Bluefactory – Gebäude B

 
1007 Fribourg,
Schweiz

Veröffentlicht am 07. April 2026
Ferrari Architectes Lausanne SA
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Passage du Cardinal 1, 1007 Fribourg, Schweiz
Fertigstellung
08.2024
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
3 bis 5
Anzahl Kellergeschosse
1
Grundstücksfläche
52'922 m²
Geschossfläche
8428 m²
Nutzfläche
5900 m²
Gebäudevolumen
33'569 m³
Gebäudekosten (BKP 2)
25,0 Mio. CHF
Anzahl Arbeitsplätze
350

Beschreibung

Die Standortwahl von bluefactory auf dem aufgegebenen Gelände der ehemaligen Cardinal-Brauerei verleiht einem für die Stadt Freiburg bedeutenden historischen Ort neues Leben. Das Quartier erhält damit eine innovative, gemischte Identität, die sich im Neubau des Gebäudes B widerspiegelt. Es gewinnt seine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und des Kantons zurück. Durch die Bezugnahme auf den bestehenden Schornstein und das Silo wertet das Projekt das industrielle Erbe auf und stärkt zugleich die Bedeutung des öffentlichen Raums.

Das Erdgeschoss des Gebäudes B schliesst direkt an das bestehende Gebäude A an. Diese Annäherung um den Kern des Bestandsgebäudes ermöglicht eine effiziente Vernetzung der Erschliessungen. Rund um den öffentlichen Raum befinden sich Haupteingänge, Restaurant und Aktivitäten. Auf der Seite der ehemaligen Gleise nutzen die Konferenzräume und Prototypenwerkstätten im Erdgeschoss die Geländedifferenz und profitieren dadurch von grosszügigeren Raumhöhen. In den Obergeschossen befinden sich Büros und leichte Labors. Um eine grössere Unabhängigkeit in der natürlichen Belichtung zu erreichen, löst sich die Nordfassade in den Obergeschossen vom Bestandsgebäude. Das gesamte Raumprogramm profitiert somit von Tageslicht aus erster Hand. Die Erschliessungen bieten durch den Patio vielfältige Blickbezüge auf den Schornstein, das Silo, die Gleisanlagen und das zukünftige Gebäude des Smart Living Lab, was das Zugehörigkeitsgefühl zum Ort stärkt.

Das tragende Holzbausystem spannt von Fassade zu Fassade und befreit die Mietflächen von tragenden Elementen. In den Obergeschossen rationalisiert ein 165 Zentimeter-Raster die Spannweiten und gewährleistet eine hohe Nutzungs- und Partitionierungsflexibilität. Im Erdgeschoss wird das Raster weiter, um den öffentlichen Bereichen mehr Transparenz zu verleihen. Vier technische Kerne sowie die tragenden Wände der beiden Treppenhäuser übernehmen die Aussteifung; die Rahmen der Aussen- und Innenfassaden (Patios) sind zur Aufnahme der Vertikallasten eingeklemmt. Innere Träger mit einer Holz-Beton-Verbunddecke minimieren die statische Geschosshöhe. Diese Bauweise ermöglicht einen hohen Vorfertigungsgrad und garantiert gleichzeitig grosse räumliche Modularität. Die Besonderheit des Projekts liegt in der Verwendung von Holz für die Treppenhaus- und Liftkernwände sowie für die aussteifenden Wände – Elemente, die üblicherweise in Stahlbeton ausgeführt werden. Für seine ausschliessliche Nutzung von rund 2000 Kubikmetern lokalem Freiburger Holz in Tragwerk und Fassaden wurde das Gebäude mit dem Label Bois Suisse ausgezeichnet.

Die neuen Aussenräume fördern die Biodiversität und verbessern den thermischen Komfort deutlich. Das mit Minergie-P-Eco zertifizierte Projekt stützt sich zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien und integriert bedeutende Innovationen: lokale Wassermanagementsysteme (Schwammstadt), Regenwasserrückgewinnung und Trenntoiletten. bluefactory verkörpert eine nachhaltige und inklusive Vision, in der Unternehmen, Forschung und Kultur miteinander verwoben sind. Ein urbaner Teich, durchlässige Grünflächen und begrünte Dächer reduzieren Hitzeinseln und schaffen ein angenehmes Lebensumfeld, das mit der Entwicklung des Innovationsquartiers im Einklang steht. Die sorgfältig gestalteten Aussenräume mildern zudem den eklektischen Mix von Gebäuden mit unterschiedlichen Funktionen und Ausdrucksformen.

Das verbrannte Holz bildet einen starken Kontrast zur denkmalgeschützten Fassade des Gebäudes A und hebt diese dadurch hervor. Das zeitstabile Material ist vollständig wartungsfrei. Die Erscheinung des verkohlten Holzes betont die kraftvollen Horizontalen der Fassade. Seine Struktur, Verarbeitung und Farbnuancen verleihen der industriell geprägten Fassade eine lebhafte Textur, wodurch das Gebäude weniger massiv wirkt und zugleich haptischer erscheint. Die städtebauliche Integration, die identitäre Vielfalt, die breite Palette an Nutzungen und die Originalität der Infrastrukturen machen bluefactory zu einem lebendigen Innovationsort. Das Quartier beherbergt innovative Unternehmen, akademische Institutionen, Handwerksbetriebe, Restaurants, Gemeinschaftsgärten und kulturelle Akteure – ein vielfältiges und inklusives Gefüge. Als erstes dauerhaftes Gebäude des Areals verkörpert Gebäude B all diese Werte und verankert die bluefactory nachhaltig im Freiburger Stadtbild.

Besonderheiten
Das Projekt integriert bedeutende Innovationen im Wassermanagement: das Schwammstadt-Konzept (lokale Rückgewinnung und Behandlung von Regen-, Grau- und Schwarzwasser mittels Pflanzenkläranlagen, Wurmkompostierung usw.). Trenntoiletten, die Nutzung von Regenwasser für Sanitäranlagen sowie die Bewässerung der Aussenanlagen verdeutlichen den ökologischen Anspruch des Projekts. Einer der Hauptaspekte des Projekts war die Führung und Integration der Haustechnik in die Holzstruktur. Dies erforderte eine anspruchsvolle technische Koordination, die durch gemeinsam genutzte digitale Modelle ermöglicht wurde. Zudem erlaubt die regelmässige Rasterstruktur des Holzes eine hohe Flexibilität und Modularität der Räume. Das Projekt wurde mit Freiburger Holz realisiert, das mit dem Label «Bois Suisse» zertifiziert ist (2000 Kubikmeter).

Das Projekt von Ferrari Architectes Lausanne wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.

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