Aufstockung T19 in Zürich
8004 Zürich,
Schweiz
Veröffentlicht am 18. März 2026
Architekturgenossenschaft C/O
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Das Projekt umfasst den Dachausbau eines genossenschaftlich organisierten und gemeinschaftlich bewohnten Wohngebäudes in Zürich, dessen heutige Nutzung auf die Hausbesetzerinnen-Bewegung der 1990er Jahre zurückgeht. Das 1855 im Arbeiterinnenquartier Aussersihl errichtete Haus wurde 1996 von den Bewohner*innen übernommen, in eine Genossenschaft überführt und wird seither als gemeinschaftliches Wohnprojekt genutzt. Die vergleichsweise niedrigen Mieten ermöglichen es, das Gebäude trotz Aufwertung des Quartiers langfristig zu erhalten. Seit der Übernahme wurde das Haus mehrfach umgebaut und an veränderte Bedürfnisse angepasst – teils in Eigenarbeit, teils mit professioneller Unterstützung. Alle Eingriffe erfolgten im bewohnten Zustand und stehen in einer langen Tradition des schrittweisen Weiterbauens, zuletzt mit dem Ausbau des Dachs. Das Projekt zeigt, dass Weiterbauen und Investieren auch ohne Aufwertung möglich ist.
Ausgangspunkt war der Abriss einer informell errichteten Dachterrasse sowie ein sanierungsbedürftiges Dach. Gleichzeitig bestand der Wunsch nach zusätzlichem gemeinschaftlichem Innen- und Aussenraum. Innerhalb der baurechtlichen Vorgaben konnte ein zusätzliches Geschoss realisiert werden, sofern das Dachprofil zur Strasse erhalten bleibt. Daraus entstand ein hybrides Dach: Zur Strasse hin bleibt die bestehende Silhouette bestehen, während zum Hof ein zusätzliches Geschoss aufgesetzt wird. So entstehen zwei Terrassen, ein Gemeinschaftsraum sowie zusätzliche Zimmer.
Der Entwurf wurde in engem Austausch mit den Bewohnerinnen entwickelt. Die Bauherrschaft war zugleich Nutzerinnenschaft. Neben programmatischen Entscheidungen übernahmen die Bewohner*innen Teile der Ausführung und organisierten die Wiederverwendung vorhandener Bauteile, darunter Geländer, Sanitäreinrichtungen, Markise und Bodenbeläge. Planung und Bau wurden so Teil eines gemeinschaftlichen Prozesses, der an eine langjährige Praxis der Selbstorganisation und des kollektiven Weiterbauens anknüpft.
Die Aufstockung ist als kleinstmöglicher Eingriff konzipiert und wurde im bewohnten Zustand umgesetzt. Der Bestand bleibt weitgehend unangetastet, die Erweiterung wird als eigenständiger Holzbau aufgesetzt und bleibt in Konstruktion und Oberfläche bewusst sichtbar. Wo Alt und Neu aufeinandertreffen, bleibt der Übergang ablesbar: Die frühere Dachschräge zeichnet sich im Innenraum ab, die aufgedoppelte Firstpfette bleibt sichtbar, und eine freihängende Spindeltreppe wird vom neuen Dach getragen, ohne den Bestand zu berühren. Die neuen Bauteile bleiben roh und klar erkennbar, sodass die bauliche Entwicklung des Hauses weiterhin nachvollziehbar bleibt.
– gemeinschaftliches Genossenschafts-Wohnprojekt:
Die Bauherrschaft ist zugleich Nutzerinnenschaft. Die Bewohner*innen waren eng in Planung und Ausführung eingebunden, der Entwurf entstand in einem kollektiven, von den Architekt*innen moderierten Prozess mit Workshops und Arbeitsgruppen.
– Eigenbau und Mitwirkung der Bewohner*innen:
Teile der Ausführung wurden von den Bewohner*innen selbst übernommen, ebenso die Organisation von wiederverwendeten Bauteilen. Dadurch konnten einzelne Details präzise geplant werden, während andere bewusst offen blieben und erst im Bauprozess entschieden wurden.
– Re-Use als soziale Praxis:
Die Wiederverwendung vorhandener Bauteile diente nicht nur der Ressourcenschonung, sondern auch der aktiven Einbindung der Bewohner*innen in Planung und Bau. Re-Use wurde so Teil eines gemeinschaftlichen Arbeitsprozesses.
– Umbau im bewohnten Zustand:
Alle Eingriffe erfolgten bei laufendem Betrieb. Die Erweiterung wurde so geplant, dass der Bestand weitgehend unangetastet bleiben konnte und die Nutzung des Hauses während der Bauzeit möglich blieb.
Das Projekt wurde von ANA – Mitglied der Architekturgenossenschaft C/O hochgeladen und von Jeannine Bürgi publiziert.