Umbau und Sanierung Kulturzentrum Marabu

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4460 Gelterkinden,
Schweiz

Veröffentlicht am 01. April 2026
Lehner + Tomaselli AG Architekten HTL/STV
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

Marabu Eingang mit Originalbeschriftung von 1956 Marabu neues Foyer mit Bar Marabu Treppenaufgang Marabu sanft renoviert – Saal mit Balkon Marabu Saal mit Bühne Marabu Künstlergarderobe im Gewölbekeller

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Schulgasse 5a, 4460 Gelterkinden, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
03.2023
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
3 bis 5
Anzahl Kellergeschosse
1
Gebäudekosten (BKP 2)
3,2 Mio. CHF

Beschreibung

Im August 2015 wurde im Rahmen eines Studienauftrags die Vision für ein Kulturzentrum Oberbaselbiet entwickelt. Die Studie sollte eine grundsätzliche Idee für die anstehenden Sanierungen und die Raumnutzungen enthalten. Im Vordergrund stand, einen möglichst optimalen Betrieb für das Kulturlokal zu gewährleisten. Der Verein Marabu wählte anschliessend das im Oktober 2015 eingereichte Konzept von lehnertomaselliarchitekten zur Weiterbearbeitung und Realisierung aus. Das Vorderhaus wurde 1822 ursprünglich als Schule gebaut. Ende der 1950er-Jahre wurde das Kino auf dem ehemaligen Schulhof im Hinterhof erstellt. Die unverwechselbare Kinoarchitektur sorgt für den Charme und macht das Kulturzentrum so beliebt. Der Erhalt eines der letzten Zeitzeugen mit dem besonderen Charme war aus denkmalpflegerischer Sicht wichtig. Das Gebäude ist kommunal schützenswert und war praktisch unverändert im originalen Zustand erhalten. Alle Eingriffe erfolgten unter maximaler Rücksichtnahme und mit dem Ziel, die Architektur der 1950er-Jahre zu erhalten.

Mit dem neu geschaffenen Foyer an der Schulgasse wird das im Hinterhof versteckt liegende Kinogebäude neu von der Schulgasse erlebbar. Das Marabu gewinnt damit an Präsenz im Dorfkern, und die Wahrnehmung sowie die Wichtigkeit in der Region werden gestärkt. Beim Umbau des Marabus mussten einige besondere Herausforderungen gelöst werden. Der bestehende, von aussen erschlossene Gewölbekeller wurde funktional in das neue Raumkonzept integriert. So wurde aus dem ehemaligen Tankraum der Ölheizung die fehlende Künstler*innengarderobe. Ebenfalls konnten betriebliche Abläufe durch die Schaffung von neuen Lagern und Technikzonen optimiert werden. Die Schnittstellen zwischen den Bauten aus verschiedenen Epochen und die Anforderungen an den neuesten Stand der Bautechnik waren eine anspruchsvolle Aufgabe. Durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem vorherrschenden Farb- und Materialkonzept und dessen Weiterentwicklung auf das neue Raumkonzept konnte die Identität des geschichtsträchtigen Ortes erhalten bleiben.

Die nicht mehr tragfähige Dachkonstruktion über dem Kinosaal musste ersetzt werden – bei gleichzeitigem Erhalt der schützenswerten Gipsdecke im Innern. Unter der Bewahrung der schützenswerten Bausubstanz wurden sämtliche haustechnischen Installationen sowie die komplette energetische Sanierung vollzogen. Brandschutz- und akustische Massnahmen wurden subtil in die Architektur integriert. Fluchtwege durch den Innenhof konnten unter Berücksichtigung der nachbarschaftlichen Verhältnisse sichergestellt werden. Die Anforderungen der energetischen Sanierung hatten Einfluss auf den Bauablauf. So wurde die Dämmung der Aussenwände aufgrund der ungewissen Kostensituation erst im Verlauf der Ausführung definitiv entschieden. Die Erweiterung des Foyers im Vorderhaus erforderte einen unerwarteten, komplexen Eingriff in das Tragwerk des bestehenden Hauses. So musste eine Bruchsteinwand aufwendig unterfangen und eine Decke statisch ertüchtigt werden. Trotz der Lage im Dorfkern konnte in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege erreicht werden, dass Photovoltaikmodule auf den nicht sichtbaren Dachflächen installiert werden konnten.

Der ursprüngliche Entwurf konnte kontinuierlich weiterentwickelt werden, je besser wir das Gebäude kennen und verstehen gelernt haben. Auch die Anforderungen des Vereins als Nutzer*innen haben sich immer weiterentwickelt, wobei das Ziel, die langfristige Nutzbarkeit des Marabus sicherzustellen, von Anfang an verfolgt wurde. Mit der Gründung der Stiftung im Jahr 2020 wurde die Vertretung der Bauherrschaft professioneller, aber auch komplexer. Es galt nun, die Wünsche und Erwartungen verschiedener Interessengruppen zu berücksichtigen. Während des gesamten Entwurfs- und Bauprozesses war der Umgang mit den limitierten finanziellen Ressourcen eine sehr grosse Herausforderung.

Was ist das Besondere an der Bauaufgabe?
Das Marabu hat einen besonderen Charme. Der Bau ist einer der letzten geschichtsträchtigen Zeitzeugen im Ortskern der Gemeinde Gelterkinden. Aus denkmalpflegerischer Sicht war sein Erhalt sehr wichtig. Das Gebäude ist als kommunal schützenswert eingestuft und war bei Projektbeginn praktisch unverändert im Originalzustand erhalten. Die Anlage besteht aus dem 1822 errichteten Vorderhaus an der Schulgasse, in dem sich früher eine Schule befand, und dem Kino, das in den 1950er-Jahren im Schulhof gebaut worden war.

Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?
Unser Ziel war es, die Architektur der 1950er-Jahre zu erhalten. Alle Eingriffe sind darum maximal rücksichtsvoll erfolgt.

Welche Rolle hatten Standort und Bestand auf den Entwurf?
Wie bereits angetönt, ist das Kinogebäude im Hinterhof versteckt und von der Schulgasse aus nicht zu sehen. Dank des neuen Foyers im Vorderhaus tritt es nun jedoch an der Strasse in Erscheinung. Das Marabu gewinnt so an Präsenz im Dorfkern von Gelterkinden. Wahrnehmung und Bedeutsamkeit des Kinos im Ort und in der ganzen Region wurden durch den Umbau gestärkt.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen das Projekt beeinflusst?
In der Anfangsphase des Projekts, also zwischen 2015 und 2020, war der Verein Marabu unser Auftraggeber. Ab 2020 übernahm die Stiftung Marabu – Kulturzentrum für das Oberbaselbiet diese Aufgabe. Wir lernten das Gebäude immer besser kennen und verstehen. Unseren ursprünglichen Entwurf entwickelten wir kontinuierlich weiter. Auch die Anforderungen des Vereins als Nutzer*innen haben sich im Laufe des Projekts verändert, wobei das Ziel, die langfristige Nutzbarkeit des Marabus sicherzustellen, von Anfang an verfolgt wurde. Mit der Gründung der Stiftung im Jahr 2020 wurde die Vertretung der Bauherrschaft professioneller, aber auch komplexer. Es galt nun, die Wünsche und Erwartungen verschiedener Interessengruppen zu berücksichtigen. Während des gesamten Entwurfs- und Bauprozesses war der Umgang mit den limitierten finanziellen Ressourcen eine sehr grosse Herausforderung.

Das Projekt von Lehner + Tomaselli Architekten wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert. 

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