Werkhof 29 – Aufstockung Grubenstrasse Zürich

 
8045 Zürich,
Schweiz

Veröffentlicht am 10. Juli 2026
baubüro in situ ag

Ansicht von Bestand und Aufstockung von der Strasse im Norden Ansicht der Aufstockung und Dachterrasse von Osten Innenraum einer Mietfläche mit Ansicht von Küche und Galeriefläche Der Bestand wurde minimal ertüchtigt und die robuste Tragstruktur für die neune Lasten der Aufstockung genutzt Innenraum mit Ansicht der Lehmputzwände und dem Treppenaufgang zur Galerie Innenraum mit Ansicht der Lehmputzwände und dem Treppenaufgang zur Galerie

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Grubenstrasse 29, 8045 Zürich, Schweiz
Fertigstellung
07.2025

Beschreibung

Mit dem Projekt Werkhof 29 im Industriequartier Binz in Zürich wurde ein Backsteinbau von 1934 in einen vielfältigen Arbeitskomplex transformiert. Dem bereits mehrfach umgebauten Industriebau wird eine weitere Nutzungsperiode ermöglicht und für das Kleingewerbe, das teilweise vor Ort bleiben konnte, wird maximale Flexibilität geschaffen. Der Werkhof 29 ist ein weiterer Baustein in der seit zehn Jahren laufenden Verdichtung und Veränderung des Areals an der Grubenstrasse, das als eines der letzten von der handwerklich-gewerblichen Vergangenheit der Binz zeugt.
Das Hauptgebäude, ein rechteckiger Backsteinbau, der nachträglich um ein zweites Stockwerk und diverse Neben-gebäude erweitert wurde, erhielt eine weitere, eingeschossige Aufstockung mit innenliegendem Galeriegeschoss.
Die bestehenden Dachflächen wurden durch eine gemeinschaftlich nutzbare Terrasse und intensiv begrünten Dachgärten aufgewertet. Die Aufstockung ist in vorgefertigter Holzelementbauweise mit lehmverputzter Strohballendämmung errichtet. Sie ist das Ergebnis dessen, was der Bestand mit geringem Eingriff tragen kann: Ein Holzfachwerk leitet die Lasten gezielt auf das robuste Tragwerk der bestehenden Stützen und entlastet die Aussenwände.

Nachhaltige Materialien
Zentrales Konzept ist die konsequente Verwendung von vorhandenen Materialien, wobei der Bestand selbst den grössten Anteil daran hat. Fassadenbleche, Fenster, Türen, Radiatoren und Dämmstoffe stammen aus Rückbauprojekten an anderen Orten. Ergänzend kommen regenerative Baustoffe wie Holz, Stroh und Lehm aus einer Limmattaler Baugrube zum Einsatz. Gebrauchsspuren wurden sichtbar belassen und bewusst als architektonisches Stilmittel eingesetzt – sie unterstreichen die Erzählung des nahtlosen Weiterbauens.
Die Konstruktion folgt klaren Nachhaltigkeitsprinzipien: Vieles ist roh belassen, damit die Mieterschaft ihre Räume in Eigenregie ausbauen kann. Der Neubedarf wird minimiert, die Nutzung langlebiger und reparabler Konstruktionen gefördert und die Aufstockung energieeffizient ausgebildet. Das reduziert CO₂-Emissionen. Fassadenbegrünungen, die Pflege alter Bäume und die ökologische Aufwertung der Umgebung tragen zu einem angenehmen Stadtklima bei, während das auch auf Nachbardächer ausgeweitete Arealkraftwerk den Solarstrom liefert.
Das Projekt zeigt exemplarisch, dass Verdichtung auch anders geht. Nicht gegen, sondern mit dem Ort, mit den Nutzenden, mit den Materialien. Der historische Bau wurde zu einem nachhaltigen, zirkulären Arbeitsort weiterentwickelt, der die industrielle Geschichte des Quartiers in zeitgemässer Form weiterschreibt.

Das Projekt wurde vom baubüro in situ im Rahmen der architekTOUR Basel 2026 eingereicht und von Jørg Himmelreich publiziert. 

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