Lilac

 
1000 Lissabon,
Portugal

Veröffentlicht am 21. September 2026
BUREAU Daniel Zamarbide, Carine Pimenta, Galliane Zamarbide

Projektdaten

Basisdaten

Projektkategorie
Gebäudeart
Fertigstellung
06.2026
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Nutzfläche
44 m²

Beschreibung

Lilac erfüllt die Erwartungen an ein neues Zuhause auf 44 m². Kann diese kleine, vielleicht minimale Fläche ausreichen für das, was wir ein Zuhause nennen? Wie viele Quadratmeter braucht es, um alltägliche Abläufe und Routinen, Gegenstände und Gewohnheiten aufzunehmen? Lilac bietet einen kompakten häuslichen Raum – und doch einen, der vielfältige Formen des Zusammenlebens zulässt. Die Wohnung ist mit wenigen Einschränkungen an die Privatsphäre konzipiert und erlaubt zugleich, dass unterschiedliche Tätigkeiten nebeneinander bestehen. Jeder Raum lädt zu einer eigenen Bestimmung ein und passt sich den Gewohnheiten derer an, die ihn bewohnen.

Der neue Grundriss verwandelt Erschliessung in Raum und Raum in Erschliessung. Die frühere Eingangsdiele wird zum funktionalen Küchenbereich; das bestehende innenliegende Zimmer im Zentrum der Wohnung ist nun den Nasszellen gewidmet. Um diesen Kern herum führt ein durchgehender Rundgang durch vier symmetrische Öffnungen und lässt Räume und Lichtwege wiederentdecken, die frühere Umbauten verschlossen hatten. Ein zirkulärer Parcours, der die Räume fliessender verbindet, als es die bestehende – und respektierte – Tragstruktur zu erlauben schien.

Im Zentrum, das der Wohnung Farbe und Identität verleiht, verbindet eine einzige Arbeitsfläche beide Seiten des Kernbereichs und bedient Küche wie Bad. So rücken zwei häusliche Welten zusammen, die sich sonst voreinander verbergen, und die Anwesenheit der Bewohnerinnen und Bewohner wird spürbar geteilt. Alle neuen Öffnungen bestehen aus lichtdurchlässigen oder verspiegelten Materialien und verleihen den knapp bemessenen Räumen jenen visuellen Reichtum und jene Komplexität, die diesen Materialien eigen sind.

Die 44 m² bieten Raum für jedes häusliche Bedürfnis künftiger, anspruchsvoller Bewohnerinnen und Bewohner. Wir stellen uns dabei vielfältige Szenarien und Beziehungen vor. Wie im Film «Die Verachtung» (Jean-Luc Godard, 1963) ist die Fluidität des Raums für seine Bewohner grundlegend: Er ist Bühne, Kulisse, Dialog, Zuflucht und Akteur zugleich. In dieser fiktiven Umgebung spiegelt der Raum den Charakter seiner Nutzerinnen und Nutzer; die Wohnung wird zur «Arena» für Bewegungen, Gewohnheiten und Emotionen – ein Bereich von wenigen Quadratmetern, in dem jede Kammer, jede Szene eine andere Form von Intimität vermittelt. Parallelen zeigen sich im Massstab dieser Szenerie, im Einsatz der Farbe und in der Neutralität des Weiss, das Räume wie Charaktere kennzeichnet, und in der Rolle, die Raumtrennungen und Öffnungen in den Wegen und Szenen der häuslichen wie der filmischen Erzählung spielen.Die Flexibilität liegt in den vorgestellten Lebensweisen; es ist die Spezifität, die jedem Attribut, jedem Ritual Form gibt. Vielleicht ist genau das eine der Qualitäten minimaler Räume, die sie als Zuhause so fesselnd macht.

Lilac ist das kleinere der beiden «Geschwister» – und verspricht seinen Bewohnerinnen und Bewohnern doch die Intimität des Zuhauseseins. Der kleine Massstab bietet die Gelegenheit, das Wohnen vom Wesentlichen her zu denken: von den Gesten, den Gesprächen, den Gegenständen, dem Licht und den Lebensweisen, die ihm gemeinsam Sinn verleihen.

Das Projekt von BUREAU wurde von Jeannine Bürgi veröffentlicht.

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