Gebäude 181 – Lagerplatz

 
27 Winterthur,
Schweiz

Veröffentlicht am 27. März 2026
RWPA GmbH
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

Gebäude 181 Lagerplatz Winterthur – Blick in die Arealpromenade Arealpromenade, Aufstockung und öffentliche Terrasse in Orange Gebäude 181 Aufstockung Ostfassade Wohnatelier mit Re-Use-Fenstern – tiefes Wohn-Fenster und hohes Atelier-Fenster Wohnatelier mit Nassraum im Zentrum und einfacher Küchenzeile Sanitärapparate aus dem Re-Use Blick vom Laubengang ins Wohnatelier und in die Nachbarschaft 62 Fenster aus dem Re-Use Blick über den Laubengang inRichtung Sulzerhochhaus und Bahnhof Laubengangstruktur Neuer Vorlesungssaal für die ZHAW Öffentliche Toiletten Büroflächen im Bestandesbau Zweigeschossige Gewerbeflächen auf EG-Niveau - Galerieeinbau aus dem Re-Use Bestandesfassade mit Altneuen und neuen Fenstern sowie dem neuen Treppenturm

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Lagerplatz, 27 Winterthur, Schweiz
Projektkategorie
Gebäudeart
Fertigstellung
12.2025
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
6 bis 10
Anzahl Wohnungen
22
Grundstücksfläche
5840 m²
Geschossfläche
7240 m²
Nutzfläche
5700 m²
Gebäudevolumen
51'700 m³
Gebäudekosten (BKP 2)
14,5 Mio. CHF

Beschreibung

Das 50 000 Quadratmeter grosse Lagerplatz-Areal wurde von 1895 bis 1950 von der Firma Gebrüder Sulzer überbaut. Nach der Produktionsaufgabe Ende der 1980er-Jahre zogen Mitte der Neunzigerjahre erste Zwischennutzer:innen auf das Areal. Mit der Pensionskasse Stiftung Abendrot wurde 2009 ein Investor gefunden, der das Areal im Bestand nachhaltig und langfristig entwickelt. Grundlage dafür bildet seit 2012 der öffentliche Gestaltungsplan Lagerplatz-Areal. Das Gebäude 181, eine dreischiffige Halle mit Annex, prägt den Lagerplatz zum Gleisfeld im Südosten sowie zur Arealpromenade im Nordwesten. Während der Annexbau 181.1 bereits 2013/14 saniert und aufgestockt wurde, blieben die Teile 181.2/3 unangetastet. Die undichten Hallendächer sowie der Entscheid, die zehn Jahre andauernde Transformation des Areals abzuschliessen, bildeten den Projektstart. Der Bestand sollte saniert, nach innen verdichtet und partiell aufgestockt werden. Der mittlere Hallenteil wurde energetisch saniert und bleibt weiterhin als Lagerhalle bestehen. Daneben wurde der Bestand mittels einer neuen Struktur verdichtet. Äusserlich bleiben die Backsteinfassade und der Fassadengarten prägend. Am südlichen Auftakt der Arealpromenade besetzt die viergeschossige Aufstockung mit Laubengang eine bisher brachliegende Schlüsselstelle auf dem Areal und setzt einen neuen städtebaulichen Akzent. Um die alten Fundamente, Stützen, Träger und das Fassadenbild nicht zu tangieren, sind die Halleneinbauten und die Aufstockung strukturell unabhängig geplant. Der 5-Meter-Raster wurde übernommen, die neuen Tragachsen jedoch gegenüber dem Bestand versetzt. Das effiziente und rückbaubare Tragwerk ist aus vorfabrizierten Betonstützen in Kombination mit Betonunterzügen und schlanken Flachdecken konzipiert. Liftkern und punktuelle Stahlkreuze übernehmen die Aussteifung sowohl für den Bestand als auch für den Einbau. Raumtrennende Wände, Galerieeinbauten und Ausbauten sind im Sinne von Design for Disassembly unabhängig von der Primärstruktur und möglichst mit wiederverwendeten Materialien und Elementen realisiert. Auf dem Abfangtisch in Stahl-Beton-Verbundbauweise sind die vier neuen Geschosse in Holzelementbauweise mit einer Grundfläche von 40,5 Meter × 12 Meter errichtet. Tragende Holzstützen und Unterzüge in Querrichtung sowie die vier Steigzonen bilden die Grundordnung. Geschossdecken in einem Hohlkastensystem steifen den Holzbau in Längsrichtung aus, der betonierte Liftschacht sorgt für die Erdbebenertüchtigung. Innerhalb dieser Struktur sind mittels nichttragender Holzständerwände Wohnateliers mit 50, 75 und 100 Quadratmetern Wohnfläche ausgebildet. In den Einraumwohnungen lassen sich individuell Arbeits-, Küchen-, Ess-, Wohn- und Schlafbereiche abtrennen. Die hinsichtlich Layout, Materialität und Ausstattung suffizient geplanten Wohnungen sind jeweils mit einem hindernisfrei zugänglichen Nassraum und einer einfachen Küchenzeile ausgestattet. Heizkörper, Sanitärapparate, Küchen und Fenster stammen zu einem grossen Teil aus dem Re-Use. Die Atelierwohnungen werden räumlich durch den vorgelagerten Laubengang ergänzt, der als sozialräumlicher Schwellenraum neben der Erschliessung auch halbprivate und private Aussenbereiche bietet. Die begrünte Struktur erweitert den bestehenden Fassadengarten und ist atmosphärisch (Blüten, Duft, Herbstfärbung, Wintergrün) wie auch ökologisch wertvoll (Wasserrückhalt, Evapotranspiration, Fauna). Ergänzend stehen auf dem Areal an diversen Orten konsumfreie Sitz-, Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten zur Verfügung.

Reduziert bauen – besser wohnen
Die Wohnungen sind an einem Ort der innerstädtischen Verdichtung entstanden. Die knappe Ressource Boden wird nicht neu beansprucht, sondern durch die Aufstockung von vier Wohngeschossen über einem sanierten und verdichteten Industrievolumen mit Gewerbe-, Büro- und Schulnutzungen mehrfach genutzt. Sowohl die Struktur als auch die Gebäudehülle sind effizient und nachhaltig geplant und realisiert. Der Holzelementbau bietet Platz für 22 Wohneinheiten. Die Gebäudehülle erfüllt die energetischen Anforderungen mit einem einfachen Schichtaufbau ohne Installationsschicht, mit OSB-Platten als innerem Abschluss, einer hinterlüfteten Metallblechfassade, Fenstern aus dem Re-Use, aussenliegendem Sonnenschutz sowie einem Dach, das sich aus wiederverwendeten Holzelementen eines ehemaligen Schulpavillons zusammensetzt. Die im Projektgrundsatz definierte Einfachheit in der Gebäudestruktur, im Materialeinsatz und in der Verwendung von Re-Use-Elementen wird durch eine identitätsstiftende und fröhliche Farbigkeit ergänzt. In den Einraumwohnungen, die eine Tätigkeit neben der Wohnnutzung ermöglichen, lassen sich Arbeits-, Küchen-, Ess-, Wohn- und Schlafbereiche individuell abtrennen. Durch die differenzierte Aneignung durch die einzelnen Mieter:innen werden sich die Atelierwohnungen unterschiedlich entwickeln, sodass ein vielfältiger Mix an Wohnformen entsteht. Dieser wird sich über den vorgelagerten Laubengang nach aussen zeigen und das Lagerplatz-Areal mitprägen und bereichern.

Das Projekt von RWPA wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.

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