Badehaus Hof Weissbad

 
9057 Weissbad,
Schweiz

Veröffentlicht am 01. April 2026
op-arch AG

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Im Park 1, 9057 Weissbad, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
06.2023
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
2
Anzahl Kellergeschosse
1
Geschossfläche
1180 m²
Nutzfläche
635 m²
Gebäudevolumen
5087 m³
Gebäudekosten (BKP 2)
8'511'395,0 Mio. CHF

Beschreibung

Das Badehaus ist Teil einer Trilogie von sich ergänzenden Bauten des Hotels Hof Weissbad, in der für das Appenzellerland typischen hügeligen Landschaft gelegen: das Restaurant Flickflauder mit einer Struktur von vorfabrizierten Holzbügeln (2004, zusammen mit Blumer Lehmann), die Blumenwerkstatt (2016, ebenfalls mit Blumer Lehmann) und das Badehaus Rondom, das 2023 erstellt wurde. Der zentralsymmetrische Ersatzneubau des historischen Hotels mit weiteren Anbauten ist von durchschnittlicher gestalterischer Qualität. Der Entwurf für das Badehaus ist deshalb nicht als weiterer Anbau im Sinne eines «Weiterbauens» entwickelt, sondern als eigenständiges Bauwerk mit besonderen Eigenschaften, wie auch das Restaurant Flickflauder und die Blumenwerkstatt. Weiter liessen sich die Projektverfasser von zwei architektonischen Prinzipien leiten: Zum einen von der thematischen Auseinandersetzung mit den möglichen Formen der Raumbildung (linear, flächig oder volumetrisch), zum anderen vom Prinzip «Stilhülse und Kern», einer Metapher von Joseph Bayer. Der österreichische Architekt beschreibt damit in einem Aufsatz von 1886 die Weiterentwicklung der Architektur mit dem Herauslösen eines neuen Kerns aus der Schale.

Der freistehende Rundbau lässt in der engen Landschaftskammer, in der er liegt, Beziehungen in alle Himmelsrichtungen zu. Der Zwischenraum zum Bestand lenkt dabei den Blick in die Tiefe zum bewaldeten Hügel. In Anlehnung an die von Bruno Taut in der Frühmoderne aufgezeichneten visionären Idee einer kristallinen «alpinen Architektur» soll auch das Badehaus mit der Natur zu einer Einheit werden. Den zweigeschossigen Bau, ganz aus Holz gezimmert, umgibt eine gezackte, gläserne Hülle. Diese erinnert an einen geschliffenen Diamanten, während vom Dach freischwebende Hängepflanzen fallen. Natur und Architektur verweben sich so zu einem symbiotischen Ganzen.

Der Holzrahmenbau aus Fichtenholz steht auf einem Untergeschoss aus Ortbeton, wo die technischen Räume und Lagerflächen untergebracht sind. Erdgeschoss und Obergeschoss sind orthogonal, ausgehend vom Prinzip «Haus im Haus» konzipiert: Raumvolumen enthalten Funktionen wie Treppe, Lift, Bistroküche, Toiletten oder Umkleidekabinen und formen so die Aufenthaltsbereiche mit Aussenbezug – ähnlich wie ein kleines Dorf auf verschiedenen Ebenen. Das Obergeschoss, im Durchmesser wenig grösser, ist das Herzstück der Anlage: Hier befinden sich die Heusauna, die finnische Sauna und das Dampfbad. Die beiden Saunahäuser haben grosse Fenster mit Blick auf die nähere Landschaft und das ferne Alpsteinmassiv, sind aber durch die erhöhte Lage gleichzeitig auch vor Einblicken von aussen geschützt. Die Ruheliegen wurden eigens für das Badehaus entworfen. Treppe und Lift führen auf das Dach mit der mittig angeordneten Terrasse und einem intensiv bewirtschafteten Pflanzensaum.

Die expressiv gestaltete, gläserne Fassade ist aussen mit weissen Holzmetallfenstern gerahmt. Der Dachrand ist als Holzring ausgebildet und ebenfalls weiss gestrichen. Blumer Lehmann zeichnete für den Holzbau verantwortlich und realisierte den gesamten Innenausbau, die Fassade, die Terrasse sowie die Saunaverglasung. Die Decken im Inneren bestehen aus Brettsperrholz. In einem Pilotversuch wurden Wände und Decken mit UV-Shield behandelt. Der Innenausbau besteht aus massivem Weisstannenholz.

Neben den sägerohen Holzelementen prägen die vielen Fensterflächen die Fassade des sternförmigen Gebäudes. In der Dämmerung und abends leuchtet der Holzbaukörper und gibt sein Inneres preis. So entfaltet sich ein Wechselspiel zwischen entmaterialisierter äusseren Haut und den haptischen Qualitäten des Holzbaus im Inneren des Hauses.  

Der Text wurde von Jutta Glanzmann, Lignum verfasst. Das Projekt wurde von iop-arch eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.   

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