Kollektives Wohnen in Grosselin – Entwurfs- und Konstruktionsstudio AR2
1227 Carouge,
Schweiz
Veröffentlicht am 08. Juli 2026
HEPIA Haute école du paysage, d'ingénierie et d'architecture de Genève
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Beschreibung
An der HEPIA (Haute école du paysage, d'ingénierie et d'architecture de Genève) entstand das Projekt im Entwurfs- und Konstruktionsstudio AR2. Die Betreuung des Studios erfolgte durch D. Challand, Y. Macherel, G. Nicollier, D. Riser, G. Brena, D. Piccolo, B. Tirone, I. Bellara und R. Niogret. Am Projekt arbeiteten die Studierenden Noémie Herrou, Thomas Bouveret, Vanesa Rexhaj und Justine Mollier.
Kollektives Wohnen in Grosselin – Carouge
Das Projekt befindet sich im zukünftigen Quartier Grosselin im südlichen Bereich des Stadtentwicklungsgebiets Praille-Acacias-Vernets (PAV) und trägt zur Umwandlung eines ehemaligen Industrieareals in ein gemischt genutztes, nachhaltiges und überwiegend dem Wohnen gewidmetes Quartier bei. Auf einer bebaubaren Fläche von rund 30 878 Quadratmetern verfolgt das Projekt eine verdichtete Bauweise mit einer Mindest-Ausnützungsziffer (IUS) von 1,4 und einer Bruttogeschossfläche von etwa 43 000 Quadratmetern.
Der Entwurf schafft eine städtebauliche Struktur, welche die neuen Zentren des Quartiers mit den Landschaftsräumen der renaturierten Drize verbindet. Die Gebäude definieren ein Netz aus Plätzen, Höfen, Gärten und Promenaden, das den Austausch zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern fördert und eine durchgängige Erschliessung für den Fuss- und Veloverkehr ermöglicht. Besonderes Augenmerk gilt der Gestaltung der Übergänge zwischen öffentlichem, gemeinschaftlichem und privatem Raum sowie der Schaffung von Aussenräumen, die auf unterschiedlichen Massstabsebenen angeeignet werden können.
Das Nutzungskonzept umfasst rund 75 Prozent Wohnnutzung und 25 Prozent gewerbliche Nutzungen. Insgesamt sind etwa 32 250 Quadratmeter für Wohnen sowie 10 750 Quadratmeter für Läden, Ateliers, Büros und quartierbezogene Einrichtungen vorgesehen. Der Wohnanteil umfasst rund 293 Wohnungen mit 3-, 4-, 5- und 6-Zimmer-Grundrissen, um den unterschiedlichen Haushaltsformen und zeitgemässen Wohnbedürfnissen gerecht zu werden.
Die Wohnungen sind nach den Prinzipien der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit konzipiert, sodass sie auf Veränderungen der Haushaltsstruktur reagieren können. Jede Wohneinheit verfügt über einen privaten Aussenraum in Form eines Balkons, einer Terrasse oder einer Loggia. Ergänzend fördert ein Netz gemeinschaftlicher Bereiche das nachbarschaftliche Zusammenleben und den generationenübergreifenden Austausch. In den Erdgeschossen befinden sich produktive Nutzungen, Handwerksbetriebe sowie quartiernahe Dienstleistungen, die das Quartier den ganzen Tag über beleben.
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Aufwertung des bestehenden Industrieerbes. Die Halle Bosson und die ehemalige Fabrik Chirat bleiben erhalten und werden für gemeinschaftliche, kulturelle oder produktive Nutzungen umgewidmet. Dadurch entstehen identitätsstiftende Orte, welche die historische Entwicklung des Standorts mit seiner zukünftigen Nutzung verbinden und neue Begegnungsräume für die Bevölkerung schaffen.
Die ökologische Strategie bildet einen zentralen Bestandteil des Projekts. Mehr als ein Drittel des Areals bleibt als versickerungsfähige und begrünte Fläche erhalten, darunter rund 10 000 Quadratmeter gewachsener Boden. Diese Flächen fördern die Biodiversität, verbessern die Regenwasserversickerung und tragen zu einem angenehmen Mikroklima bei. Ergänzt wird das Freiraumkonzept durch Gemeinschaftsgärten, Begegnungsorte, landschaftliche Wege sowie naturnahe Massnahmen zur Wasserbewirtschaftung entlang der renaturierten Drize.
Das Quartier ist als weitgehend autofreier Lebensraum konzipiert und legt den Schwerpunkt auf Fuss- und Veloverkehr sowie gemeinschaftliche Mobilitätsformen. Rund 1 200 Veloabstellplätze decken den Bedarf der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Gewerbenutzungen und unterstreichen den Anspruch eines nachhaltigen, inklusiven und klimaresilienten Quartiers.
Mit dem Projekt «Habitat collectif à Grosselin» entsteht ein neuer Stadtbaustein, in dem sich städtebauliche Dichte, Nutzungsmischung, Industrieerbe und Landschaft zu einem zeitgemässen, grosszügigen und nachhaltigen Lebensraum im Herzen des zukünftigen PAV verbinden.
Das Projekt der HEPIA Genf wurde für den Swiss Arc Award 2026 in der Kategorie Next Generation eingereicht und von Nina Farhumand veröffentlicht.