Der Bestand als Innovationslabor

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Veröffentlicht am 16. Juni 2026

Das Bauen im Bestand verlangt nach sensiblen Lösungen – besonders dort, wo Architektur, Technik und Raumkomfort zusammenfinden müssen. Zwei von KST realisierte Projekte zeigen, wie unterschiedlich die Antworten auf diese Anforderungen ausfallen können – von der behutsamen Integration in historische Substanz bis hin zum Zusammenspiel von Alt und Neu. Sie machen sichtbar, wie objektspezifische Lösungen entstehen, die den Charakter eines Gebäudes aufnehmen und zugleich neue Qualitäten schaffen.

R&D Dürr Architekturfotografie

Eine der anspruchsvollsten Aufgaben der Architektur: der Umgang mit bestehender Bausubstanz. | Foto © R&D Dürr Architekturfotografie

Eine der anspruchsvollsten Aufgaben der Architektur: der Umgang mit bestehender Bausubstanz. | Foto © R&D Dürr Architekturfotografie

Raumklimalösungen im Spannungsfeld des Bestands

Der Umgang mit bestehender Bausubstanz gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Architektur. Die zentralen Fragen des heutigen Bauens – vom Klimaschutz über Baukultur bis hin zu Wohnraumfragen – entscheiden sich nicht im Neubau, sondern im Umgang mit dem Bestand. Historische Gebäude sollen erhalten, aber auch weiterentwickelt und an zeitgemässe Anforderungen angepasst werden. Gefragt sind Lösungen, die neue funktionale Möglichkeiten sinnvoll integrieren oder gar technische Innovation ermöglichen, ohne den architektonischen Charakter eines Ortes zu beeinträchtigen. Besonders deutlich zeigt sich diese Herausforderung bei den Themen Raumklima und Gebäudetechnik.

Bauen im Bestand stellt besondere Anforderungen an die Bauherrschaft, Architekten und Fachplaner. Während technische Systeme im Neubau meist frei geplant werden können, verlangt der Bestand objektspezifische Lösungen. Raumhöhen, historische Oberflächen oder denkmalpflegerische Vorgaben setzen enge Grenzen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Komfort, Akustik, Energieeffizienz und flexible Nutzung. Mit 18 Jahren Erfahrung und gewachsenem Know-how im Umgang mit Bestandsbauten und denkmalgeschützten Objekten ist KST heute auf diese Schnittstelle spezialisiert. Die in Einsiedeln entwickelten, massgeschneiderten Systeme für Kühlung, Heizung, Lüftung und Raumakustik lassen sich gezielt und objektspezifisch in bestehende Strukturen integrieren.

Spezialanfertigungen statt Standard: Die Innenwand des denkmalpflegerisch geschützten Meetingraums ist von KST thermisch aktiviert. | Foto: © R&D Dürr Architekturfotografie
Stoffbespannte Paneele folgen den bestehenden Rundungen und zitieren die historische Materialität des Baus aus den 1930er-Jahren. | Foto: © R&D Dürr Architekturfotografie

Sonderlösung für denkmalgeschützte Innenräume

Wie komplex solche Aufgaben sein können, zeigt der 2025 realisierte Umbau der denkmalgeschützten Liegenschaft an der Löwenstrasse 1 und 3 in Zürich. Im Gebäude aus den 1930er-Jahren sanierten JOP Architekten die Büroräumlichkeiten der Anwaltskanzlei Barandun mit grosser Zurückhaltung. Die historische Substanz des zentralen Korridors sowie mehrerer Meetingräume durfte nicht verändert werden. Für die Raumklimatisierung bedeutete dies: Standardlösungen waren ausgeschlossen. Im grossen Sitzungsraum aktivierte KST die innenliegenden Wände für das Kühlen und Heizen. Stoffbespannte Wandpaneele wurden in die bestehenden Rundungen integriert und greifen die historische Materialität des Gebäudes auf.

Für die weiteren Meetingräume entwickelte und realisierte KST auf Mass gefertigte Umluftkühlgeräte, die aufgrund bauseitiger Gegebenheiten nicht in den Regelkreis der Gebäudetechnik integriert werden konnten. Im Zusammenspiel mit der KST-exklusiven, sich optisch harmonisch in das bestehende Kassettentäfer einfügenden «SonoPerf»-Abdeckung sowie seitlich integrierten Zuluftschlitzen erfolgt die Luftverteilung in den drei Räumen losgelöst vom Regelkreis, aber dennoch homogen und geräuschlos.

Spezialanfertigungen statt Standard: Die Innenwand des denkmalpflegerisch geschützten Meetingraums ist von KST thermisch aktiviert. | Foto © R&D Dürr Architekturfotografie
Stoffbespannte Paneele folgen den bestehenden Rundungen und zitieren die historische Materialität des Baus aus den 1930er-Jahren. | Foto © R&D Dürr Architekturfotografie

Historische Bausubstanz trifft auf modernen Innenausbau

Wie Raumklimalösungen Teil von zeitgemässen Arbeitswelten werden, zeigt das Verwaltungsgebäude von SWICA in der Winterthurer Lokstadt. In den historischen und denkmalgeschützten Portikus der ehemaligen Schweizerischen Lokomotive- und Maschinenfabrik haben RLC Architekten einen gläsernen Neubau gesetzt, der Alt und Neu verbindet.

Michael Haug © SWICA

Verbindet Alt und Neu: der gläserne Neubau im denkmalgeschützten Portikus. | Foto: Michael Haug © SWICA

Verbindet Alt und Neu: der gläserne Neubau im denkmalgeschützten Portikus. | Foto: Michael Haug © SWICA

Über sämtliche Geschosse hinweg – ob im sanierten Altbau oder im gläsernen Neubau – sorgen aktivierte Deckensegel für die Klimatisierung. Sie sind auf die Grösse und die Belegung der Räume abgestimmt und ermöglichen zusammen mit der zentralen Haustechnik eine geräuschlose und zugfreie Frischluftzufuhr in Räumen unterschiedlichster Grösse und Höhe. Akustikmatten und schallabsorbierende Deckenplatten optimieren zudem das Raumgefühl und die Wahrnehmung von Klang.

Im Alt- wie auch im Neubau sorgen über alle Geschosse aktivierte Deckensegel der KST für geräuschlose und zugfreie Klimatisierung. | Foto: | Foto: Michael Haug © SWICA
Im überhohen Kreativbereich des gläsernen Neubaus sind die Kühl- und Heizdeckensegel der KST auf Raumvolumen und Belegung abgestimmt ausgelegt. | Foto: Michael Haug © SWICA

Die Beispiele belegen, wie sich die Rolle technischer Gebäudeausstattung verändert. «Raumklima wird heute nicht mehr als rein funktionale Infrastruktur verstanden, sondern als Teil der architektonischen Qualität», sagt Beat Schönbächler, Gründer und Inhaber der KST. Dazu brauche es individuelle Lösungen, die Gestaltung, Nutzung und Technik aufeinander abstimmen. «Der Bestand wird so zum Labor für innovative Lösungen, bei denen sich die technischen Systeme der Architektur anpassen und nicht umgekehrt.» Darin liegt die Qualität sensibler Bestandsprojekte: wenn neue Technik nahezu unsichtbar wird und dennoch spürbar zum Wohlbefinden beiträgt.

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