Ersatzneubau Kiosk Stadthausanlage am Bürkliplatz, Zürich
8001 Zürich,
Schweiz
Veröffentlicht am 02. Februar 2026
Schmid Ziörjen Architektenkollektiv AG
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Kontext, Städtebau und Volumetrie
Die axialsymmetrische Stadthausanlage liegt an zentraler und prominenter Lage im Herzen von Zürich. Der geschichtsträchtige Ort wurde in mehreren Etappen transformiert, zuletzt im Jahr 2000 mit dem Ziel, die Anlage wieder als zusammenhängendes Ensemble zu stärken. Der baumbestandene Platz bildet heute ein wichtiges Bindeglied zwischen Stadt und See.
Im Süden schliesst die Anlage an den Bürkliplatz mit Quaianlage und Schiffanlegestelle an, im Westen begrenzt die Bahnhofstrasse das Areal, während im Osten die ruhigere Fraumünsterstrasse verläuft. Dazwischen positioniert sich die denkmalgeschützte Nationalbank als räumlicher Rücken der Anlage und markiert eine klare Grenze zwischen dichtem Stadtgefüge und offenem Grünraum.
Im Zuge der Realisierung des Kiosks wurde auch die Stadthausanlage landschaftsarchitektonisch überarbeitet. Der Baumbestand wurde ergänzt und verdichtet, Wachstumsbedingungen verbessert und die Anlage auf ein langfristiges, zusammenhängendes Baumdach ausgerichtet, das den Platz beschattet und zur lokalen Hitzeminderung beiträgt.
Im Zentrum der Anlage befindet sich der inventarisierte Maillard-Pavillon als Herzstück des Ensembles. Diagonale Fussgängerströme durchqueren den Park und verbinden Bürkliplatz, Bahnhofstrasse und Fraumünsterstrasse als attraktive Querbewegung.
Entlang der Peripherie sind verschiedene Kleinbauten angeordnet – darunter Toilettenanlagen, eine Bushaltestelle und der bestehende Kiosk – die bewusst ausserhalb der strengen Symmetrie platziert sind. Der neue Kiosk reiht sich selbstverständlich in diese Abfolge peripherer Kleinbauten ein.
Die Volumetrie des Neubaus zeigt sich als kompakter, eingeschossiger Baukörper. Das längliche Volumen ist parallel zur Fraumünsterstrasse entlang der östlichen Perimetergrenze positioniert. Die Setzung nimmt sowohl auf das bestehende wie auch auf das weiterentwickelte Bepflanzungskonzept Rücksicht und ermöglicht eine ruhige Integration in die Gesamtanlage. Gleichzeitig entsteht ein angemessener Abstand zum Maillard-Pavillon sowie eine ausgewogene Dichteverteilung innerhalb des Parks. Der neue Kiosk stärkt die Aufenthaltsqualität des Ortes, ohne die diagonalen Fussgängerbeziehungen zu beeinträchtigen.
Organisation und Grundriss
Die Grundrissorganisation des Kiosks ist auf eine hohe funktionale Dichte bei minimaler Gebäudefläche ausgelegt. Sämtliche Nutzungen sind unter einem allseitig auskragenden Dach zusammengefasst. Das Dach bildet einen umlaufenden Übergangsbereich zwischen Gebäude und Parkraum. Die einladende Geste heisst die Kundschaft willkommen und bietet Unterstand bei schlechter Witterung.
Ein klar definierter Grundrissraster bildet die organisatorische Grundlage des Gebäudes. Er ordnet die einzelnen Nutzungen eindeutig zueinander und minimiert Erschliessungsflächen. Dadurch entsteht eine effiziente Betriebslogik, in der öffentliche und betriebliche Abläufe klar voneinander getrennt, aber räumlich eng verzahnt sind.
Der Gastronomiebereich orientiert sich nach Südwesten zur Stadthausanlage und zum See. Die dreiseitige Öffnung verankert den Kiosk im Parkraum, erhöht seine Visibilität und stärkt den öffentlichen Charakter des Gebäudes. Küche, Ausgabebuffet und Aussensitzplätze stehen in unmittelbarem räumlichem und visuellem Zusammenhang, sodass sich der Betrieb nahtlos in den Aussenraum fortsetzt. Die Anlieferung erfolgt von der Fraumünsterstrasse und ist konsequent vom Gästebereich getrennt.
