Wohnhaus Stöckli
9042 Speicher,
Schweiz
Veröffentlicht am 04. April 2026
Schraner Partner Architektur GmbH
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Ausgangslage
Das Grundstück liegt eingebettet in die Appenzeller Hügellandschaft am Dorfrand in der Wohn- und Gewerbezone. Das bestehende Wohnhaus mit historischen Werkräumen und die umliegenden Gebäude orientieren sich an den angrenzenden Strassen und der Ausrichtung gegen Südosten. Die eigentümliche Form der Parzelle erzählt die Entwicklungsgeschichte des bestehenden, grossen Wohnhauses, einer alten Postauto-Garage, dem grossen Gemüse- und Blumengarten der Eigentümerfamilie und dem beachtlichen Baumbestand. Mit der Reduktion der sechsköpfigen Familie auf einen Zweipersonenhaushalt und dem Wunsch ortsansässig zu bleiben, wurde zusammen mit der Eigentümerschaft das neue «Stöckli» entwickelt. Massgebende Faktoren bei der Projektierung waren die Reduzierung des Raumbedarfs, Schaffung von altersgerechtem Wohnraum, möglichst Erhalt und Weiterentwicklung vom wertvollen Aussenraum und Verwendung von regionalen und ökologischen Materialien. Das ursprüngliche Wohnhaus wird zum neuen Zuhause für eine grosse Familie.
Das Gebäude
Bedingt durch die Orientierung am Bestand von Garten und Bepflanzung, der Ausrichtung gegen Süden und dem minimalen Volumen des neuen Gebäudes, entstand ein zweigeschossiges Wohnhaus. Durch den Längsversatz, den Terrassen und Vordächern entstehen eine Vielzahl von Nischen und Aufenthaltsmöglichkeiten im Zusammenspiel mit dem Aussenraum, die je nach Sonnenstand während jeder Tageszeit zum Verweilen einladen. Das Gebäude als Ganzes, besticht durch seine Schlichtheit und Eingliederung in die Umgebung. Architektonische Akzente setzen das gegen Westen ausgerichtete Sitzfenster, die vielschichtig bedingte Dachform sowie die bewusste Setzung der Fassadenöffnungen.
Materialisierung und Innenausbau
Ökologie, Naturnähe und regionales Handwerk wurden auch in der Ausführung priorisiert. Darum entschied sich die Bauherrschaft für einen Vollholz-Elementbau mit einer zusätzlichen Holzfaser-Aussendämmung und hinterlüfteten Schindelfassaden. Das dabei verbaute Mondholz stammt aus der Region Ostschweiz und wird aus kreuzweise, mit Holzdübeln verbundenen Fichtenholzbrettern zu einem Massivholzsystem konstruiert. Im Innern bleiben die meisten Holzelemente sichtbar und erzeugen dadurch einen «rohen», pragmatischen Raumcharakter. Im Kontrast dazu stehen die einzelnen Farb- und Materialakzente der Einbauten wie Küche mit Linoleumfronten, Lehm-Speicherofen, Duschwände aus Tadelakt und der dunkle Lehmboden im Erdgeschoss. Die verwendeten Komplementärfarben Rot und Grün schaffen, wie auch die architektonische Gestaltung, wiederum den Bezug zum Aussenraum.
Technik und Spezialitäten
Beheizt wird das Haus mit Erdsonde und Wärmepumpe, die Dachhaut wurde mit Fotovoltaik-Modulen ausgebildet. Bei den Aushubarbeiten für den Naturkeller wurde überraschenderweise Quellwasser gefunden. Eine professionelle Quellfassung mit Ableitung in eine Brunnenstube macht dieses kostbare Gut, zusammen mit dem in der Retention gesammelten Regenwasser, nutzbar für WC-Spülung, Waschmaschine, Gartenbewässerung und den neugestalteten Brunnen und Gartenteich.
Um den Charakter und die wertvollen Strukturen des bestehenden Gartens zu erhalten, wurden die Humusschicht und zahlreiche Pflanzen sorgfältig ausgegraben und wiederverpflanzt. Bestehende Elemente der Umgebungsgestaltung wurden in die Gartenanlage integriert, der neue, nördliche Hauszugang mit Recycling-Elementen gepflästert.
Das Projekt von Schraner Partner Architektur wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.