Franck Areal – Umbau Pförtnerhaus zum Bistro

 
4057 Basel,
Schweiz

Veröffentlicht am 03. August 2026
baubüro in situ ag

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Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Horburgstrasse 103, 4057 Basel, Schweiz
Fertigstellung
08.2025
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Grundstücksfläche
121'000 m²
Nutzfläche
205 m²
Gebäudekosten (BKP 2)
545'000,0 Mio. CHF

Beschreibung

Trotz seiner Randlage im Basler Klybeck-Quartier ist das Franck Areal ein Scharnier zwischen verschiedenen Teilen der Stadt und ein integraler Bestandteil Kleinbasels. Das Areal liegt in der Zone 7 für Industrie und Gewerbe und ist dicht mit Industriebauten aus verschiedenen Epochen der Lebensmittelproduktion bebaut. Die Entwicklung sieht den Erhalt und die Umnutzung sämtlicher bestehender Gebäude vor. Aus den historischen Industriebauten entsteht organisch etwas Neues, das die Geschichte des Ortes respektiert und fortschreibt. In den kommenden Jahren soll das Areal zu einem lebendigen Treffpunkt werden, der vielfältige Angebote wie Kultur, Arbeiten, Forschen, Wohnen, Essen und Entspannen bündelt. Die Bevölkerung wird von Beginn an durch Austauschformate in die Entwicklung einbezogen. Nachhaltigkeit bildet nicht eine Zusatzaufgabe, sondern den Ausgangspunkt der gesamten Projektidee. Die Nachhaltigkeitsziele orientieren sich an den drei Dimensionen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. Ökologisch stehen der vollständige Gebäudeerhalt, das Bauen im Bestand, ein hoher Anteil an Wiederverwendung sowie klimafreundliche Energie- und Wasserversorgung im Fokus.

Ein Eingangstor fürs Areal
Eine Untersuchung des Instituts für Nachhaltigkeit und Energie am Bau der FHNW zeigt, dass der Ansatz gegenüber einem klassischen Entwicklungsmodell 35–45 Prozent Treibhausgasemissionen einspart und damit die ambitionierten Zielwerte des SIA-Klimapfads 390/1 erreichen könnte. Begleitet wird dies durch eine durchgängige CO₂-Bilanzierung mit jährlichem Reporting. Das Pförtnerhaus wurde 1955 als Loge und Pförtnerwohnung des Industrieareals Thomi & Franck erbaut. Das Gebäude wurde gemeinsam mit dem Verwaltungsgebäude geplant, das heute als Büro- und Administrationsgebäude dient. Auch die Umgebung sowie die Eingangsüberdachung, welche die beiden Gebäude verbindet, waren Bestandteil der damaligen Planung. 2010 wurden die zwei Gebäude sowie die Überdachung im Inventar der schützenswerten Gebäude verzeichnet. Nach einer gemeinsamen Begehung der Denkmalpflege Basel mit baubüro in situ wurde das Pförtnerhaus 2023 unter Schutz gestellt.

Bauhistorischer Zustand
Das Gebäude wurde zuletzt als Brandmeldezentrale im Erdgeschoss und für Büros im 1. Obergeschoss von der Nestlé genutzt. Das Erdgeschoss wurde im Laufe der Jahre im Innenbereich umgebaut. Metallstützen und eine Glastrennwand, Änderungen des Grundrisslayouts und der Einbau einer Eingangstheke, verschiedener Arbeitstische und eines Linoleum-Bodens unterscheiden sich von der ursprünglichen Planung von 1955. Insbesondere die Fassaden beziehungsweise die Aussenerscheinung stuft die Denkmalpflege als schützenswert ein. Die festverglasten Alu-Rahmenfenster im Erdgeschoss, der grüne Farbanstrich beim Eingang und die Fenster im Untergeschoss sind noch original. Auch der innere Erschliessungsbereich – die Treppe, der Bodenbelag und die Glasbausteinfenster inklusive der Grundrissstruktur im Obergeschoss – sind schützenswert.

