Foyer Ecogia

 
1290 Versoix,
Schweiz

Veröffentlicht am 26. Februar 2026
OB Architectes Sàrl

OB architectes, Foyer Ecogia OB architectes, Foyer Ecogia OB architectes, Foyer Ecogia OB architectes, Foyer Ecogia OB architectes, Foyer Ecogia OB architectes, Foyer Ecogia OB architectes, Foyer Ecogia

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Chemin d'Ecogia 14, 1290 Versoix, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
12.2022
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
2
Anzahl Kellergeschosse
1
Grundstücksfläche
3600 m²
Geschossfläche
1933 m²
Anzahl Betten
8
Anzahl Schüler
78

Beschreibung

Das Anwesen von Ecogia liegt eingebettet in die Genfer Obstgärten und untersteht als geschützter Weiler besonderen baurechtlichen Bestimmungen. Der sensible landschaftliche und denkmalpflegerische Kontext bildete den Ausgangspunkt für die architektonische Strategie von OB architectes. Für die Association La Corolle, die Menschen mit geistiger Behinderung begleitet, entwarf das Lausanner Büro zwei Neubauten, die als Ort des Wohnens, der Begegnung und der sozialen wie kreativen Aktivitäten dienen. Die Rahmenbedingungen waren anspruchsvoll: Der Gestaltungsplan sowie spezifische Schutzauflagen schränkten sowohl den Rückbau der bestehenden, strukturell überalterten Gebäude als auch die Möglichkeiten eines Ersatzneubaus stark ein. Dennoch gelang es OB architectes, ein Projekt zu entwickeln, das von der Commission des Monuments, de la Nature et des Sites positiv aufgenommen wurde. Der Entwurf stärkt die Identität des Ortes, wertet die Landschaft behutsam auf und erfüllt zugleich die spezifischen Anforderungen des Programms.

Die beiden Neubauten sind so positioniert, dass sie einen zentralen Hof fassen. Dieser vermittelt zwischen Offenheit zur umgebenden Natur und einem geschützten Rahmen für die Nutzer*innen. Als pädagogischer Freiraum ermöglicht er unmittelbare Naturerfahrungen und macht den Wechsel der Jahreszeiten erlebbar. Gleichzeitig fungiert er als gemeinschaftlicher Treffpunkt und fördert soziale Interaktion. Der Westbau mit den administrativen Funktionen orientiert sich direkt zum Chemin d’Ecogia und markiert mit seiner öffentlichen Adresse den Zugang zur Institution. Indem die Südfassade von öffentlichen Nutzungen freigehalten wird, entsteht ein ruhiger, geschützter Aussenraum für die Bewohner:innen. Der Ostbau übernimmt den täglichen Empfang der Atelierteilnehmenden; eine vorgelagerte Esplanade schafft einen klar definierten, sicheren Übergang zwischen Strasse und Gebäude.

Die funktionale Trennung von öffentlichen und privaten Bereichen gewährleistet eine konfliktfreie Koexistenz. Im Ostbau befinden sich die Zimmer des Wohnheims mit freiem Blick in die Landschaft. Grosszügige Öffnungen lassen viel Tageslicht einströmen und fördern eine ruhige, sinnliche Raumatmosphäre, die Erholung und Rückzug unterstützt. Formal setzen die Neubauten auf eine reduzierte, kompakte Geometrie. Satteldächer mit versetzten Firstlinien und Walmen nehmen Motive der umliegenden Bebauung auf und übersetzen sie in eine zeitgenössische Sprache. Ein mineralischer Putz mit rustikal gebürsteter Oberfläche verankert die Fassaden im landschaftlichen Kontext, ohne auf eine eigene Identität zu verzichten. Die Verbindung der beiden Gebäude erfolgt unterirdisch – eine funktionale Lösung, die die visuelle Klarheit des Ensembles und die landschaftliche Einbindung wahrt.

Ein partizipativer und sorgfältiger Entwurfsprozess
Das Team von OB architectes nahm an Sitzungen mit dem pädagogischen und pflegerischen Personal teil und teilte Mahlzeiten mit Menschen mit geistiger Behinderung, um deren jeweilige Bedürfnisse besser zu verstehen und einen wirklich massgeschneiderten Raum zu entwickeln. Jedes Element wurde bis ins Detail durchdacht: die Dimensionierung der Korridore, die Wahl fugenloser Materialien sowie zurückhaltende Farbtöne tragen zum Wohlbefinden der Bewohner*innen bei. Auch der Umzug in die neue Umgebung wurde sorgfältig begleitet, um den Übergang für diese vulnerablen Personen zu erleichtern, die besonders an vertrauten, Sicherheit vermittelnden Routinen hängen.

Einige Kennzahlen

  • Anzahl Wohnungen: ein unabhängiges Studio
  • Anzahl Betten: sieben Zimmer für die Bewohner:innen, jeweils mit eigenem Bad
  • Anzahl Studierende/Bewohner*innen: Auf dem Areal leben rund 48 Personen in den angepassten Wohnheimen; 30 externe Personen nehmen an den drei Tageswerkstätten vor Ort teil.

Das Projekt wurde von OB Architectes eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.

210264366