Interview: Digitale Lösungen für die Paketlogistik

Dipek Khunti
Digitale Technologien halten in immer mehr Bereichen des Alltags Einzug – so auch bei der Post- und Paketannahme in Mehrfamilienhäusern. Der Schweizer Hersteller Drawag präsentiert eine neue Generation von Briefkasten- und Paketboxanlagen für Wohnanlagen mit eigenen Steuerungen, Touchscreen-Displays und App-Anbindung. Geschäftsführer Dipek Khunti erzählt im Gespräch, welche Überlegungen der Entwicklung zugrunde lagen, und erläutert, welche Mehrwerte die Systeme für moderne Wohn- und Gewerbeimmobilien bieten.
Herr Khunti, was war die Motivation der Drawag AG, eine neue Generation von Anlagen mit digitaler Steuerung und Touchscreen-Display zu entwickeln?
Der Onlinehandel wächst, und entsprechend steigt in Wohnanlagen die Anzahl an Paketlieferungen kontinuierlich an. Derweil sind viele Gebäude infrastrukturell noch immer lediglich auf klassische Briefpost ausgerichtet. Unsere Motivation war es deshalb, Anlagen zu entwickeln, die Brief- und Paketlogistik ganzheitlich denken. Mit digitalen Steuerungen, Touchscreen-Displays und einer App-Anbindung haben wir eine Plattform geschaffen, die weit über die klassische Briefkastenfunktion hinausgeht. Wir verbinden analoge und digitale Prozesse und ermöglichen damit eine zeitgemässe Schnittstelle zwischen Zustelldiensten, Bewohner*innen sowie der Immobilienbewirtschaftung.

Mit digitalen Steuerungen, Touchscreens und einer App bietet Drawag eine intuitives System, das weit über klassische Briefkastenfunktionen hinausgeht.
Welche Vorteile bieten App-Benachrichtigungen für Bewohner*innen im Alltag?
Die App spielt eine zentrale Rolle in unserer digitalen Paketlogistiklösung. Bewohner*innen werden in Echtzeit informiert, sobald ein Brief oder Paket zugestellt wurde. Das schafft Transparenz und erhöht die Sicherheit, da Sendungen nicht unnötig lange unbeaufsichtigt bleiben. Gerade bei Paketen ist das ein entscheidender Vorteil. Statt Abholscheine im Briefkasten zu finden oder Sendungen bei den Nachbar*innen deponiert zu wissen, können Zustellungen direkt in ein gesichertes Fach erfolgen. Die App ermöglicht auch – je nach Konfiguration – eine einfache und sichere Öffnung. Das reduziert organisatorischen Aufwand und erhöht den Komfort im Alltag.
Für welche Gebäudetypen eignen sich die neuen Systeme?
Sie sind insbesondere für Mehrfamilienhäuser, grössere Wohnüberbauungen und urbane Verdichtungsprojekte konzipiert. Überall dort, wo viele Parteien auf engem Raum leben, wird eine strukturierte und sichere Paketlogistik immer wichtiger. Darüber hinaus eignen sich die Anlagen auch für gemischt genutzte Gebäude mit Wohn- und Gewerbeeinheiten, Business-Apartments oder betreute Wohnformen.Welche Möglichkeiten eröffnet der modulare Aufbau für Architekt*innen und Immobilienentwickelnde?Die Kombination aus klassischen Briefkastenmodulen und digitalen Paketboxen ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Lösung. Architekt*innen und Entwickelnde können die Anlage exakt auf die Grösse und Struktur einer Wohnanlage abstimmen. Die modulare Bauweise erlaubt es zudem, Paketkapazitäten flexibel zu dimensionieren und bei Bedarf später zu erweitern. Das bedeutet Zukunftssicherheit und architektonische Integration.
Welche Vorteile ergeben sich aus der Entwicklung und dem Zusammensetzen in der Schweiz?
Schweizer Engineering bedeutet für uns präzises Development und durchdachte Konstruktionen. Es hilft uns zudem, die Erfüllung höchster Qualitätsansprüche sicherzustellen. Sämtliche Systeme werden in der Schweiz entwickelt und auch hier assembliert. Das garantiert eine konsequente Qualitätskontrolle, hohe Betriebssicherheit, langlebige Produkte und eine zuverlässige Service- und Ersatzteilverfügbarkeit.
Welche Möglichkeiten eröffnet der modulare Aufbau für Architekt*innen und Immobilienentwickelnde?
Die Kombination aus klassischen Briefkastenmodulen und digitalen Paketboxen ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Lösung. Architekt*innen und Entwickelnde können die Anlage exakt auf die Grösse und Struktur einer Wohnanlage abstimmen. Die modulare Bauweise erlaubt es zudem, Paketkapazitäten flexibel zu dimensionieren und bei Bedarf später zu erweitern. Das bedeutet Zukunftssicherheit und architektonische Integration.

Paketboxen von Drawag ermöglichen die sichere Aufbewahrung von Paketen in Wohnhäusern.
Wie wichtig ist die Benutzerfreundlichkeit?
Sehr, denn eine digitale Paketlösung wird nur dann akzeptiert, wenn sie gut funktioniert und intuitiv ist. Deshalb haben wir grossen Wert auf eine intuitive Benutzerführung gelegt – sowohl am Touchscreen-Display als auch in der App.
Welche Aspekte tragen zu einer nachhaltigen Lösung bei?
Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Wir bei Drawag zielen diesbezüglich auf das möglichst umfassende Etablieren einer Kreislaufwirtschaft ab. Wir verwenden Materialien, die fast vollständig wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden können – nicht nur bei den Paketboxen, sondern bei sämtlichen Produkten von Drawag. Die modulare Bauweise verlängert zudem den Lebenszyklus der Anlagen und ist damit ebenfalls ein wichtiger Teil unserer ressourcenschonenden Lösungen.
Wie sehen Sie die Zukunft moderner Paketlogistiksysteme?
Digitale Paketlogistiklösungen werden zum Standard. Wir arbeiten bereits heute an «warmen» und «kalten» Lösungen – Systemen, die gekühlt werden können oder eine definierte Mindesttemperatur nicht unterschreiten. Die Drawag AG denkt weiter als bis zur Zustellung und fragt sich: Wie sieht die Logistik nach der Paketlieferung aus? Dazu gehört das Entsorgen von Verpackungen oder die Rückgabe von Mehrweggebinden. Zudem werden wir künftig verstärkt über 24 / 7-Lösungen sprechen – für Lieferanten wie für Endverbraucher*innen. Neue Kommunikationssysteme sorgen für schnelle Benachrichtigungen in beide Richtungen, denn Geschwindigkeit zählt.

Eine modulare Bauweise ermöglicht es, die Briefkasten- und Paketboxanlagen individuell zu konfigurieren.
Das Interview entstand in Zusammenarbeit mit der Drawag AG.