Solar Villa

 
4057 Basel,
Schweiz

Veröffentlicht am 03. September 2026
MIDERI ARCHITEKTEN GMBH

Projektdaten

Basisdaten

Projektkategorie
Fertigstellung
09.2026

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
2
Nutzfläche
250 m²

Beschreibung

Diese stille Basler Zuflucht wird zu einer lebendigen Klimamaschine
Mit Blick auf Basel verwandelt POS 41 eine vernachlässigte, 150 Jahre alte Villa in eine hochleistungsfähige Klimamaschine für Wohnzwecke. Entworfen von MIDERI ARCHITEKTEN und 2026 fertiggestellt, erteilt das Projekt der Standardpraxis des Abrisses eine Absage. Stattdessen setzt es auf die Aufwertung der bestehenden Gebäudehülle und bewahrt so Jahrzehnte an gebundener grauer Energie.

Technologie für ein Altneu-Bild
Anstatt die historische Dachlinie zu ersetzen, wurden massgeschneiderte Photovoltaik-Ziegel direkt neben traditionellen Bestandsziegeln integriert. Die Sanierung stellt die thermische Leistungsfähigkeit wieder her und vereint mehrere zusammenhanglose Anbauten, die im Laufe des letzten Jahrhunderts entstanden sind. Durch die Abstimmung moderner Solartechnologie auf historische Ziegelprofile widmet sich der Eingriff einer zentralen Frage des Bauens im Bestand: Wie lassen sich zeitgemässe Energiesysteme integrieren, ohne den gewachsenen Charakter eines Gebäudes auszulöschen? Die Architekt*innen nennen das: «Neue Sätze mit alten Worten sagen».

Chromatische Archäologie
Das Entwurfsteam weigerte sich, einen generischen Aussenputz aufzutragen, und analysierte stattdessen die historischen Villen der Nachbarschaft, um ein kontextuelles Farbkonzept zu entwickeln. Die ursprüngliche mineralische Rauputzfassade des Gebäudes wurde restauriert; abgenutzte Abschnitte wurden repariert, während die strukturelle Logik des Strassenbildes erhalten blieb. Der Prozess verlängert die Lebensdauer der jahrhundertealten Gebäudehülle und vermeidet gleichzeitig die ökologischen Kosten eines Neubaus.

Private Dreamers
Die räumliche Innenraumstrategie des Projekts hält die Waage zwischen präzisen konstruktiven Eingriffen und den spezifischen Lebensgewohnheiten der Bauherrschaft. Anstatt grossflächige strukturelle Umbauarbeiten vorzunehmen, setzt der Entwurf auf gezielte Interventionen – einschliesslich des Einschnitts in einen ungenutzten Betonhohlraum unter der Aussenterrasse, um eine massgefertigte Sauna-Nische einzubauen. Die finale Struktur zeigt, wie technische Präzision und die Zusammenarbeit mit der Kundschaft historische Wohnarchitektur für das nächste Jahrhundert anpassen können.

Produktionsmaschine: Technologie als Altneu-Antrieb
MIDERI Architekten erläutern den Ansatz so: «Wir lehnen die Obsession der Industrie mit fragilem Luxus und sterilen Bildschirmen ab. Wir haben diese Dachlandschaft in eine hocheffiziente Produktionsmaschine verwandelt, die die Vergangenheit respektiert und gleichzeitig eine hochleistungsfähige Klimahülle darstellt.» Für das Dach wurden die versagenden Isolationsschichten zurückgebaut und integrierte Photovoltaik-Dachziegel verlegt. Diese passive Klimamaschine erntet lautlos saubere Energie und verbirgt die moderne Technologie vollständig unter einem authentischen, traditionellen Dachprofil. Anstelle klobiger, aufgesetzter PV-Paneele kommt eine nahezu unsichtbare Solarlösung zum Einsatz. So erfüllt das Projekt strenge lokale Energiestandards, ohne die historische Architektur der Strasse zu beeinträchtige.

