Die Kunst des dazwischen – Peter Zumthors Beyerle-Erweiterung öffnet im Herbst

 

Szene

Veröffentlicht am 11. Juni 2026 von
Jørg Himmelreich

Die Erweiterung der Fondation Beyeler in Riehen steht kurz vor ihrer Vollendung: Ab Herbst 2026 werden erste Teile des neuen Ensembles für das Publikum geöffnet. Die vollständige Eröffnung ist für Januar 2027 angekündigt. Mit den Neubauten von Peter Zumthor, restaurierten historischen Gebäuden und der Öffnung eines bislang privaten Landschaftsparks entwickelt sich die Institution von einem Museumsbau zu einer vielschichtigen Kulturlandschaft zwischen Architektur, Kunst und Natur.

Die Stapflehmfassade der Erweiterung der Fondation Beyerle hat einen natürlichen Charakter. | Foto: Mark Niedermann

Die Stapflehmfassade der Erweiterung der Fondation Beyerle hat einen natürlichen Charakter. | Foto: Mark Niedermann

Die Stapflehmfassade der Erweiterung der Fondation Beyerle hat einen natürlichen Charakter. | Foto: Mark Niedermann

Knapp zehn Jahre nach der Vorstellung der ersten Entwürfe tritt die Erweiterung der Fondation Beyeler in ihre entscheidende Phase. Ab Herbst 2026 werden die neuen Bereiche des Ensembles schrittweise in Betrieb genommen. Die vollständige Eröffnung ist für Januar 2027 geplant. Damit erhält die Institution in Riehen eine räumliche und programmatische Erweiterung, die weit über die Schaffung zusätzlicher Ausstellungsflächen hinausgeht.

Während der 1997 eröffnete Museumsbau von Renzo Piano bis heute als präzise komponierter Solitär in der Parklandschaft wahrgenommen wird, setzt Peter Zumthor auf eine andere architektonische Strategie. Die Erweiterung besteht nicht aus einem einzelnen Baukörper, sondern aus einer Folge von Gebäuden, Freiräumen und historischen Strukturen, die zu einem Ensemble verwoben werden. Architektur entsteht hier weniger als Objekt denn als räumliche Beziehung.

Ausgangspunkt für diese Entwicklung war der Erwerb des benachbarten Iselin-Weber-Parks. Der denkmalgeschützte Landschaftsraum, bislang nicht öffentlich zugänglich, wird künftig Teil der Fondation Beyeler und verdoppelt nahezu die Grösse des Areals. Jahrhundertalte Bäume, Teiche und Wiesenflächen erweitern den Landschaftsraum, der bereits für den ursprünglichen Museumsbau eine zentrale Rolle spielte.

Das Neubauprojekt der Fondation Beyeler besteht aus dem Museumsneubau (links) und einem Pavillon (rechts) | Visualisierungen: Atelier Peter Zumthor
Mit der Erweiterung wird auch der Berower Park für das Publikum zugänglich. | Visualisierungen: Atelier Peter Zumthor

Im neuen Ensemble übernimmt das Wyss Museum die Funktion eines zusätzlichen Ausstellungshauses für die Sammlung und Wechselausstellungen der Fondation. Der Ammann Pavillon wird für kulturelle Veranstaltungen genutzt, während das Torhaus die logistischen Abläufe des erweiterten Betriebs aufnimmt. Hinzu kommen mehrere denkmalgeschützte Bestandsgebäude, die restauriert und neuen Nutzungen zugeführt werden. Geplant sind Räume für die Kunstvermittlung, ein Musiksalon, ein Gewächshaus sowie ein experimenteller Projektraum.

Bemerkenswert ist die Art und Weise, wie die einzelnen Bausteine miteinander verknüpft werden. Die Erweiterung entfaltet sich nicht entlang einer klaren Hauptachse, sondern über Wege, Blickbeziehungen und Aufenthaltsorte. Der Übergang zwischen Innen- und Aussenraum wird zu einem wesentlichen Teil der architektonischen Erfahrung. Damit knüpft das Projekt an Themen an, die das Werk Peter Zumthors seit Jahrzehnten prägen: Atmosphäre, Materialität und die sorgfältige Inszenierung von Bewegung durch den Raum.

Visualisieurung eines Museumsinnenraumes | Visualisierung: Atelier Peter Zumthor. Copyrights der Kunstwerke: Successió Miró / Calder Foundation, New York / Art Resource, NY / 2017, ProLitteris, Zürich

Visualisieurung eines Museumsinnenraumes | Visualisierung: Atelier Peter Zumthor. Copyrights der Kunstwerke: Successió Miró / Calder Foundation, New York / Art Resource, NY / 2017, ProLitteris, Zürich

Visualisieurung eines Museumsinnenraumes | Visualisierung: Atelier Peter Zumthor. Copyrights der Kunstwerke: Successió Miró / Calder Foundation, New York / Art Resource, NY / 2017, ProLitteris, Zürich

Parallel zur schrittweisen Eröffnung wird die Fondation Beyeler ihr neues Ensemble ein Jahr lang mit Ausstellungen und Veranstaltungen bespielen. Den Auftakt macht im Oktober 2026 eine Retrospektive der amerikanischen Künstlerin Ruth Asawa. Es folgen Ausstellungen zu Frida Kahlo, Louise Bourgeois und Elizabeth Peyton. Ergänzt wird das Programm durch Konzerte, Performances, Filmvorführungen, Gespräche mit Künstler*innen und Architekturschaffenden sowie botanische Formate und Workshops.

Die Erweiterung wird überwiegend durch private Mittel finanziert. Zu den wichtigsten Förderern zählen die Wyss Foundation, die Beyeler-Stiftung sowie die Thomas und Doris Ammann Stiftung. Die Gemeinde Riehen beteiligt sich an der Finanzierung der öffentlichen Infrastruktur und der Pflege der Parkanlagen.

Mit dem neuen Ensemble entsteht in Riehen kein klassischer Museumsanbau. Vielmehr entwickelt sich die Fondation Beyeler zu einer räumlichen Sequenz aus Gebäuden, Gärten und Landschaften. Die eigentliche Qualität des Projekts liegt dabei nicht in der Grösse der Erweiterung, sondern in den Zwischenräumen: jenen Orten, an denen Architektur, Natur und Kunst aufeinandertreffen und die dem Projekt seinen besonderen Charakter verleihen.

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