Hauptsitz von Lombard Odier
1293 Bellevue,
Schweiz
Veröffentlicht am 15. April 2026
Herzog & de Meuron Basel Ltd.
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Der neue Hauptsitz «One Roof» von Lombard Odier am Ufer des Genfersees in Bellevue bietet Platz für maximal 2600 Personen und vereint 2100 Mitarbeiter*innen, die zuvor auf fünf Standorte in Genf verteilt waren. Das Gebäude legt den Schwerpunkt auf Transparenz und Flexibilität, geleitet von zwei Prinzipien: die Wahrnehmung der natürlichen Umgebung zu optimieren und Innenräume zu schaffen, die die Zusammenarbeit fördern.
One Roof befindet sich in Bellevue, nördlich des Genfer Stadtzentrums, und ist Teil des 2017 erstellten Plan Localisé de Quartier (PLQ) Champ-du-Château, der ein Wohnensemble, einen Park und unterirdische Parkplätze für Autos und Fahrräder umfasst. Die unmittelbare Umgebung, hauptsächlich Wohngebiet mit Grünflächen, liegt in der Nähe des Botanischen Gartens und des Quartier des Nations, wo mehrere internationale Organisationen angesiedelt sind. Der Standort ist hervorragend an den öffentlichen Nahverkehr angebunden und wird an die Voie Verte Genève-Versoix, ein sanftes Mobilitätsnetz, angeschlossen sein.
Maximierung der Wahrnehmung von Natur und Licht
Die Fassaden sind einheitlich, ohne Unterscheidung zwischen Vorder- und Rückseite. Das transparente und offene Gebäude mit seinen vollständig verglasten Fassaden maximiert die Wahrnehmung der Landschaft (le Grand Paysage) – den See, die Berge und die umliegenden Grünflächen. Ein zentrales Atrium, wie ein Canyon, umgeben von Besprechungsräumen, lässt natürliches Licht über acht Etagen bis in das Herz des Gebäudes eindringen.
Zusammenarbeit und Gemeinschaft
Die verschiedenen Arbeitsbereiche bieten sowohl Zonen, die die Konzentration fördern, als auch Räume, die der Zusammenarbeit und dem Austausch gewidmet sind. Zwei doppelhohe Räume, sogenannte Espaces Collaboratifs, und das Restaurant öffnen sich zum See und bieten allen freie Sicht für Besprechungen, Arbeit oder einfach, um die Landschaft zu geniessen. Diese offenen Räume wechseln sich mit den für Kund*innen reservierten Bereichen ab, die ebenfalls einen atemberaubenden Blick auf den See bieten.
Wie ein griechisches Amphitheater öffnet sich das von natürlichem Licht durchflutete Auditorium zum Garten. Dieser Raum bietet Platz für mehr als 500 Personen, mit Einzelsitzen vor der Bühne, während im hinteren Bereich eine informellere Anordnung von Bänken, teilweise mit Tischen ausgestattet, angeboten wird. Diese Konfiguration ermöglicht es, diesen hinteren Bereich als vielseitigen Raum für informelle Treffen oder kleine Besprechungen zu nutzen, wenn das Auditorium keine grossen Veranstaltungen beherbergt.
Ein Fitnessbereich, der Yoga-Kurse und Trainingseinheiten anbietet, steht den Mitarbeiterinnen während der Pausen, vor oder nach der Arbeit zur Verfügung. Die Mitarbeiterinnen können zwischen mehreren Verpflegungsoptionen wählen, darunter ein Bistro in der Nähe des Eingangs, ein Restaurant im ersten Stock und eine Cafeteria mit grosser Terrasse im sechsten Stock. Coffee-Points in den Espaces Collaboratifs dienen als praktische Erfrischungspunkte. Die Mahlzeiten werden in zwei Küchen von Fachleuten zubereitet, die ebenfalls den Blick auf den See geniessen – eine unerwartete Qualität für einen funktionalen Raum, der oft im Hintergrund liegt.
Ein atmendes Gebäude
Das Gebäude zeichnet sich durch seine geschwungenen Laubengänge aus, die als passiver Sonnenschutz für die verglasten Fassaden dienen und gleichzeitig überdachte und zugängliche Aussenbereiche für Kund*innen und Mitarbeiter*innen bieten. Diese Laubengänge sind teilweise gegeneinander versetzt und unterscheiden sich je nach Ausrichtung und angrenzenden Funktionen – das Gebäude atmet. Schlanke weisse Pfeiler stützen diese Laubengänge und verschmelzen mit anderen vertikalen Elementen wie Regenwasserleitungen und den Schienen der textilen Sonnenschutzvorrichtungen. Die tiefen Laubengänge reduzieren die Reflexionen auf der Verglasung und verstärken in Kombination mit dem schlanken Profil der Plattennasen das leichte Erscheinungsbild der Fassaden.
