Umbau und Transformation Bauernhaus
5608 Stetten,
Schweiz
Veröffentlicht am 16. April 2026
Castor Huser Architekten AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Das Projekt umfasst den Umbau einer Hälfte eines Doppelbauernhauses mit mittig angegliederter Scheune in Stetten. Der älteste Gebäudeteil stammt aus dem Jahr 1681 und steht unter kommunalem Substanzschutz. Die Lage in der Dorfzone erforderte, das äussere Erscheinungsbild zum Schutz des Ortsbildes weitestgehend zu bewahren. Die umgebaute Haushälfte war seit längerem unbewohnt, verfügte über bescheidene sanitäre Einrichtungen und wurde über einen Kachelofen beheizt. Die Räume im Erd- und Obergeschoss waren ausserordentlich niedrig und entsprachen keinen zeitgemässen Wohnstandards.
Der Entwurf orientiert sich konsequent an der bestehenden Tragstruktur. Die Wohnfläche wurde um das ehemalige Tenn erweitert, die Verbindung erfolgte über gezielte Wanddurchbrüche durch den zentralen Mittelgang. Lediglich einzelne Riegelfelder und Füllungen wurden entfernt. Das bauzeitliche Holzriegelwerk blieb unverändert erhalten. Das Tenn wurde als Lichtfänger konzipiert: Grosse Glasfronten und partiell eingesetzte Glasziegelbänder im weit auskragenden Vordach schaffen eine hellere Atmosphäre und stärken den Bezug zum Aussenraum. Das Tenntor mit seiner diagonalen Bretterschalung sowie die vertikale Holzschalung im Obergeschoss blieben unangetastet. Die zentralen konstruktiven Eingriffe betrafen die Raumhöhen. Im Erdgeschoss wurden die unterschiedlichen Niveaus mittels Unterfangung der Aussenwände auf eine einheitliche Höhe abgetieft und auf das Niveau des ehemaligen Tenns ausgerichtet. Im Obergeschoss baute der Zimmermann die bestehende Balkenlage aus und setzte sie auf einer höheren Ebene wieder ein. Die gewonnene Raumhöhe ermöglichte das Einziehen einer offenen Galerie im Tenn. Die Höhenänderungen sind an den wiederverwendeten Brettertüren ablesbar: Oben und unten wurden neue Querbretter angesetzt, um die Differenz zu den grösseren Öffnungen auszugleichen. Das Detail macht die Zeitschichten des Gebäudes sichtbar, ohne sie zu verschleiern.
Da das äussere Erscheinungsbild erhalten bleiben musste, erforderten die unterschiedlichen Wandkonstruktionen aus Bruchsteinmauerwerk, Fachwerk und erdberührenden Wänden ein differenziertes Innendämmkonzept mit individuell abgestimmten Dämmsystemen. Fenster und Türen wurden mit passender Sprosseneinteilung ersetzt. Die Schutzauflagen der Dorfzone zwangen das Planungsteam, bestehende Strukturen eingehend zu studieren, Materialien sinnvoll weiterzuverwenden und den Bestand als eigentliche Grundlage des Entwurfs zu begreifen. Unter jüngeren Verkleidungen kamen profilierte Balken und historische Brettertüren zum Vorschein, die ertüchtigt und bewusst als prägende Gestaltungselemente integriert wurden, weil der Bestand nicht als Hindernis, sondern als Ausgangspunkt begriffen wurde. Das Projekt steht für den Ansatz, Gebäude aus ihrer eigenen Logik heraus weiterzuentwickeln: Der differenzierte Umgang mit Tragstruktur, Materialität und Ortsbildschutz macht deutlich, wie sich unter strengen Auflagen zeitgemässe Wohnqualität schaffen lässt, ohne den historischen Charakter zu überformen.
Die Schutzauflagen der Dorfzone zwangen das Planungsteam, bestehende Strukturen eingehend zu studieren, Materialien sinnvoll weiterzuverwenden und den Bestand als eigentliche Grundlage des Entwurfs zu begreifen. Unter jüngeren Verkleidungen kamen profilierte Balken und historische Brettertüren zum Vorschein, die ertüchtigt und bewusst als prägende Gestaltungselemente integriert wurden, weil der Bestand nicht als Hindernis, sondern als Ausgangspunkt begriffen wurde. Das Projekt steht für den Ansatz, Gebäude aus ihrer eigenen Logik heraus weiterzuentwickeln: Der differenzierte Umgang mit Tragstruktur, Materialität und Ortsbildschutz macht deutlich, wie sich unter strengen Auflagen zeitgemässe Wohnqualität schaffen lässt, ohne den historischen Charakter zu überformen.
Das Projekt von Castor Huser Architekten wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.