Wohnüberbauung Wolfacker
8280 Kreuzlingen,
Schweiz
Veröffentlicht am 04. April 2026
Bollhalder Walser Architektur AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Die grüne Wiese am südlichen Ortsrand von Kreuzlingen wurde bereits in den 1950er-Jahren zu Bauland erklärt. Ein Gestaltungsplan aus der damaligen Zeit sah unterschiedlich hohe, scheibenförmige Baukörper vor. Doch das Grundstück blieb unbebaut. Die 2024 realisierte Wohnsiedlung Wolfacker bildet eine Antithese zum früheren Entwurf: In einer niedrigen, flächigen Struktur sind 66 Mietwohnungen entstanden, die sich durch einen starken Bezug zum Aussenraum und zur grünen Umgebung auszeichnen.
Gestaffelte Baukörper reagieren auf die Umgebung
Die Staffelung der fünf Längsbauten sorgt dafür, dass sich die dichte Bebauung in die heterogene Umgebung einfügt und im Innern hohe Wohnqualitäten erzeugt. Aussen entsteht durch die Repetition des stets gleichen Moduls ein starkes Bild, das Identität schafft. Zwei Punktbauten besetzen die städtebaulichen Schlüsselstellen und bilden den Auftakt zur Siedlung. Mit zwei Typologien, die auf demselben Grundmass basieren, gelingt es, spezifisch auf die Nachbarschaft zu reagieren und gezielte Anknüpfungen an das Quartier zu schaffen.
Vielfältige Aussenräume fördern die Gemeinschaft
Ein halböffentliches Wegnetz führt durch die Siedlung zu den nordseitigen Hauseingängen und weitet sich immer wieder zu informellen Treffpunkten. Unterschiedliche Bereiche für Aufenthalt und Spiel sowie Nutzgärten regen dazu an, den Lebensraum aktiv mitzugestalten. Ein Drittel der Wohnungen liegt im Erdgeschoss und verfügt dort über private Aussenräume. Alle Mietenden haben die Möglichkeit, Nutzgärten gegen ein kleines Entgelt zu mieten. Die weiteren Freiflächen wie die Grillstelle oder die Spielbereiche werden gemeinsam genutzt.
Charakterstarke Mietwohnungen
Während die Freiräume das gemeinschaftliche Wohnen fördern, weisen die Mietwohnungen einen hohen Grad an Privatsphäre auf. Dank der abgetreppten Gebäudeformen orientieren sich die Wohnungen in alle vier Himmelsrichtungen. In den südwestlichen Gebäudeecken erweitern grosse Balkone oder Gartensitzplätze die Wohnräume nach aussen. Ein geschliffener Hartbetonboden verbindet die Küche optisch mit den privaten Aussenräumen. Über die Balkone blickt man in die Grünräume der Siedlung und in die Weite zwischen den Baukörpern hindurch. Raumhohe Öffnungen oder Übereckfenster verzahnen Innen und Aussen. Gelbe Einbaumöbel und Küchen setzen warme Akzente. In den Badezimmern nehmen salbeigrüne Wände den Raum ein und kontrastieren mit der weissen Keramik.
Rhythmische Fassadengestaltung unterstreicht Plastizität
Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen geschlossenen und offenen Fassadenflächen vermittelt Geborgenheit innerhalb der dichten Siedlungsstruktur und verhindert ungewollte Einblicke. Die Aussenwände sind mit einer vertikalen Holzschalung verkleidet und mit einer Schlammfarbe in einem matten Grünton gestrichen. Feuerverzinkte Laibungen und Deckenstirnen rahmen die Fensteröffnungen präzise und kontrastieren mit der sägerauen Holzoberfläche. Die rhythmische Gestaltung der Fassaden betont die Plastizität der Baukörper und schafft einen vertrauten Massstab.
Qualitätsvoller Wohnungsbau in der Ostschweiz
Auf private Initiative entstanden, bieten die Wohnungen und die dazugehörigen Aussenräume Qualitäten, die man eher im genossenschaftlichen Kontext oder in stärker urbanisierten Räumen erwarten würde. Insofern nimmt die Wohnsiedlung einen Vorbildcharakter ein und zeigt, dass verdichtete Bebauungsformen, die hochwertigen Wohnraum bieten und gemeinschaftliche Aktivitäten fördern, auch am geografischen Rand der Schweiz nachgefragt werden. Das Projekt fügt sich damit in eine Reihe von Wohnüberbauungen ein, mit denen Bollhalder Walser Architektur ähnliche Ziele verfolgt hat. Dazu zählen die Wohnhäuser Kindergartenweg in Niederuzwil, das Areal Oedenhof in Wittenbach oder das Areal Löwengarten in Rorschach.
Das Projekt von Bollhalder Walser Architektur wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.