Umbau BIT-Areal
1211 Genève,
Schweiz
Veröffentlicht am 13. April 2026
dl-c, designlab-construction sa
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Zu Beginn der 1970er-Jahre erreicht das neue internationale Genf seinen Höhepunkt. Auf die Völkerbundgebäude aus der Vorkriegszeit, die sich mit markanter Frontstellung in die Landschaft einschreiben, folgen die Sitze grosser Organisationen als freistehende Baukörper in Parkanlagen. Das Internationale Arbeitsamt verlässt das Seeufer und bezieht auf den Hängen von Pregny seinen neuen Sitz – entworfen von Eugène Beaudoin, Pier Luigi Nervi und Alberto Camenzind. Die Ambition ist eindeutig: modern, schön und gross zu bauen. Modern sind die Konstruktionsweisen, Materialien und technischen Systeme, ebenso die Präzision der Schnitte. Schön sind die räumlichen Geometrien, die Erschliessungen sowie die offenen, grosszügigen Empfangshallen.
Die Grösse wird zur zentralen Frage einer ganzen Architektengeneration. Die Industrialisierung liefert darauf eine ebenso einfache wie radikale Antwort: Wiederholung. Ein Fenster, 4000 Fenster; ein Büro, 1300 Büros. Der Park schliesslich, von Walter Brugger als landschaftlicher Sockel modelliert, öffnet sich über die Anhöhe des Morillon hinaus in die Weite der Landschaft. Fünfzig Jahre später hat sich die Welt grundlegend verändert. Die Transformation dieses weitläufigen Gebäudes verlangt daher nach einer erneuten Lektüre. Neben energetischen Anpassungen im Inneren, brandschutztechnischen Anforderungen mit stärkerer räumlicher Gliederung sowie neuen Sicherheitsdispositiven liegt der eigentliche Impuls der Erneuerung in einer «Ent-Departementalisierung» dieser Arbeitsmaschine. Wo einst 1300 identische Büros eine homogene Struktur bildeten, verlangen heutige, digital geprägte Arbeitsweisen nach Flexibilität und Transparenz. Geschlossene Projekträume, Bibliotheken und Lesesäle weichen offenen Konferenzräumen, die sich zur umgebenden Landschaft öffnen. Gleichzeitig wandelt sich auch der Park. Einst frei zugänglich, muss er heute geschützt werden – durch Filter- und Barrierevorrichtungen. Am Rand des Areals bündeln ein Pförtnerhaus und ein Zugangspavillon die neuen Funktionen der Akkreditierung und Sicherheit. Wege und Fussgängerführungen werden neu organisiert und inszenieren die Annäherung an den Ort – vom Park bis zum Wasserbecken – als räumliche Sequenz.
Das Projekt von dl-a designlab architecture wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.