International School Rheintal – Lerncampus aus Holz
9470 Buchs,
Schweiz
Veröffentlicht am 23. März 2026
Kämpfen für Architektur AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Mit der International School Rheintal entstand ein Schulcampus, der Lernen nicht nur aufnimmt, sondern räumlich ermöglicht. Der Neubau versteht Schule als offenes Gefüge aus Unterricht, Begegnung, Bewegung und informellem Lernen. Altersgerechte Cluster vom Kindergarten bis zur Matura, grosszügige Umgangszonen, Galerien und vier Höfe schaffen eine Umgebung, die Orientierung gibt, Gemeinschaft fördert und zugleich unterschiedliche Atmosphären für Konzentration, Austausch und Rückzug anbietet. Die architektonische Setzung reagiert präzise auf Ort und Aufgabe. Als horizontal gegliederter Baukörper fügt sich das Gebäude selbstverständlich in die Umgebung ein und übersetzt ein komplexes Raumprogramm in einen menschlichen Massstab. Innenhöfe, Sichtbezüge und die zentrale Erschliessung strukturieren das Haus und bringen Tageslicht tief in das Gebäude. So entsteht ein Lernort, der grosszügig wirkt, ohne monumental zu sein, und offen ist, ohne an Klarheit zu verlieren. Konstruktiv ist die ISR als robuster, flexibler Holzbau gedacht. Die sichtbare Tragstruktur, das klare Raster und die natürliche Materialität prägen nicht nur den Ausdruck des Hauses, sondern auch seine Atmosphäre. Holz wird hier nicht als Zeichen eingesetzt, sondern als tragendes Prinzip: konstruktiv sinnvoll, ökologisch wirksam und räumlich identitätsstiftend. Das Gebäude vermittelt seinen Nutzer*innen und Nutzern Wärme, Ruhe und Zugehörigkeit.
Die Nachhaltigkeitsstrategie ist integraler Teil der Architektur. Photovoltaik auf der Dachterrasse über der Turnhalle und in Fassadenfeldern erzeugt zusammen rund 100 000 kWh pro Jahr und deckt rechnerisch den gesamten Strombedarf der Schule. Zugleich übernehmen die optimal ausgerichteten PV-Elemente eine räumliche und klimatische Funktion: Sie verschatten Terrassen und Fassaden, verbessern die Aufenthaltsqualität und machen die Energieproduktion als Teil des Schulalltags sichtbar. Die Verbundlüftung nutzt Korridore und Begegnungszonen als Frischlufttanks, reduziert den Anlagenaufwand gegenüber konventionellen Systemen um 50 bis 70 Prozent und sorgt bei hohem Komfort für einen ressourcenschonenden Betrieb. Fernwärme, Kühlung mit Grundwasser, Dachbegrünung und Biodiversitätsmassnahmen ergänzen dieses Low-Tech-Konzept zu einem überzeugenden Beitrag für zukunftsfähige Schularchitektur. Die International School Rheintal zeigt damit, wie sich pädagogische Offenheit, konstruktive Klarheit und ökologische Verantwortung zu einer starken architektonischen Gesamtfigur verbinden lassen. Das Gebäude ist nicht nur funktional effizient, sondern baukulturell relevant: ein Schulhaus, das Haltung zeigt und Zukunft räumlich erfahrbar macht.
Das Besondere an der Bauaufgabe war, einen Schulbau für sehr unterschiedliche Altersstufen zu entwickeln, der sowohl Orientierung als auch Offenheit bietet. Anstelle eines rein funktionalen Unterrichtsgebäudes entstand eine Lernlandschaft, in der Cluster, Höfe, Galerien und Aussenräume unterschiedliche Formen des Lernens und Zusammenlebens ermöglichen. Die Architektur versteht sich damit als aktiver Teil des pädagogischen Konzepts. Die Entwurfsidee wurde stark vom Standort geprägt. Der hohe Grundwasserspiegel führte zu einer flächigen, niedrig gehaltenen Setzung; die Nachbarschaft aus Wohnzone, Schule und Hochschule verlangte nach einem Baukörper, der gross genug für ein komplexes Raumprogramm ist, sich aber dennoch selbstverständlich in den Ort einfügt. Daraus entstand die horizontale Figur mit klar gegliederten Höfen und einem äusseren Hallentragwerk, das zusätzliche Nutzungen auf dem Dach ermöglicht. Bauherrschaft, Schule und Fachplaner*innenhaben das Projekt im integralen Dialog mitgeprägt. Früh geklärte pädagogische, betriebliche und energetische Ziele wurden in eine robuste Gesamtlösung übersetzt. Das Ergebnis ist kein spektakuläres Einzelobjekt, sondern ein präzise entwickelter Lernort mit hoher Alltagstauglichkeit, konstruktiver Logik und langfristiger Anpassungsfähigkeit. Besonders zum Erfolg beigetragen haben die konsequente Holzbauweise, das flexible Raster, die integrierte PV als Energie- und Schattenspender sowie die ressourcenschonende Verbundlüftung. Diese Elemente sind nicht additiv eingesetzt, sondern architektonisch zusammen gedacht. Genau dadurch wird die ISR zu einem Projekt, das nicht nur nachhaltig funktioniert, sondern Nachhaltigkeit auch räumlich und kulturell erfahrbar macht.
Das Projekt von Kämpfen für Architektur wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.