La Nave
9470 Buchs,
Schweiz
Veröffentlicht am 24. Februar 2026
Carlos Martinez Architekten AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Die kleine, zukunftsgerichtete Bildungsinstitution am Stadtrand von Buchs ist so konzipiert, dass sie den umgebenden Naturraum – den Horizont, die Berge und die Offenheit der Landschaft – räumlich und pädagogisch aufnimmt. Diese landschaftliche Weite spiegelt sich im Inneren in einer fein abgestimmten Abfolge von ineinandergreifenden Lernlandschaften wider, die den Schülerinnen und Schülern altersgerechte, zugleich aber offene Bildungsräume ermöglichen.
Die Organisation des Gebäudes folgt einem klaren pädagogischen Konzept: Die jüngste Lerngruppe befindet sich im untersten Geschoss, die höheren Stufen sind jeweils darüber angeordnet. Damit durchlaufen die Kinder und Jugendlichen während ihrer Ausbildung das Gebäude symbolisch von unten nach oben. Dieser vertikale Bildungsweg wird durch die zentral gelegene Sitztreppe räumlich ablesbar gemacht. Sie verbindet alle Geschosse, schafft informelle Zonen für Austausch, bietet Platz für gemeinsames Lernen und öffnet sich im obersten Geschoss zum Aussenraum. Auf dem Dach wird die Treppe zu einem Freiluft-Schulzimmer, das mit Lernlandschaften bespielbar ist und den Blick in die Umgebung ermöglicht. Die Sitztreppe bildet damit nicht nur ein verkehrstechnisches Element, sondern das zentrale räumliche Rückgrat der Schule. Sie strukturiert das Gebäude, verknüpft die Geschosse, schafft Aufenthaltsqualität und wird zu einem identitätsstiftenden Ort. Ergänzt wird sie durch eine spielerische Rutschbahn, welche die oberen Geschosse verbindet. Dieses Element fördert die Freude an Bewegung, unterstützt einen intuitiven Umgang mit Raum und stärkt die kindgerechte Atmosphäre.
Im Erdgeschoss befindet sich die Aula als grosszügiger Begegnungs- und Veranstaltungsort. Direkt angrenzend ergänzt die Schulküche das Raumprogramm und ermöglicht gemeinsame Aktivitäten sowie das Einbinden von Alltagspraxis in den Schulbetrieb. Über das Gebäude verteilt sind zahlreiche Rückzugsnischen und Lernbereiche angeordnet, die individuelle Lernformen unterstützen und einen abwechslungsreichen Tagesablauf ermöglichen. Im Untergeschoss liegt das sogenannte «Brütwerk» – eine vielseitige Tüftelwerkstatt. Sie dient als Raum für den Werkunterricht, steht den Schülerinnen und Schülern jedoch auch unabhängig vom Unterricht zur Verfügung. Das Brütwerk unterstützt projektorientiertes Arbeiten, fördert Kreativität und erlaubt den Kindern und Jugendlichen, eigene Ideen weiterzuentwickeln und handwerklich umzusetzen.
Die Materialität des Gebäudes ist eng mit dem pädagogischen Ansatz verknüpft. Die Fassade aus unterschiedlich grossen Holzschindeln erzählt von der Vielfalt und Einzigartigkeit jedes Kindes. Die freien Fensterformen unterstützen dieses Konzept und setzen individuelle Akzente, ohne die Gesamtform aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das Gebäude kommuniziert damit nach aussen dieselben Werte, die es im Innern lebt: Individualität, Offenheit, Entwicklung und eine Lernkultur, die auf Entfaltung und Persönlichkeit setzt.
Das Projekt zeigt, wie Architektur und Pädagogik ineinandergreifen können. Die Verbindung von klaren räumlichen Strukturen, spielerischen Elementen, offenen Lernlandschaften und sorgfältig gewählten Materialien schafft einen Ort, der die Lernenden begleitet, fördert und inspiriert. Das Gebäude wird damit nicht nur zur Hülle für Bildung, sondern selbst zum pädagogischen Werkzeug und zum aktiven Bestandteil des schulischen Lebens.
Die Besonderheit unserer Detaillösung liegt in der räumlichen Verzahnung der Lernlandschaften und der gestalterisch-pädagogischen Haltung, die sich im gesamten Gebäude widerspiegelt. Die zentral angelegte Sitztreppe bildet das räumliche und funktionale Rückgrat: Sie verbindet alle Schulstufen, schafft Orte für Begegnung, Austausch und selbstständiges Lernen und führt bis auf das Dach, wo sie als Freiluft-Schulzimmer weitergeführt wird. Ergänzt wird sie durch spielerische Elemente wie die Rutschbahn, welche die Bewegung der Schülerinnen und Schüler zwischen den Geschossen intuitiv unterstützt. Die Materialität der Fassade – unterschiedlich grosse Holzschindeln und freie Fensterformen – übersetzt das pädagogische Konzept in eine subtile architektonische Symbolik: Jedes Kind ist einzigartig, und diese Vielfalt findet Ausdruck in den Details des Gebäudes. So entsteht ein Lernort, der Architektur, Bewegung und Bildung in einer kohärenten Detaillösung vereint.
Das Projekt von Carlos Martinez Architekten wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.