Gelateria Mulegns
7455 Mulegns,
Schweiz
Veröffentlicht am 10. April 2026
Projektdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Die Gelateria ist eine experimentelle Eisdiele und eine radikale architektonische Verbindung zwischen der Typologie einer traditionellen Alpenscheune und der expressiven Formensprache einer barocken Kuppel. Das in eine transluzente Hülle gekleidete Gebäude besteht aus einer facettierten Holzstruktur aus regionalem Holz und einem farbenfrohen, robotergestützten 3D-gedruckten Innenraum aus recyceltem Kunststoff. Die Struktur nutzt eine innovative, gross angelegte Kunststoffextrusionstechnik, die eine ultraleichte Konstruktion ermöglicht. Darüber hinaus werden Farbe und Licht als zusätzliche Designparameter eingeführt, wobei die schnelle Roboterproduktion mit architektonischen Ornamenten verschmilzt. Sie zeigt exemplarisch, wie digitale Prozesse sowohl den gestalterischen Ausdruck als auch die ökologische Verantwortung fördern können.
Äusserlich nimmt das Gebäude die vertraute Silhouette eines Stalles auf, der einst an dieser Stelle gestanden hat. Die Holzstruktur wurde aus lokalem, wiedergewonnenem Massivholz errichtet und von Holzexperten in einem nahe gelegenen Werk zugeschnitten und vorgefertigt. Die leichte und dennoch robuste Holzstruktur entfaltet sich in einer facettierten, Origami-ähnlichen Geometrie und ist von einer halbtransparenten Membran umhüllt. Diese schützende Haut lässt das Licht eindringen und gibt den Blick frei auf die organischen Formen des 3D-gedruckten Innenraums.
Experimentelles Roboter-Extrusionsverfahren
Das Herzstück des Gebäudes ist die farbenfrohe 3D-gedruckte Kuppel, die im Robotic Fabrication Lab der ETH Zürich mit Hollow-Core, einem experimentellen Roboter-Extrusionsverfahren, das für Fassadenelemente entwickelt worden ist, hergestellt wurde. Die Studierenden adaptierten diese Methode für die Herstellung der grossformatigen Innenform, reduzierten die geometrische Auflösung, um die Druckgeschwindigkeit zu erhöhen, und arbeiteten direkt mit dem expressiven Potenzial von recyceltem PETG – einem Thermoplast, der üblicherweise für Lebensmittelverpackungen verwendet wird. Trotz einer Fläche von über 250 m² wiegt die leichte Struktur weniger als eine Tonne. Die Gelateria interpretiert die Ästhetik der Belle Époque, des Barocks und der Eiscremekultur durch die Linse von Computerdesign und Roboterfertigung neu. Gerade letztere wurde durch Bündner Zuckerbäcker in Italien massgeblich mitgeprägt. Sie bietet eine überzeugende Vision für nachhaltige Architektur, indem sie wiederverwendetes Holz mit recyceltem und wiederverwertbarem Kunststoff kombiniert. Das vollständig zerlegbare Bauwerk ist für den Kreislauf konzipiert: Seine Holzelemente können wieder zusammengebaut oder wiederverwendet werden, und die Kunststoffkuppel kann zerkleinert und in neuen Formen gedruckt werden, wodurch deutlich wird, wie fortschrittliche digitale Prozesse sowohl dem Ausdruck als auch der ökologischen Verantwortung dienen können.
Die Nova Fundaziun Origen hat die temporäre Gelateria in enger Zusammenarbeit mit der ETH Zürich sowie den Bauunternehmen Uffer Gruppe und Zindel United gebaut.
Holzstruktur (aussen)
Bauleitung: Invias AG (Zindel United)
Baumeister: Battaglia Bau AG, Uffer Holz AG (beide Uffer Gruppe) Schreinerarbeiten: Poltera Holzbau AG
Lichtplanung / -design: Tokyoblue GmbH
Lichtinstallation: Brasser AG Veranstaltungstechnik
Fassadenbau, Membran: Bieri Tenta AG
3D-gedruckte Kuppel (innen)
Industrieroboter: ABB
Design, 3D-Druck: MAS ETH DFAB / Digital Building Technologies
Dr. Petrus Aejmelaeus-Lindström (Projektleitung), Nik Eftekhar (For-schungsleitung), Ananya Kango, Joana Francisco Tomaz, Paul Jaeggi
MAS ETH DFAB Studierende
Alim Battal, Dalila Romero Zenker, Daniela Larbalestier, David Villegas Rodriguez, Guillem Hernandez Camarasa, Ioanna Tatouli, Konstantina Laki, Lais Hotz, Marc Ribert Arqués, Nicolas Boscoboinik, Pluem Pongpisal, Sian Chen, Spyridon Pyrgiotis, Yen Ting Liu