Mittendrin in Alt-Sülz

 
50937 Köln,
Deutschland

Veröffentlicht am 11. März 2026
Duplex Architekten AG

Das Projekt fügt sich sensibel in das Viertel ein. Die Häuser differieren durch Erkersetzung und Farbgebung und werden durch Elemente wie die dreiteilten Fassaden und die Dachhaut zusammengebunden. Die Eckbebauung formt einen Theaterraum mit Blick in die Tiefe des innerstädtischen Blocks. Zugänge aus den Treppenhäusern aktivieren den Hofraum und lassen ihn zum Teil des städtischen Lebens werden. Unsere Bewegungsräume sind Orte der Begegnung. Den Treppenräumen Platz zu geben, sie bewusst zu gestalten, macht sie zu Orten der Identifikation und fördern eine funktionierende Hausgemeinschaft. Wohnungsvielfalt – So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich sollten auch die Wohnungstypologien sein in denen wir leben. Polygonale Erker eröffnen neue Blickbeziehungen in denStraßenraum. Den Eingangsbereichen und Treppenhäusern wurde bewusst Raum gelassen und ihre Gestaltung steht im Spannungsfeld zwischen der Rauheit des ruppig verarbeiteten Betons, kombiniert mit einer silbrigen Lasur und feinen Geländerdetails. Der bewusste, ressourcenschonende Einsatz, sowie die Ehrlichkeit von Materialien hat uns das gesamte Projekt über begleitet. Große Balkone geben den Familienwohnungen ein vollwertiges Außenzimmer, indem der direkte Bezug zwischen Innen und Außen gelebt werden kann und das städtische Wohnen eine zusätzliche Qualität erhält. Spezielle Typen, die Antwort die seine Bewohner aktiv einbezieht und aufgefordert neu zu wohnen. Durch ein anderes Angebot an Wohntypologien und Wohnungszuschnitten. Die Gestaltung nimmt mit feinen Details Bezug zu den 50er auf.

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Marsiliusstraße 54, 50937 Köln, Deutschland
Projektkategorie
Fertigstellung
08.2023
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
3 bis 5
Anzahl Kellergeschosse
1
Anzahl Wohnungen
55
Grundstücksfläche
2918 m²
Geschossfläche
9008 m²
Nutzfläche
5029 m²
Parkplätze
38

Beschreibung

Entwurfswerkstatt «Zukunft Wohnen»
Im Jahr 2015 vereinbarten die Kölner Wohnungsgenossen- und -gesellschaften als grosse Bestandshalter, auf Anregung des damaligen Baudezernenten F.J. Höing die Entwurfswerk- statt «Zukunft Wohnen» ins Leben zu rufen. In diesem aussergewöhnlichen Werkstattverfahren wurden Ideen zur Weiterentwicklung der Bestandssiedlungen und zukunftsfähige Wohnkonzepte gesucht, welche geänderten Familienstrukturen sowie Wohn- und Arbeitsweisen gerecht werden können. Insgesamt wurden durch 26 Architekturbüros acht Standorte erfolgreich bearbeitet.
Auf dem Grundstück Ecke Marsilius-/Palanterstrasse stand zu dieser Zeit eine gründerzeitliche Eckbebauung von 1918, welche nach dem ersten Weltkrieg auf einer alten Tongrube errichtet worden war. Der Baugrund sackte aufgrund mangelhafter Fundation ab, wodurch die Bebauung 2017 starke Setzungsrisse aufwies und einsturzgefährdet war. Der Bauherr entschied daher dieses innerstädtische Grundstück im Zuge des Werkstattverfahrens bearbeiten zu lassen und so neue Konzepte für das Grundstück zu erhalten.

Abwechslungsreiche Nachbarschaft
Das Projekt liegt mitten im Stadtteil Köln-Sülz an der Strassenecke Marsilius-/ Palanterstrasse. Das lebendige Wohnviertel mit belebten Strassenzügen sowie ruhigeren Wohnstrassen in den Blockinnenbereichen ist geprägt durch eine sehr heterogene Bebauung mit einer Vielzahl von Erkern und Dachaufbauten, welche sich sowohl in Gründerzeitbauten als auch in Bauten der Nachkriegsmoderne und Neubauten finden. 

Einpassen
Ziel war es die neue Bebauung möglichst sensibel in das gewachsene Viertel einzupassen, obwohl es eine wesentlich höhere Dichte als die Vorgängerbebauung besitzt. Es wurden Themen gesucht, die sowohl die Häuser klar voneinander unterscheiden, als auch sie zusammenbinden. Durch die Setzung der Erker, die unterschiedliche Farbgebung der Fassaden und die Geländer werden die Häuser in ihrer Eigenständigkeit hervorgehoben. Übergreifende Gestaltungselemente wie die dreigeteilten Fassaden, die durchgängige Dachhaut mit den auffälligen Gauben und die verspringenden und je Haus farblich variierenden Sockel aus Klinkerriemchen spielen mit den Erinnerungen an die prägenden Nachkriegsarchitekturen Kölns und binden die einzelnen Häuser zusammen. 

