Titlis Turm

 
6390 Engelberg,
Schweiz

Veröffentlicht am 18. Juni 2026
Herzog & de Meuron Basel Ltd.

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Gerschnistrasse 12, 6390 Engelberg, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
05.2026

Gebäudedaten nach SIA 416

Grundstücksfläche
2130 m²
Geschossfläche
3950 m²
Gebäudevolumen
21'500 m³

Beschreibung

Auf über 3'000 Metern entstand aus einem ehemaligen Antennenturm ein spektakuläres Ausflugsziel: Herzog & de Meuron haben die bestehende Stahlstruktur auf dem Titlis um Restaurant, Aussichtsplattform und Panoramavolumen erweitert:  Ein markantes Bauwerk, das Bestand, Infrastruktur und alpine Landschaft eindrucksvoll verbindet.

Der über 3'000 Meter hohe Titlis bei Engelberg zählt zu den bekanntesten Bergdestinationen der Schweiz und zieht Besucher*innen aus aller Welt an. Seine Lage bietet einen beeindruckenden 360°-Blick auf die Gletscherlandschaft im Süden und das Schweizer Mittelland im Norden. Dank seiner zentralen Lage sowie der Nähe zu Luzern und dem Vierwaldstättersee ist der Titlis gut erreichbar und zählt zu den meistbesuchten Ausflugszielen der Schweiz.
Seit der Inbetriebnahme der ersten Seilbahn auf den Klein Titlis im Jahr 1967 wurde die bestehende Infrastruktur kontinuierlich erweitert. Heute besuchen jährlich rund 1,1 Millionen Menschen den Titlis, wobei etwa ein Viertel davon klassische Wintersportler*innen sind. Der überwiegende Teil der Gäste sind internationale Touristen, die den Berg wegen seiner landschaftlichen Attraktivität besuchen. Entsprechend entstand über die Jahrzehnte eine vielfältige touristische Infrastruktur, mit Restaurants, Shops, Gletschergrotte, Hängebrücke und weiteren Attraktionen.
Diese gewachsene Struktur ist an ihre Grenzen gestossen. Durch die zahlreichen Erweiterungen hat die Bergstation eine komplexe Raumstruktur erhalten, die den heutigen Anforderungen an Kapazität, Orientierung und Besucherführung nicht mehr gerecht wurde. So haben die Titlis Bergbahnen den Antennenturm aus den 1980er-Jahren von der Schweizer Armee übernommen. Von dort führt ein unterirdischer Tunnel direkt zur Bergstation und der darunterliegenden Gletschergrotte. Dies war die Ausgangslage, die touristische Infrastruktur neu zu denken und sie für die heutigen Ansprüche zu konzipieren, weg von reinen Zweckbauten hin zu einem architektonischen Gesamtkonzept.

Den Gipfel neu ordnen
Herzog & de Meuron wurde 2017 damit beauftragt, im Rahmen eines Masterplans für den gesamten Gipfel, die Bergstation zu erneuern und den Antennenturm als Teil des touristischen Angebots nutzbar zu machen. Ein zentrales Element des Konzepts ist die ressourcenbewusste Weiterentwicklung des Bestands. Vorhandene Bauteile wie der Turm, der Stollen, Teile der bestehenden Bergstation und die Seilbahnstation werden weitergenutzt und in das neue Gesamtsystem integriert. Eine Untersuchung des Bestands der Bergstation, insbesondere des Tragwerks, zeigte jedoch, dass bei diesem Gebäude ein Umbau die grundlegenden Probleme von Zirkulation, Orientierung und Kapazität nicht ausreichend lösen kann. Grosse Teile der Bergstation werden daher durch einen Neubau ersetzt, der die bestehende Seilbahnstation umschliesst. Der Energieverbrauch aller Gebäude wird durch eine intelligente Gebäudetechnik deutlich reduziert.

Bauen auf Gebautem
Der Antennenturm wurde Mitte der 1980er-Jahre mit einer Höhe von 56 Metern als Infrastrukturbauwerk für die Telekommunikation errichtet. Aufgrund seiner exponierten Lage auf über 3000 Metern über Meer wurde er bereits damals tief im Fels mit einer Betonstruktur verankert und mit einer filigran wirkenden Stahlstruktur ausgeführt. Der Turm wird durch dieses bestehende Stahltragwerk definiert, das im neuen Projekt von Herzog & de Meuron konsequent weitergebaut und durch zwei horizontale Baukörper sowie vier vertikale Erschliessungstürme ergänzt wurde. Die aussen liegende, tragende Struktur erlaubt im Inneren der beiden neuen Volumen, gänzlich stützenfreie Räume. Der bestehende Betonsockel wurde als Eingangs- und Verteilgeschoss erweitert und nimmt neben der Besuchererschliessung auch technische Nutzungen sowie eine Pistenfahrzeughalle auf. Der bereits beim Bau des Turms erstellte unterirdische Stollen bildet die direkte, witterungsunabhängige Verbindung zwischen Bergstation und Turm. Gleichzeitig erschliesst er die Gletschergrotte und dient der haustechnischen Verbindung zwischen Turm und Bergstation – gewissermassen als infrastrukturelle Nabelschnur im Fels.
Der Stollen bleibt in seiner ursprünglichen Materialität unverändert und roh. Im Kontrast dazu führt ein spiegelndes Stahlband die Besuchenden von der Bergstation bis hin zum Turm. Am Ende des Stollens weitet sich der Weg in eine hallenartige Kaverne. Zwei in das Stahlband integrierte, grossformatige LED-Bildschirme vermitteln Informationen über die umliegende Berglandschaft und geben Orientierung im unterirdischen Raum.

Glitzernd
Vom Sockel aus gelangen Besucher*innen über die vier vertikalen Erschliessungstürme, welche die bestehenden Stahlstützen an allen Ecken ergänzen, nach oben bis hin zur Aussichtsplattform. Zwei der Stahlstrukturen dienen als Fluchttreppen, die beiden anderen werden als Liftanlagen genutzt.
Die beiden neuen horizontal weit auskragenden Baukörper überlagern sich kreuzförmig und erzeugen eine markante, weithin sichtbare Figur. Der untere Baukörper beherbergt eine Verkaufsfläche, während im oberen ein Restaurant mit 140 Sitzplätzen untergebracht ist. Vollständig verglast eröffnen die neuen Volumen eindrückliche Panoramablicke in die alpine Landschaft.
Den Abschluss bildet die öffentlich zugängliche Aussichtsplattform, die einen uneingeschränkten 360°-Rundblick ermöglicht und den Turm zum Höhepunkt des Besuchererlebnisses macht.
Die Materialisierung orientiert sich konsequent am Bestand und den extremen klimatischen Bedingungen des Ortes: verzinkter Stahl, Beton, Glas und Chromstahl. Im Inneren bleibt die rohe Materialität bewusst sichtbar, bestehende Strukturen und ihre Spuren werden beibehalten und mit präzisen Einbauten ergänzt. Einen bewussten Kontrast dazu bildet das Restaurant, dessen Innenraum vollständig mit Holz ausgekleidet ist, was eine warme, geschützte Atmosphäre schafft.

Der Text von Herzog & de Meuron wurde von Jørg Himmelreich publiziert. 

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