2226 Hybrid Universitätstrasse Zürich
8006 Zürich,
Schweiz
Veröffentlicht am 04. April 2026
Baumschlager Eberle Zürich AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Das im Zeitgeist eines aufstrebenden Stadtquartiers erbaute Bürogebäude aus den 1970er-Jahren mit seiner zentralen, prominenten Lage und seiner unmittelbaren Nähe zu denkmalgeschützten Bauten verlangte nach einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Geschichte. Seitens Amt für Städtebau bestanden zudem erhöhte gestalterische Anforderungen. So erfolgte im Hinblick auf die Baueingabe ein sorgfältiges Abwägen zwischen Erhalt und Auflösen des bestehenden Portikus entlang der Universitätstrasse zugunsten der Erhöhung von Nutzfläche. Gemeinsam konnten gestalterische Lösungen gefunden werden, die der Architektur gerecht werden und seine Akzeptanz fördern.
Ein weiteres Augenmerk lag auf der Ausgestaltung der im Zuge der energetischen Optimierung zu erneuernden Gebäudehülle. Die mit dem Amt für Städtebau besprochene Materialisierung der Fassade orientiert sich am Bestand: ein rhythmisiertes Fassadenkleid; ein durch ein umlaufendes Band vom restlichen Gebäude abgesetztes Erdgeschoss. Zur besseren Integration des Bestandsgebäudes in den Kontext nimmt die Überlagerung von stark profilierten horizontalen und vertikalen Lisenen Bezug zu traditionellen Gesimsen und Lisenen. Farblich fein abgestimmte Elemente aus eloxiertem Aluminium und opakem Glas prägen die Fassade.
Die Sanierung erfolgte gemäss dem Prinzip 2226 Hybrid. Dadurch konnten die Haustechnik, der Energieverbrauch und somit auch die Treibhausgasemissionen massiv reduziert werden, was nicht zuletzt zu tiefen Betriebs- und Wartungskosten führt. Der Rückbau der abgehängten Decken generierte eine überzeugende Raumhöhe und legte die nötige Speichermasse frei, um Wärme effizient zu speichern oder abzugeben. Die mechanische Lüftung wich einer gesteuerten Fensterlüftung. Im Sommer wird die Nachtauskühlung genutzt, im Winter reduziert die Abwärme von Menschen, Beleuchtung und Geräten den Energieverbrauch für Heizung und Kühlung auf ein absolutes Minimum. Opake Fassadenelemente vermindern den Glasanteil, was der sommerlichen Überhitzung entgegenwirkt.
Nebst der Überführung in einen neuen Lebenszyklus wurde während der Sanierung grossen Wert auf die Flexibilität gelegt: Es entstanden komplett stützenfreie Geschosse, die eine hohe Nutzungsvielfalt sowie Adaptierbarkeit über die Zeit erlauben. Die offenen Grundrisse wurden für den Mieterausbau bereitgestellt. Zudem lassen die flexiblen Grundrisse und die Erschliessung eine Nutzung des Gebäudes als Ganzes oder nur einzelner Geschosse zu. Trotz Reduzierung des Glasanteils konnten die grossen Fensterflächen erhalten werden und öffnen sich zum vorgelegten Platz und den Strassenräumen hin. Die Dachterrasse des Gebäudes wurde begrünt und dient als Aufenthalts- und Erholungsraum mit freiem Blick auf Stadt, See und Berge. Biodiverse Grünflächen und Nistplätze für Mauersegler unterstreichen den Aussenraumbezug, tragen zu einem angenehmen Klima und nicht zuletzt zu einer positiven Wahrnehmung des Ortes bei.
Besonderheiten
Der Bürobau ist das erste für das Label «BREEAM» Refurb Outstanding nominierte Gebäude der Schweiz: Dank 2226 Hybrid konnte der Betriebsenergiebedarf massiv reduziert werden. Biobasierte Materialien wie Lehmbauplatten sowie Lehmputz schaffen ein angenehmes und gesundes Raumklima. Ein intelligentes System steuert automatisch die schmalen Fensterlüftungsflügel gemäss dem Prinzip 2226, versorgt den Raum mit natürlicher Frischluft und sorgt ganzjährig für eine optimale Luftfeuchtigkeit, Temperatur und CO₂-Konzentration. Eine Sonnenschutzbeschichtung verbessert den sommerlichen Wärmeschutz. Eine mit Geothermie betriebene Wärmepumpe dient einzig dazu, die Spitzenabdeckung für Heizen und Kühlen zu gewährleisten. Mit einem Heizwärmebedarf von 15Kwh/m²/Jahr und einer Kühlleistung von 1kwh/m²/Jahr konnten sehr tiefe Betriebskosten erreicht werden. Eine im Treppenturm integrierte PV-Anlage trägt zur Abdeckung des Strombedarfs bei.
Das Projekt von Baumschlager Eberle Zürichwurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.