Haus zwischen Scheiben
8953 Dietikon,
Schweiz
Veröffentlicht am 31. März 2026
Atelier NU AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Ein Haus zwischen Scheiben: ein räumliches Spiel aus präzise gesetzten, raumbildenden Scheiben und den fliessenden Raumsequenzen, die sich dazwischen entfalten. Die Fassaden folgen entlang der Strasse konsequent der Baulinie und entwickeln in den Obergeschossen Erker, welche die Gebäudekante subtil rhythmisieren. An der Strassenecke wird bewusst auf Abstandsgrün verzichtet und stattdessen ein Quartiersplatz ausgebildet, der als öffentlicher Aufenthaltsraum die städtebauliche Situation akzentuiert und die Adresse des Hauses stärkt. In Richtung Südosten, zur lärmabgewandten Seite hin, wird die Fassadenabwicklung maximiert, um die ruhigere Orientierung optimal zu nutzen und die Qualitäten des angrenzenden Grünraums bestmöglich auszuschöpfen. Im Süden schliesst das Gebäude direkt an die bestehende Nachbarstruktur an und komplettiert damit die bauliche Kante. Das Haus wird durch vertikale, massive Scheiben gegliedert, zwischen denen sich eine leichte, offene Struktur entfaltet. Dieses Wechselspiel aus Solidität und Leichtigkeit verleiht dem Bauwerk seinen vielfältigen Charakter. Die leichte Struktur ermöglicht gezielte Ausblicke und prägt die innere Raumorganisation. Zur Strasse hin wird die Fassade durch Bandfenster und Erker gegliedert. Dadurch erhalten die Wohnräume die notwendige Distanz zum Strassenraum und wahren zugleich ihre Privatsphäre, ohne den Bezug zum öffentlichen Raum zu verlieren. Das Treppenhaus erschliesst jeweils zwei kompakte Wohnungen. Eine zentrale Wand zoniert die Räume, richtet sie aus, definiert sie und ermöglicht vielseitige Raumbeziehungen auf kleinem Raum. Das Badezimmer kann fast vollständig aufgelöst werden, um neue Raumkonfigurationen zu schaffen. Das Erdgeschoss ist öffentlich ausgebildet – es befinden sich hier zwei Gewerberäume, welche flexibel unterteilbar und nutzbar sind. Den Abschluss des Gebäudes bildet eine gemeinschaftliche Dachterrasse für alle Bewohnenden.
Kompakte, grosszügige Wohnungsgrundrisse
Auf minimaler Fläche entsteht ein vielseitig nutzbarer Wohnraum. Das Badezimmer ist über raumhohe, aussen verspiegelte Türen flexibel zuschaltbar: geöffnet erweitert es den Wohnbereich, geschlossen bleibt es ein eigenständiger Raum. Die raumhohen Türen stärken das räumliche Kontinuum und machen das Wohnen „zwischen den Scheiben“ unmittelbar erfahrbar. Der Waschtisch liegt im Erschliessungsbereich, während Dusche und WC als separate Kabinen organisiert sind. Diese Anordnung ermöglicht eine parallele Nutzung bei hoher Flächeneffizienz.
Hybride Fassadenkonstruktion
Die Fassadenstruktur operiert im Spannungsfeld zwischen Solidität und Leichtigkeit. Ein Zweischalenmauerwerk aus geschlämmtem Kalksandstein tritt in Dialog mit gefügten Holzelementen im Brüstungsbereich, die von einer metallischen Haut aus Aluminium eingehüllt werden. Ergänzend eröffnet eine textile Schicht die Möglichkeit einer temporären Überlagerung und atmosphärischen Modulation der Gebäudehülle, welche zudem dem sommerlichen Wärmeschutz dient.
Entsiegelung, Stadtraum und Begegnungsorte
Durch die Verlagerung der Parkplätze an die Schöneggstrasse entsteht zusammen mit dem Nachbargrundstück ein zusammenhängender Grünraum. Zur Kreuzung hin öffnet sich dieser als identitätsstiftender Treffpunkt. Eine chaussierte Fläche mit drei Bäumen bildet ein einfaches räumliches Gerüst, ergänzt durch einen Wandbrunnen, der das Gebäude im Stadtraum verankert. An die Stelle des Abstandsgrüns tritt ein Quartiersplatz als öffentlicher Freiraum.
Das Projekt von Atelier NU wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.