Angrenzend an den Gastronomiebereich befindet sich das Büro der Marktpolizei mit direktem Aussenzugang. Durch die westliche Ausrichtung ist der Platz vollständig überblickbar. Die öffentlich zugänglichen WC-Anlagen sind bewusst von der Stadthausanlage abgewandt angeordnet.
Im Untergeschoss sind neben Lager- und Kühlräumen auch die Personalgarderoben sowie die Technikräume untergebracht. Ergänzend ist eine Trafostation mit zugehörigen EWZ-Verteilanlagen integriert, die die elektrische Versorgung der Stadthausanlage für temporäre Nutzungen wie Märkte oder Veranstaltungen mitträgt.
Ausdruck, Fassadengliederung und Erscheinungsbild
Das neue Kioskgebäude tritt als zurückhaltender, klar gefasster Baukörper in Erscheinung. Sein äusseres Erscheinungsbild wird durch eine facettierte, reliefartig ausgebildete Gebäudehülle geprägt, deren Gliederung direkt aus der konstruktiven und funktionalen Ordnung abgeleitet ist.
Bestimmendes Element der Fassade sind die vertikal angeordneten, statisch aktiven Fassadenstützen. Sie gliedern den Baukörper in seiner Länge und fassen die unterschiedlichen Nutzungen und Öffnungen zu einer einheitlichen Gesamterscheinung zusammen. Ihre abgerundete Ausbildung charakterisiert
die äussere Erscheinung und stellt eine zurückhaltende formale Verwandtschaft zu den inventarisierten Bestandsbauten der Stadthausanlage her, ohne diese zu imitieren.
Die Zwischenräume sind im Brüstungs- und Sturzbereich mit horizontal angeordneten Holzlamellen ausgefacht. Vor der Fensterebene sind zusätzlich vertikale Holzlamellen angeordnet, die als vertikal geführte Schiebeläden ausgebildet sind. Während der Betriebszeiten werden diese hinter die horizontale Lamellenstruktur im Sturzbereich hochgefahren, wodurch ein dekoratives, reliefiertes Holzgitter entsteht.
In ihrer Farbigkeit zeigt sich die Gebäudehülle bewusst zurückhaltend. Der warme Grauton der Fassade nimmt Bezug auf die Farbstimmungen der umliegenden Bauten und unterstützt die Einbindung des Neubaus in das bestehende Ensemble der Stadthausanlage.
Konstruktion und Nachhaltigkeit
Der Ersatzneubau des Kiosks ist als kompakter, eingeschossiger Holzbau mit Untergeschoss konzipiert. Die Konstruktion folgt einer klaren, materialgerechten Logik und leitet den architektonischen Ausdruck unmittelbar aus dem Tragwerk ab.
Das Untergeschoss ist in Ortbeton ausgeführt; ein aussen umlaufender Sichtbetonsockel bildet das präzise Auflager für die darüberliegende Holzkonstruktion. Der Holzbau wird in Längsrichtung durch seriell angeordnete Stützen-Binder-Konstruktionen in einem Raster von 1,15 m gegliedert.
Die statisch aktiven Fassadenstützen sind kraftschlüssig mit den Deckenbalken verbunden und übernehmen die vertikale Lastabtragung der Dachkonstruktion. Hinter den Stützen bilden vorfabrizierte, ausgedämmte Holzrahmenelemente die thermische Gebäudehülle. Die inneren Trennwände sind als Holzrahmenkonstruktionen ausgeführt und tragen zur Aussteifung des Gebäudes bei.
Die Konstruktion ist bewusst mit einem hohen Anteil an Vollholzbauteilen ausgeführt, um den Einsatz von verleimten Holzprodukten weitgehend zu reduzieren. Diese materialgerechte Bauweise folgt sowohl konstruktiven als auch ökologischen Überlegungen und ermöglicht eine einfache, nachvollziehbare Tragwerkslogik sowie eine gute Rückbaubarkeit. Das verwendete Holz stammt aus dem Zürcher Stadtwald am Zürichberg und wurde gezielt für den Neubau eingesetzt. Damit ist der Kiosk nicht nur konstruktiv, sondern auch materiell eng mit seinem lokalen Kontext verbunden.
Das Projekt wurde von Schmid Ziörjen Architektenkollektiv hochgeladen und von Dane Tritz publiziert.