Adäquat Verdichten
Aus einer gründerzeitlichen Eckbebauung mit einer Gebäudetiefe von unter 10 m und insgesamt rund 4000 m² BGF konnten, über tiefere Gebäudekörper und die in den Hof hineinragende Bebauung, sowie die partielle Erhöhung um ein Geschoss und den vollständigen Dachausbau 2900 m² BGF zusätzlich errichtet werden. Auf der gewonnenen Wohnfläche können statt ursprünglich 56 Bewohnern nun 142 Menschen zentral, innerstädtisch und gemeinschaftlich leben. Die Qualität der Blockrandbebauung mit grosszügigem Innenhof wurde auch nach der signifikanten Erhöhung der Wohnungsdichte um ca. 70 % Nutzfläche beibehalten.

Lebendiges Erdgeschoss
Das Projekt leistet über gewerblich nutzbare Einheiten im Erdgeschoss einen Beitrag zum städtischen Leben. Entlang der Marsiliusstrasse werden die Fassaden belebt durch Atelierwohnungen mit separaten Eingängen und grossen Wohn-/Arbeitsräumen zum Strassenraum. Die Gebäudeecke wird durch ein Café mit geplantem Waschsalon belebt, welcher der gesamten Hausgemeinschaft zur Verfügung steht, so dass die eigenen Wohnflächen effizienter nutzbar sind.

Soziale Dichte
Jedes der fünf Themenhäuser bietet Wohnungen für unterschiedliche Bedürfnisse: barrierefreie Alterswohnungen, Wohnungen, die familiäres Wohnen in unterschiedlichen Zusammensetzungen ermöglichen, und Kleinwohnungen für Paare und Singles. Das Angebot wird ergänzt durch gemeinschaftlich nutzbare Angebote: Eine Gemeinschaftsküche mit Dachterrasse bietet Weitblick über den Hof in die Hinterhöfe der Nachbarschaft. Stöckli-Wohnungen koppelbar mit Familienwohnungen ermöglichen alternative Wohnmodelle. Studios als Kleinsteinheiten für Singles und Paare finden sich im Dachgeschoss des Eckgebäudes. Zumietbare Hobbyräume ergänzen das Wohnangebot.

Begegnungsorte
Neben typischen Begegnungsorten im Aussenbereich sind vor allem die Räume des Alltäglichen – unsere Bewegungsräume im Haus – Orte der Begegnung. Diesen Räumen Platz zu geben, sie bewusst zu gestalten, macht sie zu Orten des alltäglichen Begegnens, welche zur Identifikation mit dem Wohnumfeld beitragen und eine funktionierende Hausgemeinschaft fördern. So wurde den Eingangsbereichen und Treppenhäusern bewusst Raum gelassen und Ihre Gestaltung steht im Spannungsfeld zwischen der Rauheit des ruppig verarbeiteten Betons, kombiniert mit einer silbrigen Lasur und feinen Geländerdetails.

Verweben von Innen- & Aussenraum
Die Eckbebauung formt einen Theaterraum mit freiem Blick in die Tiefe des innerstädtischen Blocks. Grosse Balkone geben den Familienwohnungen ein vollwertiges Aussenzimmer, indem der direkte Bezug zwischen Innen und Aussen gelebt werden kann und das städtische Wohnen eine zusätzliche Qualität erhält. Direkte Zugänge aus den Treppenhäusern in den grünen Innenhof, welcher bewusst ohne Privatgärten, dafür aber mit einem Gartenhaus als Treffpunkt für gemeinschaftliche Anlässe, sowie Spiel- und Aufenthaltsbereichen geplant wurde, aktivieren den Hofraum und lassen ihn so zu einem wesentlichen Teil des städtischen Lebens werden.

Nachhaltiges Bauen
Der bewusste, ressourcenschonende Einsatz, sowie die Ehrlichkeit von Materialien hat uns das gesamte Projekt über begleitet. Erbaut aus Einsteinmauerwerk, mit Holz-Alufenstern und textilem Sonnenschutz, welcher schützt ohne die Sonne als Lichtquelle zu unterbinden. Bodenbeläge aus Fliesen, Parkett und Fliessestrich. Insgesamt tiefe Gebäude in einer dichten Bauweise mit Retentionsflächen auf den Dächern und im Hof. Versickerung über eine Rigole auf dem Grundstück, Strom als Nebenprodukt der Heizwärmeerzeugung des Blockheizkraftwerks reduziert den Gesamtenergiebedarf. 

Spezielle Typen
Der Entwurf liefert eine sehr eigene, passgenau entworfene Antwort auf die Frage des «Anders» Wohnens. Es geht nicht um standardisiertes Wohnen, sondern um die Schaffung neuartiger, innovativer und bedarfsorientierter Wohntypen, die Vieles zulassen. Die eine zeitgemässe Antwort finden auf durch gesellschaftliche Entwicklungen geänderte Familienkonstellationen und anderen Formen des Zusammenlebens, die seine Bewohner aktiv einbezieht und aufgefordert neu zu wohnen. Durch ein anderes Angebot an Wohntypologien und Wohnungszuschnitten.

Wohnungsvielfalt
Wir verstehen den Auftrag unseres Büros darin, den häufig sehr rationell geprägten Wohnungsmarkt in Deutschland mit Typologien zu bereichern, die anders sind als die breite Masse. Selbst die regulären Wohntyologien sind fein abgestimmt auf die jeweiligen Lagequalitäten und bieten so eine sehr grosse Varianz. So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich sollten auch die Wohnungstypologien sein, in denen wir leben.

Das Projekt wurde von Duplex Architekten hochgeladen und von Jeannine Bürgi publiziert. 

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