Huus Feldhof
9463 Oberriet,
Schweiz
Veröffentlicht am 07. April 2026
kit | architects gmbh roman loretan / andreas schelling / gianet traxler
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Das Huus Feldhof liegt in der offenen Rheinebene und entwickelt den bestehenden Rundbau zu einer klar gegliederten Gesamtanlage weiter. Zwei neue Gebäudeteile ergänzen den Bestand und ordnen die Anlage neu. Es entsteht eine übersichtliche Organisation mit eindeutig adressierten Zugängen und schwellenarmen Übergängen zwischen Innenräumen und Landschaft. Die Qualität des Projekts liegt nicht in der Fortschreibung des Bestands, sondern in dessen Neuordnung. Der Rundbau wird als gesetzte Struktur akzeptiert, jedoch nicht formal weitergeführt. Zwei präzise gesetzte Baukörper ergänzen ihn und überführen die Anlage in eine klar lesbare Gesamtform.
Diese ist von Beginn an als entwicklungsfähiges System angelegt. Die Setzung der Baukörper erlaubt im Osten die Ergänzung eines dritten Flügels. Der Rundbau kann langfristig durch einen vierten Baukörper ersetzt werden. In ihrer Endausbaustufe entsteht ein vierflügeliges, kleeblattartiges Gefüge. Es schafft Orientierung, kurze Wege und klar definierte Aussenräume. Das Erdgeschoss ist als zusammenhängende Raumlandschaft organisiert. Aufenthaltsbereiche, Speisesaal und öffentliche Nutzungen lassen sich flexibel kombinieren und stehen in direkter Beziehung zu den Aussenräumen. Tageslicht wird über Innenhöfe und gezielt gesetzte Oberlichter bis in die Gebäudetiefe geführt. Der gedeckte Aussenraum erweitert die Nutzung ins Freie und ermöglicht witterungsgeschützte Aufenthalte.
In den Pflegegeschossen sind jeweils zwei Wohngruppen mit je zwölf Zimmern um einen Innenhof organisiert. Eine zentrale Erschliessungs- und Aufenthaltszone bildet das räumliche Rückgrat und dient als Orientierungspunkt. Die Struktur ermöglicht kurze Wege für das Personal und klare Blickbeziehungen für die Bewohner*innen. Aufenthaltsbereiche, Loggien und Zimmer sind so abgestuft, dass unterschiedliche Grade von Öffentlichkeit und Rückzug entstehen. Die Realisierung erfolgte im laufenden Betrieb und wurde von Beginn an mitgedacht. In einer ersten Etappe entstand ein Neubau mit Küche, Cafeteria sowie Speise- und Mehrzwecksaal. Er ermöglichte den Umzug aus dem Bestand und schuf die Voraussetzung für dessen Rückbau. Anschliessend wurde dieser durch einen weiteren Gebäudeteil ersetzt. In einer dritten Etappe wurde der Rundbau saniert und in die neue Struktur integriert. Die Abfolge ist klar organisiert und sichert den Betrieb während der gesamten Bauzeit.
Die Konstruktion basiert auf einem einfachen, wiederholbaren System. Tragstruktur und Ausbau sind langlebig, wartungsarm und so konzipiert, dass Anpassungen möglich bleiben. Die bauliche Logik unterstützt sowohl die Etappierung als auch die langfristige Weiterentwicklung der Anlage. Holz prägt die Fassaden und Innenhöfe. Es wird differenziert eingesetzt und so verarbeitet, dass es der Witterung standhält und zugleich eine ruhige, wohnliche Atmosphäre schafft. Als Gegenüber der holzigen Lichthöfe führen helle Sichtbetonwände mit Weisszement vom öffentlichen Bereich in die privaten Zimmer. Die Materialwahl unterstützt eine robuste Nutzung und trägt zur Dauerhaftigkeit des Gebäudes bei. Das Projekt verbindet eine klare räumliche Organisation mit einer langfristig angelegten Entwicklungsstrategie. Es schafft Orientierung im Alltag, ermöglicht Gemeinschaft und Rückzug und bleibt als bauliches System offen für zukünftige Anpassungen.
Was ist das Besondere an der Bauaufgabe?
Die Bauaufgabe liegt in der Neuordnung einer bestehenden Anlage unter laufendem Betrieb und gleichzeitig in der Entwicklung einer langfristig erweiterbaren Struktur. Das Projekt verbindet funktionale Anforderungen der Pflege mit einer klaren räumlichen Organisation und einer über den aktuellen Ausbau hinaus entwickelten, schrittweise erweiterbaren Gesamtform.
Welche Überlegungen liegen dem Projekt zugrunde?
Das Projekt basiert auf einer einfachen, robusten Grundstruktur mit klaren Wegen, zentralen Orientierungspunkten und Lichthöfen. Gleichzeitig wurde die Anlage so konzipiert, dass sie schrittweise erweitert und angepasst werden kann, ohne ihre räumliche Logik zu verlieren.
Was war die Inspiration?
Die offene Landschaft der Rheinebene bildet den räumlichen Referenzrahmen. Daraus entstand die Idee einer klar gesetzten, übersichtlichen Anlage, die in ihrer Ausbaulogik ein vierflügeliges, kleeblattartiges Gefüge bildet. Der bestehende Rundbau war dabei keine formale Vorlage, sondern eine Gegebenheit, die in eine neue Ordnung überführt wurde.
Welche Rolle spielten Standort und Bestand?
Der Standort verlangt eine präzise Setzung im offenen Raum. Die neuen Baukörper reagieren darauf mit klar definierten Aussenräumen und einer gut lesbaren Struktur. Der Bestand wird nicht fortgeschrieben, sondern räumlich eingebunden und langfristig durch eine weiterentwickelbare Gesamtform ersetzt.
Einfluss von Bauherrschaft und Nutzer*innen?
Die Anforderungen des laufenden Betriebs sowie die Bedürfnisse der Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen haben die Organisation wesentlich geprägt. Kurze Wege, klare Orientierung und differenzierte Aufenthaltsbereiche ermöglichen sowohl effiziente Abläufe als auch individuelle Wahlmöglichkeiten im Alltag.
Wie fügt sich das Gebäude in die Reihe Ihrer bisherigen Bauten ein?
Das Projekt setzt die Auseinandersetzung mit klar strukturierten, funktional organisierten Gebäuden fort. Charakteristisch ist die Entwicklung einer einfachen Grundordnung, die sowohl räumliche Qualität als auch langfristige Anpassungsfähigkeit ermöglicht.
Welche besonderen Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?
Die Umsetzung im laufenden Betrieb erforderte eine präzise abgestimmte Etappierung. Neubau, Umzug, Rückbau und Sanierung wurden so organisiert, dass der Betrieb jederzeit gewährleistet blieb und gleichzeitig eine klare bauliche Entwicklung möglich war.
Das Projekt von kit | architects gmbh roman loretan / andreas schelling / gianet traxler wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.