Chromatische Archäologie: Die Quartiersseele bewahren
Zur gestalterischen Haltung des Projekts heisst es: «Wir haben keine trendige Palette aus einem Firmenkatalog ausgewählt und keinen glänzenden Bildschirm für Instagram entworfen. Wir haben die historischen Villen Basels analysiert, um den authentischen Geist des Quartiers einzufangen und mit Farbe und Textur neue Sätze mit alten Wörtern zu schreiben.» Eine gründliche chromatische und materielle Untersuchung der Einfamilienhäuser im Quartier bildete die Grundlage für ein präzises Farbschema. Tiefe, satte Grüntöne für Fensterläden und Holzrahmen verankern das Haus in der regionalen Landschaft. Statt die Aussenhülle abzureissen, wurde die Fassade repariert und ihre ursprüngliche mineralische Kellenwurfstruktur exakt nachgebildet. Diese sorgfältige Arbeit bewahrt die graue Energie des Gebäudes und erhält zugleich den visuellen Rhythmus der Nachbarschaft.

Private Dreamers: Intuition in sanfte Radikalität übersetzen
Über die Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft sagen die Architekten: «Echte Architektur erfordert eine horizontale Allianz, kein Top-down-Mandat aus einem Elfenbeinturm. Unser Prozess mit diesen Private Dreamers ist ein Lehrbuchbeispiel für sanfte Radikalität: Wir hören dem Chaos menschlicher Wünsche tief zu, bleiben aber bei der Umsetzung in die gebaute Realität unerbittlich radikal.» Ein vielschichtiger Dialog brachte die poetische Vision der Bauherrschaft mit der technischen Realität zusammen. Die Eigentümerschaft brachte das spezifische Solarziegelprodukt in den Prozess ein und stellte die Aufgabe, es ohne störenden Eingriff in die Landschaft zu integrieren. Daraufhin entstanden massgeschneiderte Details für einen nahtlosen Übergang. Als vorgeschlagen wurde, den ungenutzten Raum unter dem Betonvorbau zurückzugewinnen, entstand auf Wunsch der Bauherrschaft die Idee einer Sauna. Die spontanen Eingebungen wurden in präzise strukturelle Module übersetzt.

Erhalt als chirurgischer Eingriff: Den Raum unter der Terrasse umschliessen
Der Eingriff wird wie folgt erläutert: «Anstatt einen kostspieligen neuen Anbau zu errichten, der den physischen Fussabdruck der Villa vergrössert, haben wir den aktiven Sockel chirurgisch behandelt. Wir haben einen nutzlosen, unbeheizten Betonhohlraum umschlossen, um Raum zu gewinnen, der bereits auf der Bank war.» Der offene, unbeheizte Hohlraum unter dem bestehenden Beton-Terrassensockel wurde geschlossen und nutzbar gemacht. Ein Bereich nimmt die Infrastruktur der neuen Luft-Wasser-Wärmepumpe auf; massgeschneiderte Lüftungsklappen aus Holz integrieren die technische Anlage ruhig in die Architektur. Mit dieser gezielten Modifikation konnte die bislang ungenutzte unterirdische Zone zum Garten hin zurückgewonnen und als funktionale Saunaumgebung ausgebildet werden.

Home Spa: Der soziale Kondensator
Zur neuen Nutzung heisst es: «Die Sauna ist kein kosmetisches Luxus-Gadget; sie ist eine hyperfunktionale Poly-Typologie, die direkt aus der Reibung vor Ort und unseren gemeinsamen Improvisationen mit der Bauherrschaft entstanden ist.» Mithilfe einer konsequenten Research-by-Design-Methodik wurde eine 6 Quadratmeter grosse Innentasche in einen voll funktionsfähigen Saunaraum verwandelt. Rohe, vertikale Kiefernlatten und mehrstufige Sitzbänke kleiden die Innenflächen aus und optimieren die thermische Schichtung. Grosse Fenster rahmen den privaten Blick auf den hinteren Rasen und den Pool. So wird aus einem dunklen, vergessenen Lagerraum ein aktiver sozialer Rückzugsort für die Familie.

Das Projekt wurde von MIDERI ARCHITEKTEN eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.

Projektbeteiligte Unternehmen

Planung

244608258