «GIFAboard» und De-signlines sind grossartig für sich genommen – und reizvoll in der Kombination.
In welchen Gebäudetypen spielt nicht brennbares Material wie «GIFAboard» seine Stärken besonders aus?
«GIFAboard» ist ideal für Neu- oder Umbauten, in denen nicht brennbare Materialien nach RF1 gefordert sind. Ihr volles Potenzial entfaltet die «GIFAboard» für Architekt*innen, Innenarchitekt*innen und Planende dann, wenn neben Brandschutz auch hochwertiger Innenausbau mit ausgesuchten Design-Oberflächen gefragt ist, also in öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Spitälern, Konzertsälen, Flughäfen, Verwaltungen und anderen Orten, an denen viele Menschen zusammenkommen, wie Hotels oder Restaurants.

Basierend auf extrem belastbaren Gipsfaserplatten mit Echtholzfurnier überzeugt das ansprechende Lamellensystem Designline auch in Sachen Brandschutz und Raumakustik. | Foto © Knauf AG
Neben dem Brandschutz erfüllen viele Systeme zusätzliche bauphysikalische Anforderungen wie Schallschutz oder Robustheit. Wie wichtig ist dieser ganzheitliche Ansatz für die Planenden?
Unsere Kund*innen aus den Bereichen Planung und Architektur signalisieren uns, dass es für sie einfacher ist, mit aufeinander abgestimmten Systemen aus einer Hand zu arbeiten, so wie Knauf sie anbietet, für Brandschutz, Akustik, Schallschutz, Feucht- und Nassräume und spezifische Sicherheitsanforderungen wie Erdbebensicherheit und andere. Da ist es gut zu wissen, dass man sich auf geprüfte Sicherheit und Qualität verlassen kann. Denn jedes unserer Wand-, Decken- oder Bodensysteme basiert auf der technischen Kompetenz der gesamten Knauf Gruppe auf den genannten Gebieten.
Was raten Sie Architekt*innen und Fachplaner*innen, die bei ihren Projekten frühzeitig auf integrierte Brandschutzlösungen setzen möchten – worauf sollten sie besonders achten?
Wir empfehlen, Brandschutz holistisch zu betrachten: Aufeinander abgestimmte, ganzheitlich geprüfte und zertifizierte Systeme bringen Sicherheit – das ist wichtig für Planende und zuletzt natürlich für die Menschen, welche die Gebäude nutzen. Im Vordergrund aller planerischen Überlegungen zu Wand, Decke oder Boden sollte die jeweils geforderte Schutzzeit stehen. Darauf können die Designoptionen abgestimmt werden. Wir bieten zahlreiche sichere Lösungen für den Brandschutz, die auch in Details optisch überzeugen, auch wenn es zum Beispiel darum geht, störende Schrauben mit zusätzlichen Bauelementen zu überdecken, um den Gesamteindruck nicht zu stören.
Das Interview entstand in Zusammenarbeit mit der Knauf AG.