Umbau eines Hauses in der Tessiner Kernzone
6715 Acquarossa,
Schweiz
Veröffentlicht am 01. April 2026
STUDIO MHA Mira Heiser Architektur
Beschreibung
Das markante Tessiner Haus bildet den Abschluss einer Zeile dreier Häuser in einer verwinkelten Kernzone im Bleniotal. Das ortsbildprägende Haus (1909) wurde von zurückgekehrten Emigranten unter Einbezug eines viergeschossigen, schmalen Lagerhauses realisiert. In den 1970er-Jahren wurde es um einen zweigeschossigen Badanbau erweitert, der die Hauptfassade verstellte. Die 2025 vollendete Transformation stellt die Baustruktur wieder her und erneuert diese wo nötig. Die Qualitäten der ursprünglichen Substanz waren noch zu erkennen, jedoch grösstenteils unter Bauschichten verborgen. Die Themen Farbe, Licht und Bewegung standen bald im Vordergrund, um das Haus von der düsteren Materialität vergangener Eingriffe zu befreien. Durch den Rückbau des Anbaus wird die Westfassade wiederhergestellt, das Treppenhaus öffnet sich erneut zum Garten und empfängt Tageslicht. Das neue räumliche Konzept für die jahrelang unbewohnte Struktur ermöglicht flexible Nutzungsformen zwischen Gäste-, Wohn- und Atelierhaus. Das in den 1970er-Jahren erneuerte Walmdach konnte aufgrund seiner mangelhaften konstruktiven Ausführung nicht erhalten werden. Die Dachgeometrie wurde neu aufgebaut, gedämmt und mit Indach-Solarmodulen versehen. Durch den Abbruch der trennenden Wand und der Integration zweier Lukarnen sowie eines Dachfensters kann der Dachraum nun als grosszügiger, gut belichteter Gemeinschafts- oder Atelierraum mit Blick in die Bergwelt genutzt werden. Die Gestaltung ist geprägt durch den Einsatz bewährter Materialien wie Holzdielen und Kalkputz, die Wiederverwendung bestehender Bauteile in neuem Kontext sowie den Einsatz neuer Elemente. Alle bestehenden Türen wurden erhalten und farblich adaptiert – ehemalige Fenstergitter wurden zu Treppengeländern transformiert. Zeitgemässe energetische und klimatechnische Massnahmen wurden subtil integriert. Die Farb- und Materialwechsel sind inspiriert von jenen des Tals.
Das Projekt wurde vom STUDIO eingereicht und von Jeannine Bürgi publiziert.