Orelli Saal – Modernisierung Sitzungsinfrastruktur

 
8001 Zürich,
Schweiz

Veröffentlicht am 15. April 2026
HPP Architekten GmbH
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

Blick in den Saal mit neuer Konferenzinfrastruktur. Die LED-Wall im Hintergrund erweitert optisch den Saal. Die unterschiedlich langen Schenkel des Tisches schaffen Raum für Vorträge an der LED-Wall Die beiden Kameras und Lautsprecher links und rechts am Bogenpilaster und die grosse LED-Wall sind Teil der neuen Konferenzinfrastruktur. Tischmikrofone und Steckdosen sind in die Tischfläche integriert. der Konferenztisch in Rot mit seiner Kanellierung und den gerundeten Ecken interpretiert die reichhaltige Ausgestaltung des Bestands Der Orelli Saal bietet nach der Neugestaltung Platz für bis zu 25 Personen. Der Tischkopf kann als "runder Tisch" genutzt werden. Das Furnierbild deutet dies mit seiner radialen Anordnung an. Die Stühle wurden neu bezogen und wiederverwendet. Sie erhalten im Orelli Saal ein zweites Leben.

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Künstlergasse 15, 8001 Zürich, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
04.2026

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
3 bis 5
Anzahl Kellergeschosse
1
Nutzfläche
90 m²
Anzahl Arbeitsplätze
25

Beschreibung

Ausgangslage und Aufgabe
Der Orelli Saal im Stockargut wurde für eine zeitgemässe Besprechungs- und Sitzungskultur der Universität Zürich neu interpretiert. Der historisch bedeutende Raum dient heute unterschiedlichen Gremien mit bis zu 25 Personen und muss sowohl repräsentativen als auch hochfunktionalen Anforderungen genügen. Die bestehende Audio/Video-Infrastruktur wirkte provisorisch, unruhig und dem Raum nicht angemessen. Ziel des Projekts war es daher, die technischen Anforderungen eines zeitgenössischen Konferenzraums präzise in den historischen Bestand zu integrieren und zugleich die räumliche Qualität des Saals neu zu aktivieren.

Entwurfsidee und räumliche Strategie
Ausgangspunkt des Entwurfs war ein fest installierter Konferenztisch, der unterschiedlichste Nutzungsszenarien ermöglicht: klassische Sitzungen, Vorträge, Videopräsentationen, Hybridmeetings sowie grössere und kleinere Gesprächsformate. Seine prägnante V-Form mit unterschiedlich langen Armen und gerundetem Kopf zoniert den Raum, ohne ihn zu zerteilen. Mikrofone, Anschlüsse und technische Infrastruktur sind direkt in die Tischfläche integriert. Dadurch verschwinden sichtbare Kabel und Geräte weitgehend aus dem Raum, und die Nutzung wird zugleich einfacher und schneller.

Zentrale Elemente: Tisch, Licht, Technik, Atmosphäre
Ein zweites zentrales Element des Eingriffs ist die neue Beleuchtung. Drei eigens für den Raum entworfene kreisrunde Leuchter mit 2,2 Metern Durchmesser schaffen eine präzise Ausleuchtung und variabel steuerbare Lichtstimmungen. Sie kombinieren Deckenfluter und Minispots und ersetzen die historisierenden Leuchten der 1990er-Jahre. Ihre Geometrie ist exakt in die freien Deckenfelder eingepasst, sodass keine der ovalen Deckenmalereien beeinträchtigt wird. Licht wird hier nicht als technische Ergänzung verstanden, sondern als eigenständiges innenarchitektonisches Gestaltungsmittel.
Die neue mediale Infrastruktur wurde räumlich gebündelt und architektonisch gefasst. Eine grossformatige LED-Wand bespielt den Bereich am Saalende, der zuvor als improvisiertes AV-Lager genutzt wurde. Akustikvorhänge, gesteuerte Kameras und neugepolsterte Secondhand-Stühle ergänzen das Konzept. So entsteht ein Raum, der den Anforderungen an hybride Kommunikation gerecht wird, ohne seine historische Präsenz zu verlieren.

Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand
Entscheidend für den Entwurf war die klare Ablesbarkeit des Neuen. Die Intervention sucht nicht die Anpassung durch Imitation, sondern eine selbstbewusste Gegenwart. Tisch und Leuchten treten dem historischen Bestand mit eigener Formensprache, Materialität und ornamentaler Präzision gegenüber. Details wie die kannelierte Tischblende oder die geschuppte Struktur des Leuchtendiffusors übersetzen die ornamentale Dichte des Raums in eine zeitgenössische Gestaltung. Alt und Neu werden nicht verwischt, sondern bewusst aufeinander bezogen.
Der Orelli Saal ist Teil eines als überkommunales Schutzobjekt eingetragenen Gebäudes mit Ursprüngen im 17. Jahrhundert. Zugleich fehlten zum Raum weitgehend verlässliche Dokumentationen und Unterlagen früherer Umbauten. Die Planung erforderte deshalb ein hohes Mass an Präzision und Offenheit gegenüber dem Bestand. Eine zerstörungsfreie Untersuchung der Balkenlage hinter der Stuckdecke mittels Georadar ermöglichte es, technische Eingriffe sorgfältig auf die historische Konstruktion abzustimmen.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Innovationsgehalt
Besonders bemerkenswert ist, dass für diese konkrete räumliche und technische Lösung bislang kein vergleichbares Produkt auf dem Markt bestand. Das Projekt konnte nur entstehen, weil Planer*innen, Hersteller*innen, Architekt*innen und Bauherrschaft eng zusammenarbeiteten und den Entwurf gemeinsam bis ins Detail entwickelten. Gerade diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglichte eine Lösung, die sowohl funktional als auch gestalterisch präzise auf den Ort zugeschnitten ist.

Alt und Neu verbunden
Der Orelli Saal zeigt exemplarisch, dass sich denkmalgeschützter Bestand und die Anforderungen der neuen digitalen Welt nicht ausschliessen. Vielmehr können sie durch einen präzisen innenarchitektonischen Eingriff produktiv miteinander verbunden werden. Der Raum wurde nicht nur technisch erneuert, sondern als repräsentativer, atmosphärisch präziser und zeitgemaess nutzbarer Ort neu formuliert. Die Intervention verbindet Nutzung, Gestaltung, Denkmalschutz und digitale Gegenwart zu einer klaren räumlichen Aussage.

Das Projekt wurde von HPP Architekten für den Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert. 

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