Forchstrasse 239/241
8032 Zürich,
Schweiz
Veröffentlicht am 16. April 2026
spillmann echsle architekten ag
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
An der wichtigen Stadteinfallsache der Forchstrasse liegen zwei 1982 erbaute, aneinander gebaute Gebäude, wobei sich der Gewerbebau entlang der Strasse und das Wohngebäude rechtwinklig in die Tiefe der Parzelle entwickelt.
Die Beauftragung im Rahmen des Planerwahlverfahrens erfolgte 2020 auf Basis eines Projekts, das eine umfassende Sanierung und Umnutzung vorsah. Dabei sollten die bestehenden Gebäude sowie die Parkierungs- und Verkehrsstrukturen erhalten und die existierende Hangsicherung unverändert bleiben. Das Konzept setzt auf eine Umnutzung, Erweiterungen auf mehreren Seiten und Aufstockungen, um die Ausnutzung zu maximieren. Ziel ist es, die bestehende Gebäudestruktur zu erhalten und sie durch Transformation in einen zweiten Lebenszyklus zu überführen.
Mit der Weiterführung der abgetreppten Anordnung der Raumschichten in umgekehrter Weise gegen die stark lärmbelastete Kantonsstrasse spannt sich neu eine beruhigende Abschirmung auf und ermöglicht eine lärmabgewandte Lüftung der Räume. Die Nasszellen und Nebenräume konnten durch diese Massnahme zentral in Kernbereichen angeordnet werden. Die Hofsituation wird dank einer Neuausbildung der Fassaden und einer sorgfältigen Umgebungsgestaltung zu einer ruhigen Oase in städtischer Dichte.
Die Liegenschaft erscheint mit einem neuen, einheitlichen Erscheinungsbild in ihrer Anmutung plastisch volumetrisch. Gleichzeitig erfüllt die klar modulierte urbane Fassade entlang der Forchstrasse hohe städtebauliche Ansprüche. Eine bewährte, beständige und vorgehängte Fassadenhaut entspricht der Logik der vorhandenen Tragstruktur von Stützen und Platten und deren dreiseitige Erweiterungen, aber auch dem städtebaulichen Transformationsprozess des Ortes, welcher beispielhaft durch Nachverdichtung bestehender Liegenschaften und Ersatzneubauten geprägt ist.
Der leicht industrielle Charakter des ehemaligen Gewerbebaus wird in der Umnutzung durch eine loftartige Wohnungskonzeption und Materialisierung akzentuiert und über das bestehende Treppenhaus vierspännig erschlossen.
Die Wohnungstypologien im hinteren Gebäudeteil werden als grosszügige Familienwohnungen – teils als Geschosswohnungen, teils als Maisonettewohnungen weitergeführt und bilden einen vielseitigen, attraktiven Wohnungsmix.
Der Ausbaustandard transformiert mit einfacher Wertigkeit eine zeitgemässe und behagliche Atmosphäre und würdigt die aus dem Bestand verbliebenen Konstruktionselemente. Bestehende Geschossdecken und Stützen wurden in Ortbeton erweitert, die Betonelemente im Inneren der Wohnungen wurden sandgestrahlt, die Treppenanlagen und Balkonstützen unter Rekonstruktion als Betonelemente weitergeführt. Die Aufstockungen erfolgten entsprechend den statischen Gegebenheiten in Holzelementbauweise. Die Fassadenverkleidung ergänzt und vereinheitlicht die Gebäude als vorgehängte und hinterlüftete Konstruktion mit Verkleidungen aus spezifisch konzipierten leichten glasfaserverstärkten Betonelementen und Profilblechen.
Die Liegenschaft ist abgesehen von der strassenangrenzenden Gewerbenutzung im Sockelgeschoss von rund 250 Quadratmeter einer Wohnnutzung überführt worden und bietet neu 27 attraktive 1,5 bis 5,5 Zimmer-Mietwohnungen. Die Wärmeerzeugung mit Freecooling erfolgt mittels Erdwärmesonden; die Photovoltaikanlage erzeugt einen Grossteil des Eigenstromverbrauchs.
Mit dem Substanzerhalt, dem Suffizienzgedanken und den architektonischen und städtebaulichen Ansprüchen einer möglichst maximalen Ausnutzung, einer betrieblichen und technischen Ertüchtigung mittels Erneuerung der Gebäudehülle und Gebäudetechnik nach Minergie-Standard kann den Anforderungen der Bauherrschaft an den aktuellen Markt gleichermassen Rechnung getragen werden.
Das Projekt wurde von spillmann echsle architekten für den Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Jørg Himmelreich publiziert.