Kinderspital – CHUV
1011 Lausanne,
Schweiz
Veröffentlicht am 07. April 2026
Ferrari Architectes Lausanne SA
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Über seine primäre Funktion der medizinischen Versorgung hinaus ist das Kinderspital als ein Lebens-, Heilungs- und Trostraum für die jungen Patient*innen sowie ihre Familien konzipiert. Eingebettet in einen dichten, vielschichtigen Kontext reagiert das Spital auf komplexe Anforderungen. Ein horizontaler, langgestreckter Baukörper – das «Gebäude B» – schiebt sich vor die Frauenklinik. Die Wahrung der Lichtverhältnisse und der Präsenz dieses historischen Gebäudes innerhalb der Spitalstadt war entscheidend für die Harmonie des Areals und sein funktionales Gleichgewicht.
Der vertikale Baukörper «Gebäude A» erhebt sich entlang der Rue du Bugnon. Er bildet, über dem Metroeingang thronend, die bauliche Fortsetzung dieser städtischen Achse. Hier befindet sich der Haupteingang des Kinderspitals. Ideal positioniert an der Schnittstelle von Rue du Bugnon, dem Südausgang der Metro und dem Haupteingang des CHUV, entwickelt sich dieser Zugang zu einem der zentralen Knotenpunkte der Spitalstadt. Um die Organisation der Räume und die Orientierung von Patient*innen und Personal zu erleichtern, wird die Ost-West-Achse des Gebäudes B als innere Strasse gestaltet – eine Rückgratstruktur, welche die gesamten technischen und ambulanten Bereiche erschliesst. Diese Hauptachse erstreckt sich über zwei Ebenen und wird von lichtdurchfluteten, begrünten Patios rhythmisiert, die eine Öffnung nach aussen ermöglichen.
Die Fassadengestaltung interpretiert die horizontalen Bänder des Hauptspitalgebäudes neu. Ihre helle Farbe zieht das Licht an und reflektiert es in die unmittelbare Umgebung. Die blauen, gelben und grünen Lamellen der Öffnungselemente verweisen auf die farbenfrohe Welt der Kinder. Das Dach des Gebäudes B wird als landschaftlicher Bereich ausgestaltet und stärkt die Verbindungen zwischen den verschiedenen Aktivitäten der Spitalstadt. Dieser Garten dient dem Personal als Erholungsraum sowie den Patient*innen als Spiel- und Rehabilitationsort. Auch die Cafeteria nutzt diesen Aussenraum und richtet dort eine Terrasse ein, die allen Mitarbeitenden und Besucher*innen offensteht.
Die Umsetzung der von der UNESCO formulierten Charta der Rechte des hospitalisierten Kindes stellt einen innovativen Ansatz dar. Die Charta bekräftigt das Recht des Kindes, Tag und Nacht von seinen Eltern begleitet zu werden. Daher befindet sich in jedem Zimmer eine in ein Bett verwandelbare Sitzbank, die diesem Bedürfnis gerecht wird. Es wurden zudem Vorkehrungen getroffen, damit ein Elternteil das Kind bis in den Einleitungsraum begleiten kann. Besonderes Augenmerk gilt der warmen Materialität, dem grosszügigen Tageslichteinfall und der spielerischen Signaletik, um die klinische Atmosphäre des Spitals zu mildern. Tageslicht – ein wesentliches therapeutisches Element – wird durch Patios, die zahlreiche Räume sowie die Hauptzirkulation beleuchten, gefördert. Auch das 1. Untergeschoss des Operationsbereichs erhält dank eines neu geschaffenen Lichtgrabens natürliches Licht.
Bauen im dichten und betrieblich aktiven städtischen Umfeld
Der Aushub von nahezu 18 Metern Tiefe in nur fünf Zentimetern Abstand zur Frauenklinik erforderte äusserst sorgfältige Vorbereitungsarbeiten. Die Erstellung von Berlinerwänden mit Ankern ermöglichte die Durchführung der Arbeiten unter ständiger Überwachung des Rutschrisikos und der potenziellen Beeinträchtigung der bestehenden Gebäude. Während der Bauphase musste zudem der Betrieb des Standorts sowie verschiedene kritische Verbindungen aufrechterhalten werden: die Verbindung zwischen dem Metrozugang und dem Hauptgebäude sowie die unterirdische Verbindung zwischen dem Hauptgebäude und der Frauenklinik. Da die medizinische und technische Verbindung (Medien und medizinische Gase) zwischen diesen beiden Gebäuden lebenswichtig ist, musste sie während der gesamten Bauzeit erhalten bleiben, obwohl ihre Trasse unter dem zukünftigen Neubau verläuft. So wurde dieser Tunnel während mehrerer Monate frei im rund 18 Meter tiefen Aushub hängend gesichert. Der Bau eines Umleitungstunnels, des sogenannten Tunnel THO, der das Hauptspitalgebäude, das Orthopädische Spital, das Kinderspital und die Frauenklinik verbindet, ermöglichte die Aufrechterhaltung dieser Flüsse während der Rohbauphase. Diese Verbindung ist weiterhin in Betrieb.
Die Errichtung des Kinderspitals über der in Betrieb stehenden Metro stellte ebenfalls eine Herausforderung dar. Der weiterlaufende Betrieb der Linie M2 war von grosser Bedeutung. Dennoch war ein 48-stündiger Unterbruch erforderlich, um die Strecke bei der Montage der Träger, die das neue Dach über der Metrostation bilden, zu sichern. Um die Sicherheit der Fahrgäste zu gewährleisten, wurden Teile der Arbeiten nachts ausgeführt.
Partizipativer Prozess
Der partizipative Prozess im CHUV ist einer der am stärksten entwickelten und institutionell unterstützten Prozesse. Die frühzeitige Einbindung der Bedürfnisse und Rückmeldungen sämtlicher Anspruchsgruppen hat es ermöglicht, dass das Kinderspital ein leistungsfähiges und optimal an die Pflegeteams angepasstes Arbeitsinstrument wurde.
Dazu wurden verschiedene Arbeitsgruppen geführt, in denen Auftragnehmende und spezifische Fachvertretungen zusammenkamen. Dazu gehörten insbesondere:
• Vertretungen der medizinischen Fachbereiche
• Vertretungen von Diensten wie Psychiatrie oder Radiologie
• Patient*innenvertretungen
• Vertretungen aus Logistik, technischen Werkstätten, Reinigung/Unterhalt, Patient*innentransport, Sicherheit und so weiter
Die in diesen Arbeitsgruppen formulierten Bedürfnisse wurden in Plänen, Detailheften und «6-Seiten-Ansichten» festgehalten. Weitere Dokumente wie das Design Book dienten der Validierung von Materialien, Farben und Atmosphären entsprechend den Themen und den Anforderungen der verschiedenen Dienste.
Das Projekt von Ferrari Architectes Lausanne wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.