Bar Varathans25

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6210 Sursee,
Schweiz

Veröffentlicht am 21. April 2026
beck konzept ag
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

Restaurant Detail Detail Zigarrenlounge Bar Zigarrenlounge Bar Sääli Mond WC

Projektdaten

Basisdaten

Projektkategorie
Gebäudeart
Fertigstellung
09.2025

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
3 bis 5
Nutzfläche
800 m²

Beschreibung

Ausgangslage
Das Projekt im 5. Obergeschoss markiert eine radikale typologische Transformation während der laufenden Umsetzung. Ursprünglich als klassische Mietwohnungen in einem Gewerbebau geplant, wurde das Konzept zugunsten einer anspruchsvollen Erlebnisgastronomie verworfen. Diese späte Umnutzung erforderte eine hochgradig adaptive Planung: Komplexe Haustechnik und statische Vorgaben mussten in ein kohärentes Konzept integriert werden, ohne den Bauprozess ins Stocken zu bringen. Es galt, die starren Strukturen des Bestands aufzubrechen und die technischen Notwendigkeiten unsichtbar in ein exklusives Raumerlebnis zu verwandeln.

Räumliche Dramaturgie und Zonierung
Die architektonische Antwort auf die restriktiven Vorgaben ist eine klare Zonierung, die trotz hoher Kapazität Grosszügigkeit und Intimität zugleich vermittelt. Das Herzstück bildet eine acht Meter lange, monolithische Bar – ein identitätsstiftendes Rückgrat, das das Dinner-Setting und den Barbetrieb fliessend miteinander verbindet. Ein beidseitig einsehbarer Weinkühler fungiert als transluzente Trennung im Raum, während ein flexibel zuschaltbares Sitzungszimmer die räumliche Variabilität erhöht. So entstehen unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten, die sich je nach Tageszeit und Nutzung transformieren lassen.

Gestalterische Ausführung: Licht und Materialität
Inspiriert von der asiatischen Symbolik des Vollmonds, übersetzt die Gestaltung das Motiv der Ruhe und Erhabenheit in eine intime Atmosphäre. Ein zentrales Element ist das künstlerisch inszenierte Vollmond-Objekt, das als sanfter Lichtanker im Raum schwebt. Das Zusammenspiel aus weichen Formsprachen und traditionellen japanischen Shoji-Elementen schafft eine feine Textur und Tiefe.

Ein besonderes Augenmerk lag auf der Sinnlichkeit der Oberflächen: Die Materialität sucht den Kontrast zwischen der massiven Präsenz der Bar und der Leichtigkeit der Lichtelemente. Wie bei einem perfekt abgestimmten Gericht ist auch in der Gestaltung das Mischverhältnis entscheidend: Die Klarheit der Struktur, die Wärme des Lichts und die Präzision der handwerklichen Details verschmelzen zu einem nachhaltigen Raumerlebnis, das die Gäst*innen aus dem Alltag entführt.

Impact
Die Metamorphose zeigt, wie aus einer baulichen Herausforderung ein Ort mit starker Identität entstehen kann. Durch den bewussten Umgang mit dem Bestand und die poetische Aufladung der Räume ist mehr als nur ein Restaurant entstanden – es ist ein Rückzugsort über den Dächern der Stadt, der die archaische Kraft des Mondes mit moderner Gastlichkeit vereint. Das Projekt beweist, dass Flexibilität in der Planung und eine klare gestalterische Vision auch unter restriktiven Bedingungen zu einer stimmigen Einheit finden.

Was ist das Besondere an der Bauaufgabe?
Die grösste Herausforderung lag in der radikalen typologischen Neuausrichtung während der laufenden Realisierung. Der Wechsel von klassischen Mietwohnungen hin zu einer hochstehenden Erlebnisgastronomie erforderte ein Maximum an planerischer Agilität. Es galt, die komplexen Abläufe einer Gastronomie – inklusive einer hocheffizienten Kompaktküche für bis zu 190 Gäste – in ein bestehendes statisches Konzept zu integrieren, ohne den Baufluss zu unterbrechen.

Was war Ihre Inspiration? 
Die Gestaltung schöpft ihre Kraft aus der asiatischen Deutung der Mondphasen. Während die Mondsichel bereits das Logo von Varathans prägt, feiern wir im Raum die Energie des Vollmonds. Glitzernde Textilien, warme Lichtakzente und weiche, fliessende Formen evozieren die mystische Stimmung einer Vollmondnacht. Diese feinsinnige Mischung aus fernöstlicher Symbolik und europäischen Einflüssen bildet das Fundament – sowohl in der Gestaltung als auch in der kulinarischen Identität.

Richtungsänderungen im Projektverlauf
Der Weg zum heutigen Varathans25 war ein Prozess der stetigen Evaluation. Von Wohnungen über Apartments bis hin zur Kantine wurden verschiedene Szenarien geprüft. Letztlich gab die Verbindung aus Wirtschaftlichkeit und der einzigartigen Lage den Ausschlag für das Restaurant. Die grosszügige Terrasse mit Blick über Sursee bis in die Alpen wurde zum entscheidenden Argument für diese mutige Neuausrichtung.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des Bauwerks beigetragen?
Der Erfolg des Entwurfs liegt im Mut zu einer haptischen Vielfalt, die konsequent mit der kühlen Bestandsarchitektur bricht. Punktuelle Goldakzente und eine opulente Auswahl farbiger Stoffe bilden das Herzstück der atmosphärischen Inszenierung. Diese Textilien wirken als weiche Filter, die das Licht einfangen und das mystische Glitzern einer Vollmondnacht im Raum verteilen. Durch die bewusste Entscheidung für kräftige Farben und schimmernde Oberflächen entsteht eine textile Tiefe, die dem Raum seine intime Geborgenheit verleiht. Erst diese mutige Materialdichte transformiert die nüchterne Gewerbefläche in eine sinnliche, asiatisch geprägte Erlebniswelt.

Das Projekt von beck konzept wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.

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