Umbau und Renovation Pfarrhaus

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5603 Staufen,
Schweiz

Veröffentlicht am 16. April 2026
Castor Huser Architekten AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

Giebelfassade Pfarrhaus Erschliessungsgang Erdgeschoss mit Natursteinplatten Mittleres Südostzimmer Erdgeschoss, grüne Täfer mit Fischgrätparkett Mittleres Südostzimmer Erdgeschoss, grüner Täfer mit Kachelofen Neue Küche im Erdgeschoss Neue Küche Obergeschoss im ehemaligen Korridor Neue Küche Obergeschoss, Gegenperspektive mit Brandschutztür Ostzimmer Obergeschoss Ostzimmer Obergeschoss Enfilade Obergeschoss, Durchblick zwischen drei Südzimmern Mittleres Südostzimmer Obergeschoss, mit Fischgrätparkett Mittleres Südostzimmer Obergeschoss mit Kachelofen Südzimmer Obergeschoss, blaue Täfer mit Riemenboden Südzimmer Obergeschoss, blaue Täfer mit Kachelofen

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Staufberg 1, 5603 Staufen, Schweiz
Projektkategorie
Gebäudeart
Fertigstellung
10.2024

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
2
Anzahl Kellergeschosse
1
Anzahl Wohnungen
2

Beschreibung

Das Pfarrhaus auf dem Staufberg ist Teil eines sakralen Ensembles, bestehend aus der evangelisch-reformierten Kirche, dem ehemaligen Beinhaus, dem Wasch- und Brunnenhaus sowie der Pfarrscheune. Die Baugruppe überragt den Staufberg und ist von der Ebene aus kilometerweit sichtbar, ein Wahrzeichen, das tief in der Landschaft und im kollektiven Gedächtnis der Region verankert ist. Errichtet im 16. Jahrhundert, blickt das Haus auf eine vielschichtige Baugeschichte. Aus der gotischen Gründungszeit sind kaum sichtbare Elemente erhalten. Architekturarchäologische Spuren wie eine Baunaht und ein zugesetztes gotisches Fenster weisen auf eine Erweiterung nach Norden im 16. oder 17. Jahrhundert hin. Den prägendsten Einschnitt brachte der Umbau von 1725: Die Stockwerke wurden von drei auf zwei reduziert, die Fassade mit regelmässigen Fensterachsen im Barockstil neu geordnet. Die hohen Räume und die Pilaster-Täfer in den Südzimmern stammen aus dieser Phase und bestimmen bis heute den Charakter des Hauses.

Vor dem Umbau diente das Gebäude als Wohnhaus für eine Pfarrfamilie, angelegt als Acht-Zimmerwohnung über beide Geschosse. In einer sich wandelnden kirchlichen Landschaft entschied sich die Bauherrschaft in Absprache mit den Denkmalbehörden für eine Aufteilung in zwei eigenständige Geschosswohnungen, eine Drei-Zimmerwohnung im Erdgeschoss und eine Fünf-Zimmerwohnung im Obergeschoss. Eine über Jahrhunderte gewachsene Struktur bringt ihre eigene Hierarchie mit: die repräsentativen Südzimmer mit Enfilade, Täfer und Kachelöfen auf der einen Seite, die nördliche Erweiterung von 1725 mit den Nebenräumen auf der anderen. Der Entwurf nimmt diese Gliederung auf und schreibt sie fort. Alle neuen Einbauten wurden im nördlichen Gebäudeteil gebündelt. Im Erdgeschoss wurde der Raum der alten Küche verkleinert, um ein Reduit mit allen Anschlüssen für eine spätere Ergänzung einzurichten. Im Obergeschoss nahm der geräumige Korridor die neue Küche auf, wodurch Platz für eine zusätzliche Nasszelle zwischen den östlichen Nebenzimmern gewonnen wurde, ohne die originale Wohntypologie wesentlich zu verändern. Die Südzimmer blieben von funktionalen Eingriffen weitgehend verschont.

Die klare Geschosstrennung und die massive Bauweise ermöglichten die Aufteilung in zwei Wohneinheiten ohne umfangreiche statische Eingriffe. Die historische Eichentreppe konnte ohne grössere Eingriffe als gemeinsames Treppenhaus weitergenutzt werden. Neue Brandschutztüren mit satinierten Glaselementen bilden die notwendigen Brandabschnitte, ohne die visuelle Kontinuität der Verteilkorridore zu unterbrechen. Hinter den Gläsern lassen sich die langgezogenen Korridore noch erahnen. Die nicht schutzwürdigen Fenster wurden durch neue Barockfenster ersetzt, gegliedert durch eine vorgelagerte Kämpferpartie mit Sprossenkreuzen. Diese Gliederung gleicht die starke Vertikalität der Öffnungen aus und fügt sich in die barocke Fassadenkomposition ein.

Was dieses Projekt von einer reinen Sanierung unterscheidet, ist der Umgang mit dem, was nicht verändert wurde. Die Entscheidung, wo nicht einzugreifen, war ebenso entwurfsprägend wie die Massnahmen selbst. Das zeigt sich am deutlichsten in den Südzimmern. Die Wandtäfer und Einbauschränke aus dem 18. Jahrhundert wurden abgelaugt und mit Leinölfarbe behandelt. Das Farbkonzept basiert auf Sondierungen, die die originalen Farbtöne schichtweise freilegten. Jedem Raum wurde eine eigene Farbkombination zugewiesen, die Enfilade der Südzimmer wird zur Abfolge kräftiger, aufeinander abgestimmter Farbtöne. Dieses Vorgehen verbindet denkmalpflegerische Methode mit einem räumlichen Erlebnis.

Bestehende Holzböden wurden behutsam ertüchtigt, minimal geschliffen und neu behandelt. Wo eine Erneuerung unumgänglich war, fiel die Wahl auf einen raumlangen Riemenboden mit Begleitfries, eine zeitgenössische Interpretation, die sich typologisch an historischen Vorbildern orientiert. Die energetische Ertüchtigung folgte demselben Prinzip. Aussendämmung schied aus Gründen des Denkmalschutzes aus. Die Fensterleibungen wurden mit Schafwolle gedämmt, einem diffusionsoffenen Material, das dem historischen Wandaufbau entspricht und keine irreversiblen Eingriffe erfordert.

Das Projekt von Castor Huser Architekten wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.

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