Umgestaltung PROGR-Hof

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3011 Bern,
Schweiz

Veröffentlicht am 29. September 2026
Salewski Nater Kretz AG

Geografischer Referenzraum für den Dachkörper Ausführungsmodell Dachkörper mit Gastropavillon Entwurfsskizze zur Formgebung der Dachoberseite Verfahrensentwicklung des Dachkörpers Grube in Müntschemier Materialrecherche  Sand und Kies für den Dachkörper Sandsammlung als Teil der Materialrecherche für den Dachkörper Betonmuster zur Entwicklung des Materialbildes des Dachkörpers Teststück des Dachkörpers zur Verfahrensentwicklung

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Waisenhausplatz 30, 3011 Bern, Schweiz
Fertigstellung
06.2026

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
1
Grundstücksfläche
1900 m²
Gebäudekosten (BKP 2)
800'000 CHF

Beschreibung

Der öffentlich zugängliche PROGR-Hof in der Berner Altstadt ist zugleich Innenhof eines Kulturhauses und Teil des städtischen Lebens. Zwischen 2022 und 2026 wurde der ehemalige Pausenhof umgestaltet, um die Bedingungen für die geschützten Bäume zu verbessern, das Gebäude hindernisfrei zu erschliessen und neue Möglichkeiten für Aufenthalt und Begegnung zu schaffen. Das gemeinsam von Architektur, Landschaftsarchitektur und Kunst entwickelte Projekt bewahrt den offenen Charakter des Orts und gibt ihm am Übergang zur Speichergasse eine neue Präsenz.

Ein Hof verbindet Kulturhaus und Stadt
Der PROGR befindet sich im denkmalgeschützten ehemaligen Progymnasium am Waisenhausplatz. Heute arbeiten hier mehr als 150 Kunstschaffende in Ateliers; Ausstellungen, Konzerte und gastronomische Angebote bringen weitere Menschen ins Haus. Der Hof ist deshalb weder ausschliesslich Vorplatz noch abgeschlossener Innenraum. Er gehört zum Arbeitsalltag der Mieter*innen und ist zugleich ein Treffpunkt für die Öffentlichkeit – tagsüber ebenso wie am Abend.
Seine besondere Atmosphäre entsteht aus diesem Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen und aus seiner Lage in der Stadt. Die Fassaden des ehemaligen Schulhauses geben dem Hof eine schützende Rahmung. Gleichzeitig bleibt er mit den angrenzenden Strassenräumen verbunden. Die Umgestaltung sollte diese doppelte Eigenschaft stärken: den Hof als eigenständigen Ort erhalten und seine Zugänglichkeit und Sichtbarkeit im öffentlichen Raum verbessern.
Das Gesamtkonzept wurde von Salewski Nater Kretz, Miriam Sturzenegger und bbz landschaftsarchitekten gemeinsam entwickelt. Es konzentriert sich auf drei räumliche Eingriffe: eine offene, entsiegelte Hofmitte, einen nutzbaren Rand entlang der Fassade und einen Pavillon an der Schwelle zur Speichergasse.

Raum für Menschen und Pflanzen
Der ehemalige Pausenhof war stark versiegelt. Das erschwerte insbesondere die Versorgung der geschützten Ahornbäume mit Wasser. Mit dem Rückbau des Asphalts und einer früheren Trennmauer konnte die Mitte als zusammenhängender Freiraum neu organisiert werden. Eine wasserdurchlässige Chaussierung ermöglicht es dem Regenwasser, vor Ort zu versickern. Neu angelegte Retentionsflächen nehmen Niederschläge zeitweise auf und stellen den Bäumen zusätzliche Wasserressourcen zur Verfügung.
Die Pflanzflächen gliedern den Hof, ohne ihn in voneinander getrennte Bereiche aufzuteilen. Einheimische Sträucher, wiederverwendete Gehölze und weitere standortgerechte Pflanzen ergänzen den Baumbestand. So entsteht zwischen den Bäumen eine Abfolge unterschiedlicher Aufenthaltsorte. Die Mitte bleibt offen genug für wechselnde Nutzungen des Kulturhauses und für den alltäglichen Aufenthalt.
Auch entlang der Hoffassade wurde der Raum neu gefasst. Vorgefertigte Kunststeinbänke machen den Übergang zwischen Gebäude und Hof zum Aufenthaltsort. Eine Rampe aus demselben Material schafft einen rollstuhlgängigen Zugang zum Haus. Die Eingriffe am Rand verbinden damit Erschliessung und Nutzung: Hier lässt sich sitzen, warten, ein Gespräch führen oder das Geschehen im Hof beobachten.

