Umbau und Instandsetzung Dosenbachhaus

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5620 Bremgarten,
Schweiz

Veröffentlicht am 15. April 2026
Castor Huser Architekten AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

Fassade zur Marktgasse mit rekonstruierter Ladenfront Zugang zum halböffentlichen Gewölbekeller Sanitäranlage im Gewölbekeller Freigelegtes Fachwerk als Raumteiler zwischen Zimmer und Bad Wohnküche im 2. Obergeschoss, restauriertes Wandtäfer und Parkettboden aus verschiedenen Epochen Handdrucktapeten nach historischem Massstab 3. Obergeschoss mit Galerie, neue Holzdecke und Stahltreppe im Dialog mit der freigelegten Bruchsteinwand Sanierte Dachtragwerk mit alten und neuen Hölzern Treppenhaus mit restaurierte Bleiverglasung und Wandtäfer Wohnraum im Dachgeschoss Dachgeschoss, vielschichtige Gefüge aus altem Tragwerk, Bruchsteinwand und neuen Einbauten Galerie zur Maisonette-Wohnung im Dachgeschoss

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Marktgasse 23, 5620 Bremgarten, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
06.2024

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
3 bis 5
Anzahl Kellergeschosse
1
Anzahl Wohnungen
6
Anzahl Arbeitsplätze
2

Beschreibung

Die Liegenschaft an der Marktgasse in Bremgarten ist kein homogenes Objekt. Der Kernbau von 1520, die spätklassizistische Überformung durch die Familie Dosenbach um 1870 und die gewerblichen Eingriffe des 20. Jahrhunderts haben sich zu einem vielschichtigen Palimpsest überlagert, das es zu lesen und weiterzuschreiben galt. Nach längerem Leerstand waren Dachtragwerk und Geschossdecken durch Pilzbefall und Fäulnis erheblich geschädigt, was umfangreiche konstruktive Eingriffe notwendig machte.

Das Besondere an dieser Bauaufgabe lag in der Gleichzeitigkeit von dringendem Handlungsbedarf und ausserordentlicher historischer Substanz. Pilzbefall und Strukturschäden verlangten rasche, tiefgreifende Eingriffe, während die vorgefundene Ausstattung präzise Zurückhaltung forderte. Beides musste parallel geführt werden. Die Inspiration kam unmittelbar aus dem Bestand. Unter jüngeren Schichten kamen Oberflächen, Farbfassungen und Raumgefüge zum Vorschein, die zeigten, was das Gebäude einmal war und sein konnte. Der Befund war nicht Einschränkung, sondern Entwurfsgrundlage.

Die zentrale Frage des Entwurfs lautete, wie sich zeitgemässe Wohnbedürfnisse in ein historisches Gefüge einschreiben lassen, ohne seine prägenden Raumstrukturen zu zerstören. Das architektonische Konzept folgt dabei direkt der vorgefundenen Ordnung: Das mittig gelegene Treppenhaus erschliesst pro Geschoss zwei grosse Räume und einen kleineren Raum. In diese Struktur wurden sechs Geschoss- und Maisonettewohnungen eingeschrieben, ergänzt durch Laden und Atelier im Erdgeschoss sowie einen halböffentlichen Veranstaltungsraum im Gewölbekeller. In den grossen Wohnräumen des ersten und zweiten Obergeschosses übernimmt die Küche die Rolle des raumbildenden Elements. Sie organisiert Bad und Schlafzimmer und wahrt die historischen Raumproportionen. In den restlichen Räume gab die bestehende Struktur die Gliederung der Räume vor.

Die Befundlage bestimmte den Umfang der Restaurierungen. Stuckdecken, Parkettböden, Wandtäfer, Türen und Einbauschränke wurden demontiert, restauriert und wieder eingebaut. Besonders prägend war die Entdeckung einer grossflächigen Deckenmalerei im ersten Obergeschoss, die von Restauratoren vollständig rekonstruiert wurde. Die Handdrucktapeten wurden in Abstimmung mit der Denkmalpflege nach historischem Massstab neu ausgewählt. In der Eingangshalle, die Laden und Atelier verbindet, wurde der Windfang entfernt, da er die Stuckdecke räumlich unterbrach. Die 1950 eingebaute Ladenfront zur Marktgasse wurde zurückgebaut und im Geiste des Originalbefunds neu gefasst, ebenso wurden Fischgrätparkett und Wandtäfer im Erdgeschoss rekonstruiert.

An der äusseren Gebäudehülle umfassten die Eingriffe den Neubau von vier Lukarnen, rückseitigen Dachfenstern sowie die Ausbildung einer Loggia in der ehemaligen giebelseitigen Aufzugslukarne. Die Malereien an den Dachuntersichten konnten aufgrund alter Fotoaufnahmen komplett rekonstruiert werden. Der beschädigte Fassaden-Deckputz wurde vollständig erneuert und erhielt nach Befundlage 1900 einen neuen Farbanstrich. Die originalen Fenster wurden ertüchtigt und durch eine Aufdoppelung mit Isolierverglasung energetisch verbessert. Die jüngeren modernen Fenster wurden durch historisch passende Nachbauten ersetzt, die fehlenden Jalousienladen nach historischem Vorbild rekonstruiert und die vorhandenen repariert. Der Zwischenbau, ehemaliger Ehgraben, an der Bärengasse wurde mit einer Holzkonstruktion ergänzt, sodass die beiden nach Nordosten orientierten Wohnungen von einem kleinen Aussenbereich profitieren.

Der konsequente Umgang mit Befund, Raumstruktur und handwerklicher Ausstattung zeigt, wie sich unter den Bedingungen des Denkmalschutzes zeitgemässes Wohnen schaffen lässt, ohne die gewachsene Identität eines Ortes zu tilgen.

Das Projekt wurde von Castor Huser Architekten für den Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Jørg Himmelreich publiziert.

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