Umbaumassnahmen
Aufbauend auf der denkmalpflegerischen Einstufung und mit dem Anspruch, ein Projekt mit möglichst geringer Eingriffstiefe in den Bestand sowie dem Erhalt und der Wiederverwendung von Bauelementen zu realisieren, startete baubüro in situ die Planung. Um einen möglichst geringen Eingriff gewährleisten zu können, muss bereits zu Beginn der Planung die zukünftige Nutzung feststehen. Mit der Wegwarte konnte für den Betrieb im Pförtnerhaus das Restaurant du cœur, ein gastronomisches Sozialprojekt, als Pächter gewonnen werden. Das Restaurant du cœur ist ein Beschäftigungsprogramm für Asylsuchende, die aufgrund ihres Aufenthaltsstatus in der Schweiz keiner regulären Arbeit nachgehen dürfen oder auf dem ersten Arbeitsmarkt chancenlos sind. Seit 2017 besteht eine Zusammenarbeit mit der Stelle für Arbeitsintegration des Kantons Basel-Stadt. Also wurde das ehemalige Pförtnerhaus am Eingang des Franck Areals zum «Bistro Francka» umgebaut, das die Gäste des Franck Areals willkommen heisst. Da das Projekt als erstes der vielen Bestandsbauten saniert wurde, spielt es eine zentrale Rolle als Eingangstor und erste öffentliche Nutzung des Areals, während sich der Rest noch im Umbau befindet. So können Anwohner*innen und Interessierte schon während der Planungs- und Bauphase durch einen niederschwelligen Zutritt auf das Areal aufmerksam werden und es nutzen. Seit der Eröffnung 2025 erfreut sich der abwechslungsreiche Mittagstisch bereits grosser Beliebtheit bei den Arealnutzer*innen sowie den Quartierbewohner*innen. 

Für das Bistro wurden im Erdgeschoss die beiden Räume, die früher für die Brandmeldezentrale und als Postraum genutzt wurden, neu als Café mit Gästeraum sowie als Anrichteküche umgenutzt. Im neuen Café-Gastraum wurden bestehende Einbaumöbel erhalten und umfunktioniert: Die ehemalige Pförtnertheke dient heute als Theke der Aufwärmküche, die Fensterfront wurde als Sitzbereich mit Ausblick gestaltet. Die Fensterbretter wurden repariert und geflickt, sodass entlang der gesamten Fensterfront angenehm gegessen werden kann. Dies entsprach auch der ursprünglichen Nutzung: An diesen Brettern sass einst der Pförtner und überwachte einen 180-Grad-Aussenbereich. Heute wird jeder zur Pförtner*in. Fast alle Küchenelemente stammen aus ReUse-Quellen – was im Gastrobereich aufgrund der Auflagen des Gastgewerbeamts nicht einfach ist –, ebenso alle weiteren Möbel und Lampen. Im Obergeschoss werden die Räume nach wie vor als Büro genutzt. Nach Rücksprache mit dem Amt für Umwelt und Energie mussten keine energetischen Massnahmen getroffen werden, die Raumtemperaturen der umgenutzten Räume im Erdgeschoss bleiben unverändert. Dennoch wurde die Untersicht der Kellerdecke und der Hohlraum des Dachbodens mit Restposten oder ReUse-Dämmmaterialien gedämmt.

Dezente Adaptionen
Das Gebäudeäussere blieb bis auf die neue dachflächenintegrierte Photovoltaik-Anlage unverändert. Detaillierungen wurden in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege entwickelt. So musste zunächst eine Bemusterung der Photovoltaik-Module erfolgen, ebenso wie die Abstimmung der Anschlusselemente, um die optische Integration und Materialverträglichkeit sicherzustellen. Eine weitere Auflage der Denkmalpflege war, dass sich das Dachprofil nicht erhöhen durfte. Als Kompromisslösung zwischen dem Amt für Umwelt und Energie (AUE) und der Denkmalpflege erfolgte stattdessen eine Dämmung des Dachbodens. Die bestehenden Dachrinnen wurden erhalten. Für die Spengler*innen lag die Herausforderung darin, die neuen Bauteile mithilfe der Anschlüsse fachgerecht mit den Altbestandteilen zu verbinden.

Die Erdgeschossfassade bestand bauzeitlich aus Sichtbeton und wurde später in Anthrazit gestrichen. In enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege wurde im Rahmen eines Gesamtfarbkonzepts ein neuer Farbton entwickelt. Zunächst erfolgte eine Farbuntersuchung der Schichten, um die gesamte Farbhistorie nachvollziehbar zu machen und einen geeigneten Beschichtungsfarbstoff zu bestimmen. Daraufhin wurden zahlreiche Musterfarbtöne vorgeschlagen. Letztendlich wurde ein grüner Farbton ausgewählt, der sowohl farblich harmonisch zu den vorhandenen Backsteinen passt als auch stimmungsmässig an die Erbauungszeit erinnert.

Das Projekt baubüro in situ wurde von für die architekTOUR Basel 2026 hochgeladen und von Nina Farhumand publiziert.

Projektbeteiligte Unternehmen

Planung

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