Eine innere Topografie
Im Inneren verwandeln sich die Platten in Rampen oder Treppen, die fliessende Übergänge zwischen den Ebenen ermöglichen. Diese innere Topografie ist besonders im und um das grosse Auditorium sichtbar, wo die geschwungenen Ränge sich zum Garten im Freien erstrecken und so zu einem Freilufttheater werden. In bestimmten Bereichen sind die Decken ausgeschnitten, um mehrstöckige Räume zu schaffen, wie am Haupteingang im Norden oder in den Kollaborationsräumen mit Blick auf den See. Diese Unregelmässigkeiten sind so gestaltet, dass sie an in der Natur gefundene Elemente erinnern.
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen steht im Mittelpunkt der Gestaltung von One Roof. Auf der Umweltseite umfassen die Schlüsselelemente die Verwendung lokaler Materialien, recycelten Betons für die Fundamente, die Rückgewinnung von Regenwasser für Sanitäranlagen und Bewässerung sowie mehr als 700 Quadratmeter Solarpaneele auf dem Dach. Die tiefen Laubengänge schützen die Verglasung effektiv vor direkter Sonneneinstrahlung und reduzieren so den Bedarf an Klimaanlagen, während das GeniLac-System das Wasser des Genfersees für Heizung und Kühlung nutzt. Die Nähe zum Bahnhof, eine umfassende Infrastruktur für Radfahrerinnen und ein grosszügiges Angebot an Ladestationen für Elektrofahrzeuge sind integraler Bestandteil des nachhaltigen Mobilitätskonzepts. Die wirtschaftliche Nachhaltigkeit basiert auf einem flexiblen Design, bei dem das regelmässige Raster der Struktur und die Lage der vertikalen Erschliessungen Innenumbauten ermöglichen, wenn sich das Unternehmen weiterentwickelt oder um mehrere Mieter aufzunehmen. Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit zeigt sich in der grossen Aufmerksamkeit für das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen. Eine Fülle von natürlichem Licht auf allen Etagen und Panoramablicke auf allen Seiten schaffen einen idealen Arbeitsrahmen, und verschiedene Möglichkeiten des Austauschs und der Interaktion fördern die Zusammenarbeit. Das Fitnesscenter und die Nähe zum See fördern sportliche Aktivitäten, die in Kombination mit den vielfältigen gastronomischen Angeboten und dem Garten die soziale Dimension des neuen Hauptsitzes bereichern.
Durch die Zusammenführung aller Genfer Aktivitäten von Lombard Odier optimiert «One Roof» den CO₂-Fussabdruck des Unternehmens und stärkt seine Identität und Kohäsion. Das Projekt ist BREEAM «Outstanding», Minergie-P und THPE (Très Haute Performance Énergétique) zertifiziert und strebt die SNBS-«Platin»-Zertifizierung an.
Zitate
«Der neue Hauptsitz von Lombard Odier zeichnet sich durch seine ungewöhnlichen Dimensionen und sein originelles Design aus. Von aussen erinnert das Gebäude mit seinen unregelmässig geformten horizontalen Platten an ein 'Mille-Feuilles'; das Ganze scheint inmitten eines Waldes aus weissen Pfeilern zu schweben. Von innen bieten die verglasten Fassaden Ausblicke auf den See, manchmal bis zum Mont Blanc. Diese Architektur öffnet sich nach aussen – zur Landschaft, zur Gemeinschaft, zu den Kundinnen – aber auch nach innen, indem sie alle Mitarbeiterinnen unter einem Dach vereint.» Jacques Herzog
«Als unser erstes Projekt in der Westschweiz hat One Roof eine besondere Bedeutung für Herzog & de Meuron und für mich persönlich. Wir haben diesen neuen Hauptsitz entworfen, um alle Mitarbeiter*innen, die zuvor auf verschiedene Standorte verteilt waren, hauptsächlich im Stadtzentrum, zusammenzuführen und sie von einem historischen städtischen Kontext zu einem fast unberührten Standort am Ufer des Genfersees zu bringen. Durch seine elegante Präsenz verankert der neue Hauptsitz von Lombard Odier die Bank in der Genfer Region und behält gleichzeitig eine starke Verbindung zum Stadtzentrum durch hervorragende Anbindungen an den öffentlichen Nahverkehr.» Pierre de Meuron
«Im Inneren von One Roof entfaltet sich eine Abfolge von vielfältigen Räumen. Die Mitarbeiter*innen von Lombard Odier entscheiden selbst, wo und wie sie arbeiten möchten. Dieses grosse Gebäude erleichtert sowohl die Konzentration als auch die Interaktion, sei es in den Besprechungsräumen, in den Kollaborationsräumen mit herrlichem Blick auf den See, in einem der Restaurants oder sogar im Auditorium, wo informelle Arbeitsbereiche auf den Garten blicken. Ein Fitnesscenter ergänzt das Angebot, und natürlich ist die Nähe zum See ein weiterer Vorteil für Pausen. Auch die eleganten Kundenbereiche, die diskret integriert sind, profitieren von der Aussicht auf den See.» Christine Binswanger
Das Projekt von Herzog & de Meuron Basel wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.