Fotomuseum Winterthur

 
8400 Winterthur,
Schweiz

Veröffentlicht am 27. März 2026
RWPA GmbH
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

Neue Adresse: Rampe, Terrasse, Spiegeldach, Leuchtschrift und Bestandesfassade Erweiterung, Kopfbau und Längsbau mit neuer Adresse Spiegeldach, Terrasse und Bestandesfassade Neues, zweigeschossiges Foyer Weg zur Garderobe Garderobe im ehemaligen Keller Neuer Ausstellungsraum mit Ausblick Erweiterungsbau mit Re-Use-Fassade Neue Erschliessung zwischen Neu und Alt Neuer Korridor im Bürogeschoss Büros – alte und neue Struktur Toilettenhaus Salon im Kopfbau «Neualte» Fassade mit neufarbigem Bestand Neue Wohnungen im Dachgeschoss

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Grüzenstrasse 44, 8400 Winterthur, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
05.2025
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
3 bis 5
Anzahl Kellergeschosse
1
Anzahl Wohnungen
5
Grundstücksfläche
2230 m²
Geschossfläche
3780 m²
Nutzfläche
2450 m²
Gebäudevolumen
13'900 m³
Gebäudekosten (BKP 2)
13,2 Mio. CHF
Parkplätze
14

Beschreibung

Das Fotomuseum Winterthur besteht aus einem historisch gewachsenen Konglomerat aus vier Gebäudeteilen: Kopfbau, Längsbau, Wohnhaus und Fabriksaal mit Sheddächern. Der Bestand wird den aktuellen Normen und betrieblichen Bedürfnissen entsprechend erneuert. Das Geviert zwischen Grüzen- und Töpferstrasse wird  in der nordwestlichen Ecke mit Ausstellungs- und Werkstattflächen ergänzt. Sowohl der Industriecharakter als auch das Kredo des bewussten Einsatzes der Mittel zeichnet die Erneuerung aus. Die Massnahmen sind: mit einem Spiegeldach gedeckter Aussenraum für Erschliessung und Aufenthalt mit klarer Adresse; zweigeschossiges, multifunktionales Foyer als repräsentatives Zentrum mit Treppe ins Obergeschoss und zuschaltbaren Flächen zur Kunstvermittlung; Neustrukturierung der Erschliessung, Büro- und Infrastrukturflächen im Kopf- und Längsbau; strukturelle Anpassungen der Shedhalle; Erweiterung mit Ausstellungsfläche, Werkstatt und Anlieferung; Aktualisierung der Wohnraumflächen im Dachgeschoss; gebäudetechnische Erneuerung inklusive PV-Anlage. Die Erweiterung ist strukturell ein Holzbau mit vier Binderachsen auf einem Recycling-Beton-Sockel. Das adaptive Grundrisslayout ist mit drei Oberlichtaufbauten für natürliches Licht und einem Fenster mit Blick ins Freie komplettiert. Die äussere Erscheinung ist durch die patinierte Trapezblechfassade aus Cortenstahl geprägt, Fassadenelementen des 2022 rückgebauten Winterthurer Schulhauses Wallrüti, einem ikonografischen Zeitzeugen aus den 70er Jahren. Um dem klaren Volumen einen präzisen Schliff zu verleihen, sind Dach- und Sockelabschlüsse durch neue, feuerverzinkte Stahlprofile definiert. Weitere präzis in die Fassadenfläche gesetzte Profile verorten das neue Volumen mit Bezug zum Kontext. Es entsteht ein changierendes Bild zwischen einer als Ausstellungsraum genutzten Industriehalle und einem industriell erscheinenden Ausstellungspavillon, welches das ursprüngliche Ensemble inhaltlich wie äusserlich kohärent vervollständigt.