Ein Pavillon als Scharnier
Wo früher eine Mauer den Hof teilte, steht heute ein Pavillon an der Grenze zur Speichergasse. Er knüpft an den bestehenden Brunnen und an bauliche Fragmente der ehemaligen Hofbegrenzung an. Seine Bestandteile – Bar-Kiosk, tragende Betonelemente und skulpturales Dach – bilden ein Ensemble, das sich sowohl zum Hof als auch zur Strasse orientiert. Im Innern bietet der Pavillon einen gastronomischen Anlaufpunkt; nach aussen macht er das Kulturhaus im Stadtraum sichtbar.
Der Bar-Kiosk ist als weitgehend vorgefertigter Holzbau konzipiert. Seine Erscheinung verändert sich mit dem Betrieb. Zum Öffnen werden ochsenblutrot lasierte und lackierte Holzplatten zur Seite geschoben; grossflächige Fenster lassen sich nach oben bewegen. Die Bar erhält dadurch einen umlaufenden Tresen und wendet sich mehreren Seiten des Hofs zu. Abends wird das beleuchtete Innere durch die geöffneten Fenster sichtbar.
Ausserhalb der Öffnungszeiten schliessen Fenster und Läden den Kiosk wieder zu einem kompakten Körper. Ausklappbare Bänke sorgen dafür, dass er dennoch als Sitzgelegenheit genutzt werden kann. Die beweglichen Bauteile sind keine blosse Ausstattung: Sie bestimmen, wie der Pavillon auf unterschiedliche Situationen im Hof reagiert und wie sich sein Ausdruck im Tagesverlauf verändert.

Skulptur und Dach
Über dem Kiosk liegt der von Miriam Sturzenegger entworfene Dachkörper «Sandstein». Er lagert auf einer Betonscheibe und zwei Betonstützen. Vom Bar-Kiosk ist er konstruktiv getrennt. Er berührt den Holzbau nicht und bleibt dadurch als eigenständige Skulptur lesbar. Seine unregelmässige, asymmetrische Form setzt der strengen Ordnung der umliegenden Sandsteinfassaden eine andere Formensprache entgegen. Zugleich nimmt sein mineralischer Ausdruck Bezug auf die steinerne Umgebung, den historischen Brunnen und die erhaltenen Fragmente der früheren Mauer. Hofseitig spannt er sich über die Bar, strassenseitig ragt er über den Zaun hinaus.
Unter- und Oberseite des Dachs sind unterschiedlich gestaltet. Die Untersicht erscheint als gefaltetes, körniges Gewölbe mit Kämmen und Vertiefungen. Ihre Struktur entstand beim Guss in eine von Hand modellierte Negativform aus Sand. Die Oberseite dagegen ist als weich gekrümmte Topografie ausgebildet. Sie sammelt Regenwasser und führt es zu einer trichterförmigen Öffnung über der tragenden Rückwand. Über ein Rohr und eine Rinne gelangt das Wasser von dort in den sickerfähigen Belag beim benachbarten Baum. Die Entwässerung ist damit nicht nur technische Aufgabe, sondern Teil der skulpturalen Gestaltung.
Für die Herstellung des Dachkörpers entwickelten die Künstlerin, Betonspezialisten und Tragwerksplaner ein eigenes Verfahren. Versuche mit Sanden, Betonmischungen und Modelliertechniken gingen der Ausführung voraus. Vor Ort wurde in rund 85 Kubikmetern Natursand eine grosse Negativform aufgebaut und über mehrere Wochen von Hand bearbeitet. Anschliessend entstand der Dachkörper darin schichtweise aus zwei bewehrten Betonschalen, die durch innere Rippen miteinander verbunden sind. Nach dem Aushärten wurde die Skulptur aus dem Sand freigelegt. Die Spuren dieses Herstellungsprozesses bleiben an ihrer Unterseite sichtbar.
Im neuen PROGR-Hof wirken die Eingriffe auf unterschiedlichen Massstäben zusammen: Der Boden und die Pflanzflächen verbessern die Bedingungen für die Bäume, Bänke und Rampen machen die Gebäudekante nutzbar, und der Pavillon verbindet den Hof mit der Strasse. Die Skulptur «Sandstein» führt die Themen Material, Boden und Wasser in einer eigenen künstlerischen Form weiter.

Das Projekt wurde von Salewksi Nater Kretz eingreicht und von Jørg Himmelreich publiziert.

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