Betriebserweiterung der Appenzeller Alpenbitter AG
9050 Appenzell,
Schweiz
Veröffentlicht am 29. Juni 2026
Lukas Imhof Architektur GmbH
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Wie kann ein Bau aussehen, der gleichermassen regionaltypisch, architektonisch hochwertig, funktional, wirtschaftlich und nachhaltig ist? Das Team von Lukas Imhof Architektur nahm Elemente der ortstypischen, traditionellen Architektur und adaptierte, skalierte und verfremdete sie zu einem neuen Ganzen – zu einem architektonischen Ausdruck, der so nur in Appenzell stehen kann und der speziell für das Familienunternehmen, das den bekannten Appenzeller Alpenbitter herstellt, entwickelt wurde.
Dass die bestehende Architektur – mit ihrer eigenen Geschichte und an diesem Ort — durch Volumen mit Satteldächern erweitert wird, lag nahe. Diese wurden gestaffelt und abgestuft – und erzeugen so einen Massstab innerhalb des grossen Volumens.
Die Erweiterung hat zudem die architektonische Aufgabe, das «Gesicht» der Appenzeller Alpenbitter zum Eisenbahnviadukt und zum östlichen Freiraum hin zu bilden – trotz der Funktion als Anlieferung. Statt einer industrietypischen «Rückseite» haben die Architekt*innen ein Antlitz geschaffen, das Bahnreisenden, Tourist*innen und Selbstabholenden in Erinnerung bleibt.
Dass die Architekt*innen einen Holzbau vorgeschlagen haben, liegt in Appenzell und in der vorgefundenen Umgebung ebenfalls nahe. Aus regionalen Rohstoffen und von regionalen Unternehmern hergestellt, ist diese Konstruktion dauerhaft, nachhaltig, ressourcenschonend und ortstypisch. Das für den Bau verwendete Holz wurde aus den nahen firmeneigenen Wäldern der Appenzeller Alpenbitter gewonnen, im Kloster Magdenau eingeschnitten und durch lokale Firmen weiterverarbeitet.
Das klassische Thema der Holzschindeln wurde an den Massstab und den Kostenrahmen eines Industriebaus angepasst: Kostengünstige Tannenbretter werden in horizontalen Bändern als sogenannte Hochtiefschalung montiert, wobei die einzelnen Bänder wiederum als Stülpschalung angeordnet wurden. So ist eine grossmassstäbliche Schindelfassade entstanden, welche die grossen Flächen des Baus belebt.
Um das Hochregallager möglichst frei von Stützen zu halten, wurden diese so weit als möglich in die Fassadenebene geschoben – und verformen dadurch die Schindelfassade – ein Trick, den die Architekt*innen von den historischen Schindelbauten der Region abgeschaut haben.
Das Projekt wurde von Lukas Imhof Architektur für die Projects-Ausstellung an der architekTOUR Basel 2026 hochgeladen und von Jørg Himmelreich publiziert.