Gouvernanz
Das Fotomuseum Winterthur hat sich als Kulturinstitution eine faire, nachhaltige und inklusive Weiterentwicklung als Prämisse auferlegt. Sämtliche baulichen Veränderungen basieren auf diesen Grundsätzen, welche sowohl durch die Bauträgerin als auch die Planer während des Planungs- und Realisierungsprozesses befolgt wurden. Klare Bestellung, strukturierte Bearbeitung, transparente Entscheidungsfindung und effiziente Umsetzung ergänzten den formellen Projektablauf. 

Funktionalität
Das Fotomuseum Winterthur als zeitgenössisches Kulturhaus beinhaltet neben der Kunstausstellung mit Räumen für den künstlerischen und administrativen Betrieb weitere Nutzungen, die für ein Funktionieren notwendig sind. Insbesondere die Kunstvermittlung nimmt einen grossen Anteil am Betrieb ein. Besonders ist, dass auch mehrere Mietwohnungen dazugehören. Grosses Ziel war, die diversen Nutzer logistisch sinnvoll nebeneinander zu führen und mit guten spezifischen Räumen zu bedienen.

Umwelt
So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Zuweilen abgedroschen, beim Fotomuseum jedoch von Beginn an ein entscheidendes Argument. Was konnte, wurde erhalten, was neu dazu kam, wurde möglichst umweltgerecht konzipiert: die Schraubenfundamente der Eingangsrampe/-terrasse oder der neue Ausstellungsraum als einfache dreischiffige Holzbox oder die sichtbar belassenen, statisch bedingten OSB-Verkleidungen der neuen Holzsystemwände im Bestand oder die ReUse-Fassadenverkleidung der Erweiterung.

Wirtschaft
Das ressourcenbewusste Verhalten im ökologischen Sinn geht einher mit der wirtschaftlichen Reduktion aufs Wesentliche, ohne jedoch den substanziellen Mehrwert für die Liegenschaft zu missen. Die vollzogenen Massnahmen bilden die nachhaltige und zukunftsorientierte Basis für einen wirtschaftlichen Betrieb des Fotomuseums: stabile und adaptierbare Struktur, suffiziente und effiziente Technik, robuste und atmosphärische Materialien.

Vielfalt
Die diversen Nutzungen im Haus erzeugen eine natürliche Vielfalt. Von den vielen Mitarbeiter*innen mit ihren unterschiedlichen Berufen, die den Museumsbetrieb gewährleisten, über die zahlreichen Schüler*innen, welche die Kunstvermittlung besuchen, die Drittnutzer*innen der zu mietenden Räume, die Mieter*innen der Wohnungen, bis hin zu den wichtigsten und die vielfältigsten, den Museumsbesuchern. Die soziale Inklusion als Projektziel wird tagtäglich gelebt.

Kontext
Das Fotomuseum Winterthur besteht aus einem historisch gewachsenen Konglomerat aus vier Gebäudeteilen: Kopfbau, Längsbau, Wohnhaus und Fabriksaal mit Sheddächern. Das Geviert zwischen Grüzen- und Töpferstrasse wird in der nordwestlichen Ecke mit Ausstellungs- und Werkstattflächen in einem einfachen Kubus generisch ergänzt. Die ReUse-Fassade mit dem Trapezblech aus Corten-Stahl ordnet sich mit Farbe und Patina selbstverständlich und kontextuell ins Industrieensemble ein.

Genius Loci
Das Fotomuseum prägt seit seiner Entstehung in den 90er-Jahren das Bild an der Grüzenstrasse. Durch die Umbaumassnahmen mit diversifiziertem Vorbereich, Spiegeldach, grosszügiger Rampe und Terrasse sowie dem Entfernen der Brüstungen der Foyerfenster, wird diese Prägung verstärkt. Zusammen mit der Fotostiftung vis-à-vis entsteht ein präsenter stimmiger Ort. Auf der anderen Seite des Ensembles setzt der Erweiterungsbau und die fein kuratierte Bepflanzung einen neuen Akzent im Quartier.

Das Projekt von RWPA wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.

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