Wohngebäude mit Genossenschafts-, Sozial- und Eigentumswohnungen
1219 Genève,
Schweiz
Veröffentlicht am 16. April 2026
Liengme Mechkat Architectes Sàrl
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Das Wohnhaus besteht aus zwei Abschnitten mit unterschiedlichen, aber eng miteinander verzahnten Wohnformen. In einem Teil befinden sich Genossenschaftswohnungen der Codha, im anderen 12 gemeinnützige Eigentumswohnungen (PSBL) für Genossenschaftsmitglieder sowie die von der CPSA vermarkteten Stockwerkeigentumswohnungen (PPE). Bei den Eigentumswohnungen wurde die Wertsteigerung beim Wiederverkauf eingeschränkt, wodurch eine spekulationsfreie Nutzung langfristig gesichert wird.
Das Projekt setzt bewusst auf soziale Durchmischung und vielfältige Lebensformen. Unterschiedliche Wohnungstypen – inklusive Clusterwohnungen – bieten Raum für verschiedene Haushaltsformen. Die beiden Wohnbereiche sind im Erdgeschoss miteinander verbunden, wodurch Austausch und Begegnung zwischen Genossenschafts- und Eigentumswohnungen gefördert werden. Dort befinden sich gemeinschaftlich genutzte Räume wie eine Waschküche, zwei Fahrradabstellräume sowie drei Wohnungen. Die weit geöffneten Erdgeschosse wirken einladend und stärken die Verbindung zum Quartier.
Auch auf den oberen Geschossen wird das gemeinschaftliche Wohnen weitergeführt: Jeder Flügel verfügt im 1. Stock über zusätzliche Gemeinschaftsbereiche. Auf dem Dach ergänzt eine Terrasse mit Gemüsegärten das Angebot und schafft Orte für Begegnung, Erholung und gemeinsames Gärtnern.
Die Grundrisse sind fliessend organisiert und schaffen durch vielfältige Ausblicke ein Gefühl von Grosszügigkeit. Balkone erweitern die Wohnräume und sind teilweise als verbindende Elemente zwischen Räumen konzipiert, wodurch sie zusätzliche nutzbare Wohnflächen entstehen lassen. Ein zentrales Element sind die flexibel nutzbaren Schaltzimmer auf jeder Etage: Sie können je nach Bedarf einer angrenzenden Wohnung zugeschaltet oder als eigenständige, direkt vom Treppenhaus erschlossene Räume genutzt werden. Dadurch entstehen vielfältige Nutzungsmöglichkeiten – etwa für Pflegepersonen, Jugendliche, Au-pairs oder als Ateliers.
Beim Entwurf wurde grosser Wert auf Flexibilität, langfristige Nutzbarkeit und soziale Nachhaltigkeit statt kurzfristiger Rendite gelegt. Ergänzt wird dies durch eine bewusste Förderung sanfter Mobilität: Die Anzahl der Parkplätze wurde zugunsten von Fahrgemeinschaften und Veloverkehr reduziert.
Die Bauweise folgt einem konsequent nachhaltigen Ansatz. Holzrahmenfassaden und eine Verkleidung aus Tannenholz setzen auf nachwachsende Rohstoffe und prägen die warme, genossenschaftliche Identität des Gebäudes. Im Innenraum kommen lokale Lehmziegel zum Einsatz, die zur Wärmespeicherung und zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit beitragen. Punktuell werden zudem Dachziegel aus abgebrochenen Gebäuden wiederverwendet. Das Projekt erfüllt den Standard Minergie-P-ECO und kombiniert energieeffiziente Bauweise mit gesunden Materialien, erneuerbaren Energien und einem Lowtech-Ansatz.
Die Materialität und Farbgestaltung sind Ausdruck eines partizipativen Prozesses mit den Bewohner*innen: Feine rosafarbene Geländer, farbige Treppenabsätze und sorgfältig ausgearbeitete Details schaffen eine wohnliche, poetische Atmosphäre im Zusammenspiel mit rohen Materialien. Auch die Aussenanlagen tragen wesentlich zur Qualität des Gesamtkonzepts bei, indem sie Übergänge zwischen öffentlichen und privaten Räumen vermitteln und das Gebäude im Quartier verankern. Der Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss verfügt zudem über eine vollständig behindertengerechte Toilette, die allen Bewohner*innen und ihren Gästen zur Verfügung steht.
Das Projekt wurde von Liengme Mechkat Architectes für den Swiss Arc Award 2026 eingereicht. Der Text wurde von Jørg Himmelreich ins Deutsche übersetzt und redigiert.